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Astrachan - Samara



Die Wolga.... stromaufwärts durch die Provinz und bekanntes Gebiet


Die schöne Stadt Astrachan verlassen wir Richtung Nordwesten und fahren bei Sonnenschein und wunderbar angenehmer Temperatur am Kreml vorbei, dessen innere Türme richtig leuchten. Achtubinsk ist unser nächster Übernachtungsort... wer fährt schon nach Achtubinsk! 

Wir durchfahren Steppengebiet auf der Ostseite der Wolga, die kasachische Grenze ist auch nicht weit. Das Land ist karg, ein paar Dörfer rechts und links, die Menschen sehen eher asiatisch aus. Am Schild "Sarai - Batu" stoppen wir kurz. Sie soll Hauptstadt der "Goldenen Horde" gewesen sein und eine stehen gebliebene Kulisse für gleichnamigen Film soll Touristen hierher führen. Eine Sandpiste führt dorthin. Nein, das machen wir nicht, unbefestigte Straßen hatten wir genug! Unter anderen Umständen hätte ich mir das zu gerne angeschaut! Schade!

Achtubinsk erreichen wir früh. Hier soll sich bei Baskuntschak, ca. 50 km entfernt, ein bekannter Salzsee in direkter Nachbarschaft zu Kasachstan befinden. 

 

Als wir vorm Hotel stehen, fallen wir vor Schreck fast von unseren Maschinen. Ein verfallener, alter Sowjetbau soll unsere Herberge sein! Die bunten Blumenrabatten lenken leider nicht von der Fassade ab! Uns schwant nichts Gutes! Angespannt betreten wir diesen Bau. Hinter Glas (Panzerglas? ;-) ) befindet sich die Rezeption samt Rezeptionistin. Wir verstehen nichts und reichen ihr, wie üblich, unsere Pässe samt Einreiseregistrierungskärtchen.  I(ich ärgere mich, nicht ehrgeiziger diese Sprache gelernt zu haben... dass es einen Googleübersetzer offline zum Runterladen gibt, werden wir leider erst in den nächsten Tagen erfahren ;-)! Ich habe da noch eine Frage?... "Wie bekomme ich Internet?"... Sie versteht absolut nichts!... Da kommt Pavel um die Ecke, der uns in Form eines Englisch sprechenden, jungen Mannes der Himmel schickt! Er hilft gerne, übersetzt und mir nichts dir nichts haben wir unseren Schlüssel in der Hand samt Internetverbindung!... 

 

Oha!... Die Gänge zu den Zimmern in diesem "Bunker", wir nennen ihn fortan "KGB - Zentrale" ähneln dem eines Stasigefängnisses und wer schon einmal das Stasi Gefängnis in Berlin Hohenschönhausen besucht hat, wird beim Anblick dieser Gänge genau daran erinnert! Wir öffnen die Zimmertür und stellen uns auf das Übelste ein!... Wow!... Die Überraschung kann nicht größer sein! Es tut sich ein sauberes, renoviertes Zimmer auf, samt nagelneu gefliestem Bad! Wir sind begeistert!  Auch Marina, die Rezeptionistin steht uns lächelnd und hilfreich trotz Sprachbarriere zur Seite.

Als wir wieder nach unten gehen, treffen wir auf Pavel und kommen mit ihm ins Gespräch. Er kommt aus der Nähe von Moskau und arbeitet hier als Ingenieur in der hiesigen Militärbasis mit Jagdfliegerentwicklung- oder produktion. Mehr darf er nicht erzählen. Er lädt uns auf ein "Barbecue" mit seinen Kollegen am Grillplatz vorm Hotel ein, wo schon kräftig gefeiert wird. Das können wir nicht abschlagen und verzichten ohnehin auf den Salzseebesuch. Es ist noch früh am Abend, aber der Alkoholpegel einiger Kollegen ist schon ziemlich am Limit. Trotzdem gesellen wir uns zu dieser Truppe. Essen wird maßlos aufgetischt und Wodka gekippt! Uns werden fast volle  Plastikbecher gereicht und es entstehen Gespräche aus einem Gemisch von Englisch, ein paar Brocken Russisch und Gesten mit Händen und Füßen. Diverse Trinksprüche (Trinksprüche sind in Russland ein Muss) machen die Runde: auf "Druschba" (Freundschaft), auf Russland, auf Deutschland, auf die Russische Gastfreundschaft... etc. Wir benetzen aus Höflichkeit unsere Lippen und Bert trinkt zum Schluss dann doch noch einen Becher leer. Was für ein spontan, fantastischer Abend! Dieser hat ganz sicher  der "Druschba" gedient! Vielen Dank!

