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Frankreich, von Südwest nach Nordwest



Sandra, Mikki, den kleinen, süßen Arnauld und den Terriermix Lollo (den ich im letzten Blog ganz vergessen hatte ) aus dem Hotel Xalet Bersoli in Arinsal im kleinen Pyrinäenstaat Andorra  verlassen wir schweren Herzens bei kühlen 16 Grad auf 1500 m Höhe an einem Montag Morgen.

 

Von Arinsal im Westen bis zum Grenzort Pas de la casa auf über 2000 Metern Höhe im Osten sind es gerade mal knapp 40 Kilometer.  Kurz vor der Grenze wählen wir den Maut pflichtigen Tunnel und sparen uns den Pass, denn schon der Blick nach oben zeigt uns, dass nicht nur der Gipfel sondern schon weiter unten sich alles in Wolken hüllt. Es wird nicht zunehmend wärmer, nein, es wird leider immer kälter. Kaum sind wir aus demTunnel raus , empfängt uns bei 10 Grad eine dicke Nebelsuppe, so dass man kaum die Hand vor Augen sehen kann und Tropfen laufen am Visier runter. Brrr! Frieren ist eine ganz neue Erfahrung! Ein Stau hat sich gebildet und es geht immer nur ein paar Autolängen voran, dann stoppt alles wieder länger. Wir spekulieren, dass es - im Gegensatz zur Einreise - richtige Grenzabfertigungen gibt! Oder was könnte der Grund sein? Man kann aber auch keinen Meter nach vorne schauen, außer die Bremslichter des Vordermanns sieht man absolut nichts. Nach einer guten halben Stunde haben wir Gewissheit. Nein! Keine Pass - und Zollkontrolle!... Eine Baustelle! Mit Baustellenampel! Genau an der Grenze! Dann gibt es endlich wieder freie Fahrt, aber immer noch keine freie Sicht! Der Nebel bleibt uns erhalten und die schöne französische Pyrienäenlandschaft bekommen wir leider nicht zu sehen.

 

Aber mit zunehmenden Kilometern kommt nicht nur die Sicht zurück, sondern auch die Wärme. Von den ganz hohen Bergen kommen wir in nicht mehr ganz so hohe Berge. Wir folgen ein Stück der Panoramastraße D 118 und fahren dann weiter Richtung Narbonne. Die Straße ist zeitweise so einsam, dass wir auf viele Kilometern kein einziges Fahrzeug sehen. Uns umgeben bizarre Steinwelten und bei kleinen Pausen, wenn die Motoren aus sind, ist es irre still. Irgendwann landen wir wieder im Flachland und habe ich eben noch gefroren, schwitze ich jetzt, denn es ist plötzlich mit 34 Grad wieder ziemlich heiß. Paul aber scheint seine Unpässlichkeit überwunden zu haben, er läuft einwandfrei und hält hoffentlich bis Zuhause durch!

 

Nächstes Ziel ist das am Mittelmeer gelegen Gruissan, denn hier macht gerade ein befreundetes Ehepaar aus der Heimat Urlaub. Sie haben ein Ferienhaus direkt am Meer und sogar ein Schlafzimmer übrig, so dass sie uns Unterschlupf gewähren.  Wir sind zeitig da und können noch ein Bad in der fußläufigen Lagune nehmen. Für Speis und Trank haben die Beiden bestens gesorgt und einen Grillabend vorbereitet. Es gibt viel zu erzählen und Ihr könnt euch sicher vorstellen, dass wir nicht ganz früh ins Bett kommen.

Und früh kommen wir auch nicht los, denn es gibt ein besonderes Frühstück, Baguette, Marmelade, Wurst, Käse, Müsli und allem Pipapo, was man sich nur vorstellen kann und es gibt weiter viel zu erzählen.

Zum Glück haben wir eine kurze Strecke ausgewählt. Nicht einmal 200 Kilometer sind es bis Millau, dort, wo die bekannte Brücke, der Viaduc de Millau, mit einer Länge von 2460 Metern und einer Pfeilerhöhe von 343 Metern die höchste Brücke Europas und das höchste Bauwerk Frankreichs steht.

Millau selbst liegt ca. 120 km nordwestlich von Montpellier auf 350 Metern Höhe im Naturpark Grands Causses und hat ca. 25000 Einwohner. 

