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Balakovo, Engels, Kamychin


Russenpop, Jury Gagarin und andere Begebenheiten!


....Auf geht es weiter nach Balakovo. Ein nahe gelegenes Atomkraftwerk deutet auf einen nicht so kuscheligen Ort hin! Nur vom Weiten lange vor Balakovo sehen wir es im Augenwinkel von der Hauptstraße aus.

Wir haben wieder ein Hotel direkt an der Wolga gebucht und werden wieder sehr freundlich empfangen, sogar mit ein paar Brocken Englisch! Es gibt einen kleinen Strand und wir können das erste Mal in der Wolga baden! Wow, 4000 km entfernt von Zuhause - auch gedanklich - plansche ich in einem Fluss, den wir bisher nur aus wenigen Reisereportagen kennen! In einem Land, was für uns so unbekannt ist! Karibik oder Kanada sind sogar vertrauter!

Der Abend verläuft etwas laut, naja, es ist Wochenende... ein DJ macht Musik und singt auch noch dazu.Wir essen gut und unser kleiner Bungalow liegt etwas abseits, so dass wir dennoch ganz gut schlafen können.


Unser Hotel bei Engels: Ballermann auf russisch!


Unser nächstes Ziel ist Engels... Ja. Engels!... Aber vorher fahren wir noch durch Marx... Diese Orte gibt es wirklich!... Engels, so lesen wir, ist sogar einmal das Zentrum der Wolgadeutschen gewesen! Ein Hotel namens Edelweis64 ist gebucht, vielversprechend am Wolgastrand, genau das Richtige, um ein wenig zu relaxen.

Zügig fahren wir, nee, nicht so zügig! Wellen, Dellen, Schlaglöcher auf einer Nebenstrecke, doch, auch in Russland gibt es solche Straßen! Wir sind aber trotzdem früh und freuen uns auf entspannten Nachmittag am Wasser. Wow, unsere Navis haben das Hotel auch gleich gefunden! Noch ca 3 km! Eine nicht befestigte Straße führt dorthin, ok, wir haben ja gute Reifen! Im Schritttempo geht es über Geröll, kleine und große Steine und mehr tiefe als flache Löcher! Dann noch lockerer Sand! Es ist heiß und ich schwitze, aber das mehr vor Anspannung als vor Hitze! Ich habe das Gefühl bis in die Haarspitzen! Wir schlingern durch die Sandpiste! Und dann auch das noch: Wo kommt denn der viele Verkehr her? Autos überholen uns, es staubt ohne Ende! Gegenverkehr und ein Hupkonzert inklusive! Noch ein paar Hundert Meter, geschafft und wir stehen vor einer Schranke am Hotel! Alles ist kreuz und quer zugeparkt, wieder ein mächtiges Hupkonzert hinter uns! Bert will kurz Platz machen... und dann ist es passiert, er kippt um, ausgerutscht auf einem großen Stein. Ich kann meine Maschine auch nicht abstellen, bleibe nervös sitzen. Aber sofort eilt jemand herbei und hilft beim Aufstehen und Aufstellen! Zum Glück ist meinem Mann samt seiner Maschine nichts passiert!

Die Schranke öffnet sich und wir können endlich parken. Das übliche Prozedere, "Passport", die Dame ist diesmal nicht besonders freundlich! Dröhnende Musik schwappt uns entgegen als sie uns unser Zimmer zeigt. Ach ja, es ist Samstag! Wir folgen ihr schwitzend (auch hier sind es sicher weit über 30 Grad) und staunend. Zur Musik wird auf einer Tanzfläche neben den Tischen am Restaurant wild getanzt, draußen an der Wolga! Einige liegen Betrunken in den Bänken, es ist gerade früher Nachmittag! Wilde Party! Na toll, unser Zimmer liegt motelartig direkt an der "Partymeile"!