Fast ungern verlassen wir unsere  KGB - Zentrale samt Pavel, seinen Kollegen und auch Marina.

Unsere nächsten Übernachtungen sind Kamychin, Balakovo und die Großstadt Samara, wo wir letztes Jahr auch schon waren. In all den 3 Orten haben wir andere Unterkünfte gebucht. Ziemlich starker Verkehr führt uns an Wolgograd vorbei, in der Ferne können wir sogar die "Mutter-Heimat-Statue" sehen.

Kamychin ist eine mittlere Großstadt und wir freuen uns auf ein Hotel direkt am Fuße der Wolga. Heute ist es genau umgekehrt als gestern. Die Fassade ist ok und macht einen gepflegten Eindruck und die Lage wunderbar. Nur das Zimmer, das kommt dem in Ureki ziemlich Nahe.  Alles ist vergammelt, das Bad.... guäh, ich bin kurz vorm Ekel empfinden!...

Dieses Jahr ist es wirklich sehr krass und eigentlich unverständlich mit den Hotels. Obwohl wir immer die gleiche Preisklasse gebucht haben, ist es jedes Mal wie ein Lotteriespiel und immer spannend. Die Bandbreite ist von super gut und hohem Standard bis hin zu grottenschlecht, schmuddelig und verrottet!

 

Dann kommt Balakovo, krasses Gegenteil. Innen wie außen gepflegt und sauber, wir fühlen uns gleich wohl., noch dazu ein herzlicher Empfang. Wir machen einen kurzen Spaziergang und essen im Hotel. Hier hat man sogar Auszüge der Speisekarte vom Googleüberstzer kopiert und extra für uns ausgedruckt. Wir brauchen nur ankreuzen, was wir möchten. Wir sitzen draußen, es ist wunderbar! Als die Bedienung uns einen Zettel, mit der Aufschrift in Deutsch: "Entschuldigung, Ihr Essen verzögert sich um 20 Minuten!" reicht, sind wir nicht unglücklich darüber... Hier ist alles sehr persönlich.

Dann steht Natalia vor uns. Sie spricht Deutsch und ist gerne beim Übersetzen behilflich. Sie freut sich, mal Deutsch sprechen zu können, hat früher als Übersetzerin gearbeitet. Nach diesem kurzen Gespräch, habe ich ihre Telefonnummer in der Hand... falls wir mal Hilfe bräuchten! Diese Freundlichkeit ist fast beschämend! Auch die Frau an der Rezeption ist so natürlich herzlich, dass wir uns am nächsten Morgen umarmend verabschieden!

 

Die Landschaften wechseln auch, langsam wird alles grüner und die ersten Sonnenblumenfelder tauchen auf und leuchten wunderschön knatschgelb bis zum Horizont. Die Strecke bis Samara ist leider teilweise in einem desolaten Zustand und wir hoppeln und holpern Schlagloch um Schlagloch Richtung Norden, sich vage erinnernd an letztes Jahr!

 

Die Millionenstadt Samara dient diesmal nur zur Durchreise. Trotzdem wollen wir das Raumfahrtmuseum, was letztes Jahr geschlossen war, besuchen. Klein aber fein zeigt es sich mit ein paar englischen Betafelungen.

 

Morgen dann geht es  weiter zum nächsten Highlight: Kasan, Hauptstadt der Tataren mit einem weiteren freien Tag.

Die Temperaturen sind ein wenig gefallen, es ist trotzdem sehr angenehm bei knapp über 20 Grad zu fahren.

Die Prognosen sehen leider nicht so gut aus, Regen ist angesagt. Wir schicken euch ein wenig davon in die Heimat!

 

...UND MEINE FREUNDIN HEIDRUN HAT GEBURTSTAG!... Alles Gute, Bella Bionda, dieser Blog ist dir gewidmet, schön, dass du mitreist!

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Heidrun (Freitag, 02 August 2019 08:18)

    ❤️