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Ukraine - Russland, von Baturyn nach Lgov


Russland empfängt uns nicht gerade freundlich!

( ...und das ist noch völlig untertrieben!)


Möglichst früh wollen wir in Baturyn aufbrechen, aber bei Alina können wir nicht , wie üblich, mit unserer Kreditkarte bezahlen. Klar, in so einem kleinen Hotel, logisch! Im Ort gäbe es eine Bank mit Bankomat. Ein kleiner Morgenspaziergang kann ja nicht schaden! Etwas hin- und her geirrt, aber schließlich haben wir doch noch Bares aufgetrieben, im letzten Winkel des Ortes!

Zeitlich hat uns das natürlich etwas zurück geworfen, aber egal, wir sind trotzdem früh dran und die Grenze ist weniger als 100 km entfernt!

Alina lassen wir fast freundschaftlich und winkend hinter uns - was war das für ein nettes kleines Hotel!- und begeben uns auf die Straße ... so schlecht war sie gestern ja gar nicht!

Zu früh gefreut!...Wieder so eine Holperpiste... im Schritttempo, hoppelnd, jedes Schlagloch ausweichend kommen wir km um km nur im Schneckentempo voran. 100 km können sich ganz schön ziehen und anstrengend sein. Heiß ist es obendrein und ich schwitze wieder mächtig in den Helm! Kaum zu glauben, dass uns eine, in so einem schlechten Zustand befindliche Straße, zum Grenzübergang führen soll! Wird schon stimmen, es kommen uns sogar LKW´s entgegen!... Wir sind ja trotz Allem relativ früh, es isterst mittags! Und wenn das so wie an der polnisch/ukrainischen Grenze vor sich gehen wird, werden wir auch rechtzeitig in Lgov ankommen, unserem ersten Ziel in der ehemaligen Sowjetunion!

Oh prima, der Übergang stimmt schon mal, wir sind da. Der Mittagssonne ist kein Entkommen, wir schwitzen immer noch oder noch mehr. Wir ziehen wenigstens die Jacken aus. Zum Glück sind nur ein paar Autos vor uns. Das könnte gut klappen mit dem aufregenden Grenzübertritt! Wann reist man schon mal auf 2x2 Rädern von der Ukraine nach Russland?

 


Einreise nach Russland.... Am Rande eines Nervenzusammenbruchs!


Wieder zu früh gefreut!...

 

Wie bei der Einreise, geht es im 3 Auto-Takt hinter den Schlagbaum, Passkontrolle, etwas warten auf staubiger Fläche und

- schwupps -  sind wir in einer Stunde raus aus der Ukraine... Auf geht es nach Russland!

Auch hier der erste Grenzer, Schlagbaum, erstes Indenpassschauen, Schlagbaum auf und durch... Auch hier nur ein paar PKWs vor uns, in der Mittagssonne schwitzen wir immer noch ganz schön. Aber besser schwitzen als vom Regen durchweicht! Noch haben wir Humor! Ein kleines Einreiseformular wird uns ausgehändigt, was wir schnell in Englisch ausfüllen, kein Problem!

Schnell kommen wir an die eigentliche Passkontrolle. Eine relativ freundliche Kontrolleurin inspiziert ausgiebig unsere Pässe, blättert und blättert. Gibt es denn da so viel zu sehen? Sie schaut uns an, einer nach dem anderen, von vorn, von der Seite, im Profil noch einmal ... ein paar Kopien, Stempel in die Pässe... wow, supi... und weiter geht es zum Zoll!

"Oh die Armen vor uns! Ukrainer! Die werden aber gefilzt, das gesamte Auto müssen sie ausräumen! Naja, Russen/Ukrainer sind eh nicht gut aufeinander zu sprechen", so denken wir. Wir sind die einzigen Westeuropäer! Blauäugig sind wir und ein wenig überheblich denken wir: "Mit uns machen die das wohl nicht und schon gar nicht mit Motorradfahrern!"

