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Aserbaidschanisch/Russische Grenze - Astrachan (RUS)



Dagestan, eine (zu) kurze Zeit in der kleinen Kaukasusrepublik


Da stehen wir nun an der Grenze von Aserbaidschan nach Russland, genauer gesagt, an der Grenze zur Russischen Teilrepublik Dagestan!  Die Ausreise aus Aserbaidschan war nicht einfach nur so: Raus aus dem Land und gut! Nein, nochmals für den Zoll müssen wir unsere Koffer öffnen und von Schalter zu Schalter, alles in allem ging es aber fließend und relativ schnell!

Und dann kommt er, DER Grenzübertritt ins größte Land der Welt! Vom letzten Jahr noch in so schlechter Erinnerung (wer mag kann im Reisetagebuch 2018 nachlesen: Ukraine - Russland), sind wir auf alles eingestellt und rechnen damit, viel Zeit hier zu verbringen. Es ist zum Glück nichts los, nur ein paar PKWs sind vor uns. Das muss aber aus Erfahrung nichts heißen. Warm ist es, aber nicht zu heiß, zumindest lässt es sich temperaturmäßig aushalten. Wow, wir stehen wirklich hier! Am Fluss Samur, der die beiden Staaten trennt! Wir haben schon so viel durch. Über 5000 km und über 3 Wochen liegen hinter uns, über 4 Wochen und knapp 10000 km haben wir noch vor uns! ...

Zur Vorsicht habe ich einen "Prototyp" von Zollformular von der letzten Einreise dabei. Das hatte ich als "Souvenir" behalten und jetzt soll es als Vorlage gelten. Vielleicht machen wir dieses Mal nicht so viel falsch! Das Procedere beginnt mit der Passkontrolle, die schnell abgehakt ist, dann geht es direkt zum Zoll. Ich kann es kaum fassen, der Zöllner will nur, dass wir die Koffer, Topcase und Tankrucksack öffnen. Als ich meine Packtasche mit den Campingstühlchen schon mal abschnallen will, winkt er ab und sowieso, er überschaut alles nur flüchtig und will nicht in meiner Schmutzwäsche rum wühlen, wie der letztes  Jahr und auch meine Medikamententasche wird nicht gesichtet! Bei Bert das Gleiche! Wir sind erstaunt, keiner will irgend etwas genauer sehen. Am Schalter gibt man uns die Zollformulare. Ich will schon mein Beispielformular rauskramen, da kommt ein älterer Grenzbeamter auf uns zu und nimmt uns förmlich an die  Hand. Bedeutet, was wir wohin zu schreiben haben - und Zack - sind die Formulare ausgefüllt und abgestempelt, noch dazu eine freundliche Kommunikation und wir dürfen passieren! Bei Bert gibt es eine kleine Komplikation... eine andere Maschine als letztes Jahr mit einer anderen Registriernummer (natürlich sind wir gespeichert!) und das gleiche Kennzeichen! Wie kann das sein? Wir versuchen mit Händen und Füßen klar zu machen, dass das alte Motorrad verkauft wurde, das Kennzeichen behalten wurde und auf das Neue übertragen wurde! Irgendwie finden die Grenzer das seltsam und müssen das untereinander ausdiskutieren. Das aber dauert aber auch nicht lange und wir haben alles und können durch! Insgesamt haben alles in Allem samt Aserbaidschan nur 2 Stunden gebraucht! So verlassen wir wunderbar entspannt den Grenzbereich und starten durch Richtung Derbent. Weit ist es nicht mehr.

 

Dagestan, die südlichste Teilrepublik Russlands mit der Hauptstadt Makhachkala - Kaukasusregion - soll auch die Gastfreundlichste sein. Unser Ziel ist Derbent, die südlichste Großstadt Russlands. Das auswärtige Amt warnt immer noch vor Reisen hierher! Wir haben uns vorab ja schon ausgiebig informiert, vor allem aus meiner Lieblingsreisequelle für Reisen nach Russland, dem "Rhein-Wolga-Kanal". Die Lage scheint sicher und stabil. Wir richten uns trotzdem auf viele Kontrollstellen ein, so wie wir es letztes Jahr in Nordossetien und Inguschetien hatten. Unsere Fahrt bis zum Ziel wird aber durch Keine gestört und so erreichen wir Derbent, das nächste von uns aus erkorene Highlight, recht früh. Eine quirlige Stadt empfängt uns sehr freundlich. Wir stellen unsere Motorräder vorm Hotel ab und sind gleich umringt von einer Horde kleiner  Jungs. Alle begutachten uns und vor allem unsere Motorräder. 2 Herren, die am Hotel angegliederten Cafe sitzen und beobachten wie wir parken, heißen uns Willkommen. Sie spendieren uns was zu trinken und ein Eis. Wahnsinn! So sind wir noch nie empfangen worden! Schnell auf`s Zimmer, das ist ganz passabel sogar mit Balkon und Sicht über einige Dächer von Derbent. Wir trödeln nicht, denn wir wollen noch etwas sehen von dieser alten Stadt!

Angeblich soll Derbent an die 5000 Jahre alt sein. Zumindest ist sie die älteste Stadt Russland und wir wollen in der Kürze der Zeit, die wir hier sind, das Möglichste raus holen. Wir suchen uns ein Taxi, das uns zur Festung hoch bringt. Der Taxifahrer wartet, um uns wieder zurück zu bringen. Wow, was für eine Aussicht auf die Stadt. Wir laufen eine Stunde auf der Festung rum, wir sind begeistert, total beeindruckend!