Das Zimmer ist auch nicht besser, eng und schmuddelig! Egal, wir sind fertig, erstmal raus aus den Klamotten und die Welt wird anders aussehen!.... NEIN, sieht sie nicht, auch nach dem Duschen nicht! Schönreden hilft auch nicht! Wir versuchen das Zimmer zu tauschen. Nein, das geht nicht! Vielleicht fahren wir einfach wieder, die Stadt der Wolgadeutschen hat sicher anderes zu bieten! "Nein, nicht wieder diese Piste zurück"... ! Ich bin einfach zu fertig! Morgen, in aller Ruhe werde ich den Rückweg schaffen, aber nicht jetzt! Also, wir entscheiden uns zum Bleiben!... Den Nachmittag verbringen wir am Rande des Geschehens, dem Partygewummere ist aber trotzdem kein Entkommen. Wir staunen und unser Humor lässt uns alles ertragen! Diese Russen bedienen jegliches Klischee: Saufen bis zum Abwinken! Und wir diskutieren. Die Bilder von Engländern und Deutschen saufend an Mallorcas Ballermann kommen uns in den Kopf. Ok, wir sind nur am falschen Ort!

Neben uns stellt jemand noch zusätzlich seinen eigenen Lautsprecher auf. Russenpop gegen anderen Russenpop!

Mittlerweile ist es Abend und uns dröhnt der Schädel! Der Barkeeper spricht Englisch, ein Lichtblick... Wir essen etwas, trinken ein Bier! Der Barkeeper heißt Sascha und ist selbst nicht mehr ganz nüchtern! Er gibt eine Bier aus und einen Schnaps! Höflich kippt mein Mann den Schnaps, danke, Sascha, wir machen ein Selfie und gehen schlafen. Die Party tobt weiter und wir tun kaum ein Auge zu!

Wir stehen früh auf und wollen schnell weg!.... Meine Gedanken sind schon bei der Sandpiste!...Schnell frühstücken, alle liegen noch im Koma! "Frühstück? Nein, das gibt es erst ab 10.00 Uhr!" Wir machen lange Gesichter. Zum Glück haben wir eine Notration in Form von Studentenfutter und Brotchips dabei und nippen an unserer Wasserflasche. Schnell weg hier ...!

Am Morgen schaffen wir Sandpiste, Schotter etc. zum Glück ohne Verkehr und Hupkonzert ganz gut!

 

Unser Ziel ist zunächst der wenige Kilometer entfernte Landeplatz Juri Gargarins, dem ersten Menschen im Weltall. 1961 landete er mit seiner Kapsel genau hier. Eine kleine Gedenkstätte weißt darauf hin. Und es absolut nichts los, wir sind die einzigen Besucher. Juri hat man wohl schon vergessen oder wir haben einfach einen falschen Zeitpunkt, Sonntagmorgen! Wir sind trotzdem ergriffen!

 

Dann geht es weiter nach Kamychin, ca. 150 km vor Wolgograd.

Auch hier liegt unser Hotel direkt an der Wolga. Unsere Navis bringen uns stadteinwärts und über Schotter (schon wieder!) jenseits einer Plattenbausiedlung zum Hotel. Hotel? Weder ein Straßenschild noch ein Hinweis am Haus weisen auf das gefundene Gebäude als Hotel hin, das aussieht wie ein normales Wohnhaus! Lediglich die Hausnummer stimmt! Bert klingelt einfach! Ja, wir sind richtig!.... Willkommen!

Es ist doch alles seltsam hier in Russland!

Das vermeintliche 2-Familienhaus entpuppt sich als Kleinod, unser Zimmer hat eine Terrasse und Ausblick zur Wolga. Die am anderen Ufer gelegenen Industriebrachen können wir sehen, sind aber weit weg und stören uns nicht. Wir gehen erstmal Wolgaschwimmen!

Abends ein kleiner Spaziergang in die Stadt ...laut Googlmaps nur ein paar Minuten Fußweg... wir gehen doch lieber Hauptstraße. Es sind mehr als ein paar Minuten, wir laufen eine Stunde! Egal, der Hunger treibt uns, wir finden ein nettes Restaurant. Es ist mittlerweile dunkel und der Rückweg?... Wir versuchen, ein Taxi zu ergattern. Aber der einzige Taxifahrer deutet uns, dass er nichts versteht, auch nicht die Adresse, die wir ihm auf kyrillisch unter die Nase halten! Er will uns einfach nicht mitnehmen! Hilft nix, wir latschen den ganzen Weg bei schlechter Beleuchtung zurück.

Nach dem üblich deftigen Frühstück (ich gebe es zu: ein bisschen fehlen mir doch  Körnerbrötchen und Marmelade!) brechen wir am nächsten Tag auf, um Wolgograd erreichen. Stalingrad, wo der 2. Weltkrieg so tobte und unfassbar viele Menschenleben kostete, das ist  unser nächstes großes Ziel!

 


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