Wir schauen uns um, alle füllen irgendwelche Formulare aus, die wir nicht haben! Hmmm?... "Müssen wir das auch? Wohl nicht, man hat uns ja außer dem kleinen Einreiseformular keine gegeben!" 

Ab hier nimmt das Unglück seinen Lauf!

Wer früher schon einmal in die DDR eingereist ist, weiß was Schikane und Willkür bedeutet, und wie fies so mancher Grenzbeamte drauf sein konnte! Aber das hier Erlebte toppt alles! Die DDR hatte nur die Ligtversion gehabt!

Ein nicht mehr so freundlicher, im Gegenteil... grimmig drein schauender Zöllner, bewaffnet mit Beeper und Stab bedeutet uns: Alles Gepäck abschnallen, und mit seinem Stock deutet er auf jedes einzelne Stück mit dem Wort: "Open!" Das scheint überhaupt, das einzige Wort zu sein, dass er mit uns sprechen möchte! Brav nehme ich die Gepäckrolle ab und öffne sie. Diese durchwühlt er mit Inbrunst und auch unsere Schmutzwäsche! Aber auch die hält ihn nicht ab, weiter zu machen! ... Ich schwitze noch mehr!... "Open!"... jetzt ist unsere Reiseapotheke dran... Hätte ich das gewusst, ich hätte nicht so viel für alle möglichen Wehwehchen eingepackt! Aspirin, Buskopan, Pflaster, Reisetabletten gegen Übelkeit usw. Jedes einzelne Päckchen wird geöffnet. Vielleicht sucht er Drogen!... Ach du! Meine Voltarentube ist etwas ausgelaufen, schnell schraube ich den Deckel wieder zu, meine Hände sind verschmiert.

So geht es weiter mit jedem Gepäckstück! Ein Blick zur Seite, meiner lieber Mann ist auch nicht besser dran! Er muss seine Sitzbank aufklappen, wo er der den "Heiligen St. Christopherus" hingeklebt hat, den unsere lieben Freunde uns für die Reise geschenkt haben (damit er uns auf der langen Fahrt behüten möge!). Der Zöllner puhlt daran rum. Bert kann ihm nur mit Mühe, Händen und Füßen klar machen, was diese Plakette zu bedeuten hat!

Ich darf endlich alles wieder schließen und anschnallen. PUH! Geschafft!

...NEIN, das wäre zu schön!...

Weiter geht es zum Zollhäuschen, dass sich 2 Zollbeamte, eine Dame und ein Herr teilen! Wir lächeln freundlich, geben wiederum unsere Pässe ab. "Wo ist das Formular?" bedeutet sie uns. "Ach das, was, die anderen alle ausfüllten und wir nicht bekommen haben?" Unfreundlich wirft sie uns jeweils ein Exemplar hin. Oh, gut, das ist in Englisch! Schnell ausgefüllt... "Transport Unit"? ...Nö, eine "Transport Unit" haben wir nicht mit, also "No" angekreuzt.  Um uns herum, alle mit uns Reisenden, Ukrainer, Moldavier und andere gucken auch fragend auf ihre Formulare. Aber die müssten es doch wissen und besser verstehen! Viele von ihnen passieren ja nicht zum ersten Mal diese Grenze. Eine junge Frau neben uns ist den Tränen nahe!...

Wir reichen der Zöllnerin unsere Formulare... "Falsch!" bedeutet sie uns! Mit Transport Unit sind unsere Motorräder gemeint! "Ach so!" Ja eigentlich hätten wir auch selbst drauf kommen können! Nein, verbessern gilt nicht! Wir müssen ein neues Formular ausfüllen! ...Ok, ok, machen wir!