Wir haben endlich mal wieder ein Appartement gebucht, vom Vermieter hören wir nichts, haben aber unsere Ankunftszeit angeben und  stehen genau innerhalb dieses Zeitraums vor der Tür. Aus dem  Schlüsselkasten an der Tür müssten wir nur den Schlüssel holen, nur einen Code haben wir noch nicht. Wir schreiben, telefonieren... nichts! So stehen und warten wir gut eine dreiviertel Stunde, bis wir ein vorbei gehendes Pärchen, was ganz gut Englisch spricht, bitten, noch mals anzurufen und zu erklären! Danke! Das hat gewirkt, denn innerhalb von wenigen Minuten erhalten wir den Code.

Unser Gepäck wuchten wir 3 Stockwerke hoch und unsere Unterkunft hält endlich mal nicht das, was es verspricht. Laut Buchungsportal hat es ein Schlafzimmer, einen Wohnraum und eine Küche. Rechnet man diese 3 Räume zusammen, ergibt das einen. Also, wir haben einen Raum, in dem sich alles befindet. Und alle Räumlichkeiten kommen daher etwas zu kurz. Das Schlafzimmer besteht aus einem Bett von ca. 140 Breite, Nachtschränkchen oder Ähnliches passen natürlich nicht mehr, denn der Wohnraum schließt direkt dran. Es gibt ein ausgesessenes  Zwei-Sitzer-Sofa, aus dem es sich in unserem Alter etwas schwer aufstehen lässt und... einem Fernseher - der natürlich nicht fehlen darf - an der Wand gegenüber. Die Küche bietet eine Zeile mit einem 2 - Plattenherd, einem Unterbaukühlschrank und einer Spüle. Ein klappriger kleiner Tisch mit sage und schreibe 2 Stühlen, äh, Klappstühlen, die der Essensaufnahme oder überhaupt dem geselligen Beisammensein dienen sollen, bilden das Herzstück dieser Unterkunft.

Es ist stickig und heiß hier oben. Ein Standklimagerät wälzt nur die heiße Luft aus dem Drei- in-einem-Raum um und die Temperatur bleibt  immer gleich auf Schwitztemparatur. Dafür haben wir - wenn wir uns etwas verrenken - einen Blick aus dem Fenster auf die gigantische Brücke.

Anstatt in unserer geräumigen Wohnung zu dinieren, ziehen wir es doch vor, unser Abendessen in der kleinen Stadt in einem der wenigen, aber tatsächlich gemütlichen Restaurants einzunehmen. Wir sitzen draußen, die Tische sind durch Blumenkästen getrennt. Das Essen ist französisch übersichtlich angerichtet, das glsierte Karöttchen mit 3 Tomätchen stilgerecht und durchdacht über das übrige Gemüse gelegt. Das Steak ist recht klein aber dafür genau und zentimeter genau neben das Karöttchen drapiert und auf den Punkt, wie wir wollen, gebraten. Das Auge isst halt mit! Der Koch kommt vorbei und fragt, ob alles in Ordnung wäre. "Excellente!" Ja danke, es schmeckt einfach himmlisch! "Besonders die Honig/Senf Sauce!" Zeichensprache geht auch, denn davon reicht er uns ein zusätzliches Schälchen.

Untypisch ohne Dessert und Café verlassen wir zufrieden das kleine Restaurant.

Anstatt über die gigantische Brücke zu fahren, fahren wir einfach drum herum und betrachten dieses enorme Bauwerk aus der Ferne, fahren durch Teile des Nationalparks Monts d’Ardèche und verfahren uns einmal so richtig kräftig. vor und zurük, drehen, wenden, wieder kreuz und quer usw. Das kostet uns uns eine gute halbe Stunde und viele Schweißperlen.

Irgendwann sind wir wieder auf der richtigen Spur, so dass wir Straße und Natur - denn die ist einmalig - genießen können. 

In Chomelix im Département Haute-Loire mit seinen 450 Einwohner finden wir eine Übernachtungsmöglichkeit in einer kleinen privaten Siedlung im Jugedherbergsstil. Bei Ankunft sind zwar die Betten bezogen, müssen aber bei Abreise abgezogen sein und außer den Fußboden wischen und Toilette putzen, müssen wir Müll raus bringen und das Apartement gereinigt hinterlassen, ansonsten droht eine Geldbuße.

An diesem Abend versorgen wir uns selbst, kochen Spaghetti und schauen den altenen Herren am nahen Boule-Platz beim Spiel zu.