Unser Taxifahrer hat auf uns gewartet und bringt uns prompt zurück. Wir kommen ins Gespräch, natürlich nur mit Händen und Füßen... Er heißt Sultan. Er hält kurz zwischendurch, um zu telefonieren! Mir wird der Hörer gereicht. Dran ist seine Tochter, die Englisch spricht. Ihr Vater heißt uns herzlich willkommen im Land und hofft, dass es und gefällt!... Ich spreche kurz mit ihr, bedanke mich. Wir sind echt überwältigt! Am Hotel verabschieden wir uns überschwänglich!

 

Unser nächster Stopp ist die Stadt Kislijar. Der Weg bis nach Astrachan von Derbent aus war uns zu weit und die einzige Übernachtungsmöglichkeit auf halber Strecke bot diese Stadt. Bis wir ankommen, müssen wir doch einige Kontrollstellen passieren, Tschetschenien ist nicht weit. Aber wir fühlen uns trotzdem oder vielleicht deswegen, sicher. Auch Kizlyar ist bei der Ein- wie auch am nächsten Tag bei Ausfahrt stark bewacht. Wir dürfen unkontrolliert durch!

Bei uns würde man sie Provinzstadt nennen. Nach Kislijar hat sich wohl noch nie ein Ausländer, geschweige denn Tourist verirrt. Wir kommen im einzigen Hotel der Stadt, im einzigen Hotel der Gegend an. Viel gibt es hier anscheinend nicht, aber das ist es gerade, was die Sache wieder spannend macht. Solche, für Touristen eigentlich uninteressante Orte sind für uns oft umso spannender. So auch hier. Unser Hotel ist ok und sauber. Wir wollen kurz ein wenig spazieren. Das machen wir oft nach der ganzen Sitzerei auf dem Motorrad. Der Ort hält doch Einiges parat. Ein riesiges Marktgelände tut sich zwischen alten zerrotteten und zerfallenen Gebäuden und Industrieanlagen auf. Wir sind leider etwas spät, er macht gerade zu. Einige Stände sind noch offen und wir kaufen ein wenig Obst, bekommen wieder das ein oder andere geschenkt! Wahnsinn, wie die Menschen hier drauf sind! Zwischen all dem Müll und dem Zerfall der Gebäude tut sich eine Warmherzigkeit auf. Es sind immer und immer wieder die menschlichen Begegnungen über alle kulturellen und religiösen Hürden hinweg.

 

Kislijar verlassen wir Richtung Astrachan, unser nächstes Ziel am Wolgadelta.  Einige kleine Milizkontrollstellen müssen wir doch passieren, wir befinden uns ja immer noch in einer Kaukasusrepublik! Es ist heiß und wir haben wieder mit kräftigem Seitenwind zu kämpfen. Sand weht über die Straße und es ist wirklich anstrengend zu fahren. Alle Muskeln vor allem im Nacken muss man anspannen! Der Wind fühlt sich an, als wenn man die ganze Zeit einen heißen Fön ins Gesicht gehalten bekommt! 

Und dann kommt eine Grenze... Ja, eine kleine Grenze, so richtig mit Pass vorzeigen! Aber wir sind doch in Russland, in einem Land! Wir passieren die Dagestanisch/Kalmückische Grenze.... Hhhhmmm....  Wir sind überrascht! Ok, es läuft aber alles sehr entspannt und es dauert nur Minuten Der Millizier bittet uns um um eine "europäische" Münze für seine Sammlung. Wir schenken ihm einen Euro und einen Cent.

Ich will und kann mir ja nichts anmaßen, aber Reisewarnung hört sich immer so gefährlich an! Natürlich haben wir uns nur so kurz in diesem kleinen Kaukasusstaat aufgehalten, waren nur auf Hauptstraßen unterwegs und nicht in kleinen Bergdörfern. Aber noch einmal:  Wir haben uns zu jederzeit sehr sicher gefühlt und vor Allem herzlich Willkommen in diesem kleinen Kaukasusstaat!

 

Noch ein Stück Kalmückien und dann kommt die Region Astrachan.

Aber zuvor kommt es noch einmal ganz Dicke. In Worte kann ich es kaum kleiden. Eine Baustelle, 22 Kilometer lang, bestehend aus Sand, lockerem Schotter und Kies. Unter normalen Umständen hätte ich mich das nie und nimmer getraut zu durchfahren... mit einem über 200 kg schweren Motorrad. Aber es ja auch kein zurück, wir MÜSSEN da durch! Ich fluche, was das Zeug hält, das hilft ein wenig!... Ich glaube,  das ist Adrenalin pur! Alles ist angespannt! Über eine Stunde brauchen wir für diese 22 Kilometer! Für Einheimische und auch LKWs scheint das normal! Wir schaffen auch diese Hürde! ZUM GLÜCK...!

 

Derbent und Dagestan, auf alle Fälle ein Highlight, leider viel zu kurz und nur eine ganz kurze Sequenz unserer Reise!

 

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Kommentare: 4
  • #1

    Inge (Samstag, 27 Juli 2019 21:01)

    Danke für das Mitlesen dürfen ! (wow, und sogar der Nagellack hält auf der Strecke) duck und wech :-) bis demnächst

  • #2

    H. (Sonntag, 28 Juli 2019 00:45)

    Doch noch geschafft zu lesen. Danke und Stronzies

  • #3

    Joachim Wagner (Sonntag, 28 Juli 2019 07:37)

    Sehr schön geschriebener Bericht und als „Vielreisender“ kann ich mich gut in Eure Lage versetzen, liebe Sabine & Bert. Abenteuer pur!!

  • #4

    Andrea (Sonntag, 28 Juli 2019 19:57)

    Gott sei Dank gibt es da auch Eis ��
    Wir wünschen Euch weiterhin viele schöne Momente