Was schreiben wir bei denn bei "Leaving for (country of destination)" hin? Tja? Damit wird wohl das Land gemeint sein, wohin wir nach unserem Aufenthalt ausreisen werden. Ist ja klar, dass wir nach Russland einreisen wollen, sonst stünden wir ja nicht hier an der russischen Grenze!  Also kritzeln wir "Georgia" rein. Beim Herrn Zöllner ist wenig los, dann schnell dahin mit unseren neu ausgefüllten Formularen. Wir sehen, dass er mit Begeisterung einige Kopien des Passes eines vor uns Wartenden macht... Und das dauert!... In der Zwischenzeit haben wir Bekanntschaft mit einem Englisch sprechenden Ukrainer gemacht. Der will nach Sibirien zu seiner Mutter und da es wegen der Kriegshandlungen keine Verbindungen zwischen der Ukraine und Russland gibt, muss er ab Moskau fliegen. Er meint, dass  der Grenzübertritt jedes mal anders ist, auch er hat Ausfüllprobleme! Er habe auch schon mal 11 Stunden gebraucht!

Wir wünschen uns gegenseitig alles Gute, er ist durch, wir nicht!

Dann sind wir beim Herrn Zöllner dran. "Georgia?" FALSCH! Durchgestrichen!... Da muss "Russia" hin... Häh? Nur nicht den Humor verlieren! Und wieder ein neues Formular!  Den Mitreisenden um uns herum scheint es auch nicht so viel besser zu gehen! Wir lächeln uns alle an, zucken mit den Schultern! Erneut müssen wir uns hinten in der Warteschlange anstellen und das frisch ausgefüllte Formular beim Herrn Zöllner abgegeben ... Oh...und das scheint jetzt endlich richtig zu sein! Und nun? Er schaut grimmig! Er sagt etwas, was wir nicht verstehen! Ein Herr hinter uns spricht etwas gebrochen Deutsch! Wir müssen ein zweites (gleiches) Formular ausfüllen! NEE, das darf jetzt nicht wahr sein! DOCH! Das finden wir jetzt nicht mehr lustig und raufen uns die Haare! Wir füllen in Windeseile noch eins aus! "Bitte sehr!" Wir können es schon auswendig! "Bitte sehr!" Und?... So scheint es jetzt, alles ist in Ordnung!!! Gemütlich werden noch gefühlt Hunderte Kopien von unseren Pässen, Visum, Fahrzeugpapieren gemacht!

JIPPI! Er wirft uns alle Papiere hin, wir dürfen passieren...  in das große Russische Reich!

Alles in Allem haben wir mehr als 5 Stunden gebraucht! Wir haben NICHT übertrieben, genauso hat es sich zugetragen! 

Noch eine kleine Anmerkung: Niemand wollte unseren Internationalen Führerschein und die grüne Versicherungskarte sehen! Das sollte man auf alle Fälle dabei haben, sonst wird man nicht rein gelassen! So lasen wir in allen möglichen Internetforen!

 

Egal jetzt, wir sind durch! Mal sehen, was dieses Land noch so alles für uns parat hält!

 

Es ist früher Abend und noch ca. 70 km bis Lgov, unserem Etappenziel. Wir kommen einigermaßen durch, die Straße ist gut und lässt sich gut fahren.

Da kommt auch schon das nächste Problem auf uns zu! Berts Navi findet keinen Satelliten!...Zum Glück haben wir 2 und mein Altes scheint zu funktionieren. Lgov und unser vorgebuchtes Hotel ist ja auch bei mir einprogrammiert.

Oh nee, die eingegebene Adresse scheint nicht mit den Koordinaten übereinzustimmen. Anstelle des Hotels stehen wir vor einer Ruine. Gibt es das Hotel nicht mehr? Aber wir haben doch eine Buchungsbestätigung! Internet im Handy haben wir auch nicht!

Wir fahren noch in Stück weiter, zum Glück steht da nach ein paar Hundert Metern unser Hotel: "Guesthouse on Sovetskaya"!

Es ist spät, jetzt noch etwas essen und ein Bier. Wir sind fix und fertig!

Morgen geht es weiter nach Woronesch!

 

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