Vom kleinen Chomelix geht es ins noch kleinere Chouzelot. Wir umfahren Lyon ganz großzügig und große Hauptstraßen und kleine Nebenstrecken wechseln sich ab so dass die 350 km schnell gemacht sind!

Ach, wenn mein Mann nicht so ein guter Navigator wäre! Er hat es mittlerweile drauf, dass wir uns einerseits kaum noch verfahren und andererseits die Unterkünfte mit einer hohen Trefferquote! pfeilgenau finden! 

Mit ca. 260 Einwohnern ist Chouzelot nicht gerade über die Gemeindegrenze bekannt. Es liegt ca 20 km südlich von Besacon in der schönen Region Bourgogne (Burgund). Die Schweiz ist auch nur 100 km entfernt.

Auch hier liegt unsere Unterkunft wunderbar ruhig in einer Seitengasse einer Wohngegend.

Günstig und vielversprechend durch die durchweg positiven Bewertungen ist das private Appartement mit dem klangvollen Namen "chez DouKine".

Als wir klingeln - die Vermieter wohnen direkt unter dem zu vermieteten Appartement -  schlagen gleich zwei Hunde an und als die Tür aufgeht, werden wir von Izy und Solo,  zwei Australien Shepard - Mixs  überschwänglich begrüßt und wie die Hunde so auch die Vermieter: Doudou und Kikine ( daher der Name des Appartements DouKine)sind gleich herzlich und offen (wie war das noch mit den unterkühlten Franzosen?) und Paul und Paula finden sogar einen Platz in Doudous Garage. Kikine ist nebenbei Künstlerin und Malerin. Die Wohnung ist daher nicht nur groß und sauber mit einem richtig großen Balkon, sondern auch geschmackvoll bis ins Detail eingerichtet und farblich aufeinander abgestimmt. Selbst im kleinen WC passen der Klodeckel, das rosa farbene Toilettenpapier und das Bild an der Wand perfekt zueinander.

Wir kaufen im nahen Supermarkt ein und decken uns mit Baguette, Salami, Käse und Dosenbier ein. So manch einer rünpft jetzt sicher die Nase: "Ihr seid in Burgund und trinkt keinen Wein der Region?" "Nein, uns ist einfach nach Dosenbier!" Und all das genießen wir auf dem Balkon von Doudou, Kikine, Izy und Solo. Eine Katze gehört auch noch dazu: Gugule! Also bei Doudou, Kikine, Izy, Solo und Gugule (Ein Hahn und ein paar Hühner auch noch! Die haben bestimmt auch so witzige Namen!) kann man sich nicht sau wohl sondern auch wie Gott in Frankreich!

Von der Bourgogne geht es in Richtung Elsass. Wo Sonnenblumenfelder, die gerade anfangen zu blühen, ihr gelb sich noch zaghaft Richtung Sonne neigt, der Geruch von frisch gemähtem Gras in die Nase steigt und Kornblumen und Klatschmohn die Straßenränder verschönern, da fühlen wir uns richtig gut. Dazu lang gezogene Kurven, kaum Verkehr und 24 Grad! Also, mehr geht nicht.

In Romanswiller hätte es uns schlechter treffen können, als in der Ferienwohnung von Madame D. abzusteigen. Die Wohnung ist zwar im Stil der Siebziger eingerichtet, alles also sehr rustikal, aber mit seinem ganz bestimmten Charme und dem Geschmack von Madame D. und es ist so groß, dass man sich fast darin verlaufen könnte.

Madame D. erkennt wohlwollend meine Bemühungen an, mich in Landessprache auszudrücken, aber wir sind im Elsass und hier sprechen alle deutsch. Und obwohl Madame D. vielleicht schon jenseits der Achzig ist, hat sie sich ein jugendliches Lachen bewahrt. 

Natürlich freundlich ist man hier anscheinend sowieso, es wird gegrüßt, vom kleinen Kind bis zum Senior, jeder grüßt jeden! Auch uns Touristen lässt man nicht aus.

Im nahen Lokal essen wir Flammkuchen - was sonst - der nicht besser schmecken könnte als hier in Romanswiller im Elsass.

Und unser Abschluss hätte nicht schöner sein können!

Noch eine Übernachtung im Hessischen und dann geht unsere Reise 2026 nach fast 7000 km und 5 Wochen zu Ende. 

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