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Andorra, eine besondere Erfahrung!



Mit Freude verlassen wir das übertouristische Sitges und mit voller Erwartung fahren wir Richtung Andorra. Bereits bei der Abfahrt wandern unsere Gedanken nach Andorra und wir tauschen diese aus als wir endlich nach 80 Kilometern eine Art Raststätte für ein längeres und ausgiebiges Frühstück finden. Andorra, ein kleines Pyrenäen Ländchen, gemütlich, mit kleinen Dörflein und wenig Trubel! Das ist jetzt genau das richtige für uns, da sind wir uns einig!

 

Ein wenig habe ich mich ja auch schon vorher informiert, denn viel Wissen habe ich über Andorra nicht.

In den Pyrenäen gelegen zwischen Spanien und Frankreich,  als eines der 8 sogenannten Zwergstaaten Europas, ist Andorra mit seinen ca. 85.000 Einwohnern  als Wintersportoase, Wander - und Outdoorsporteldorado,  und nicht zuletzt als Steuerparadies bekannt.

Obwohl Andorra kein EU - Mitglied ist, ist das offizielle Zahlungsmittel der Euro und Amtssprache ist Katalan.

Wer nach Andorra will, muss mit dem PKW, Fahrrad, zu Fuß oder wie wir mit dem Motorradeinreisen. Es gibt keinen Flughafen und auch kein Schienennetz. Mit viel Geld kann man sich in einem Hubschrauber einfliegen lassen.

 

Es ist mittags als wir über die Spanisch/Andorranische Grenze fahren. Wir sind nicht die Einzigen an jenem Donnerstag, es herrscht ein reges Treiben, viele Fahrzeuge passieren die Grenze, eine Passkontrolle gibt es für uns nicht. Vom entspannten spanischen Straßenverkehr verwöhnt, werden wir gleich ins kalte Wasser gestupst und mit einem kleinen Verkehrschaos empfangen. Im Land der kurzen Wege haben wir auch gleich die  Hauptstadt, Andorra La Vella erreicht. PKWs, LKWs und eine seltsame Verkehrsführung mit unzähligen Kreisverkehren alle paar Meter, Bussen, Motorräder und Unmengen an Rollern, die sich noch überall aufgrund ihrer Größe dazwischen quetschen können. Fußgänger haben auch hier höchste Priorität, die auch noch über die Straße gelassen werden wollen. Wir hangeln uns von einem kleinem Stau zum Nächsten. Stopp and Go, stoppen, anfahren, stoppen.

Von wegen kleines, gemütliches Ländchen!

 

Was haben wir uns mit der Suche nach einer passenden Unterkunft schwer getan. Erstaunlicherweise gibt es viele noch freie und vor Allem bezahlbare Unterkünfte in Andorra La Vella sowie in den Ortschaften drum herum. Wir entscheiden uns letztendlich für ein etwas abseits gelegenes kleines Hotel in dem Dorf Arinsal. Dorf kann man es eigentlich gar nicht nennen, nicht im Sinne von Dorf, so wie wir es kennen, der Begriff Ortschaft ist irgendwie passender.  Im ganzen Land sind die Ortschaften eher lang gezogen und einige Häuser direkt in die Berge gebaut. Die Architektur ist - außer in der Hauptstadt - in den Orten überall ähnlich, 2 - 3 Stockwerke hohe mit neueren, grauen, unregelmäßigen Natursteinen in einheitlichem Stil gebaute Häuser. 

Unser Arinsal liegt auf 1500 m Höhe und hat ungefähr 1000 Einwohner. Es wurde erst in den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts als Skiresort und Teil des Wintersportgebietes Vallnord aufgebaut. Es wird durch ein lautes, tosendes Flüsschen durchzogen und ein paar Geschäfte Bars und Restaurants gibt es auch. Alles ist sauber und gepflegt, Geranien-Ampeln lassen fast ein alpines Feeling rüber kommen. Heute bietet es auch einen großen Mountainbiketrail und es gibt Wanderwege. 

Schon bei der Ankunft waren wir uns sicher, dass wir  mit dem Hotel die richtige Wahl getroffen haben! Wir sind etwas früh dran. "No problem!" man spricht Englisch, der nette Herr stellt sich gleich mit Vornamen vor - Mikki, so heißt er - zeigt uns gleich Unterstellplätze für Paul und Paula. Außerdem bekommen wir auch sofort ein großes, sauberes Balkonzimmer  mit Blick auf die Berge. Nachdem wir nun - zwar mit kurzen Etappen - 7 Tage ununterbrochen unterwegs waren, wissen wir sofort, auch mit Blick auf die Wetterkarte: "Hier sind wir richtig!" 

Während überall in Mitteleuropa bei heißen Temperaturen vielerorts über 40 Grad geschwitzt wird, was das Zeug hält, genießen wir das gemäßigte Pyrinäenklima. Zwar klettert auch hier tagsüber das Thermometer über 30 Grad aber nachts wird es angenehm kühl.

Hier in Arinsal wird es noch angenehmer. Wir stehen auf dem Balkon und können bei 28 Grad richtig durchatmen. Bergluft! Tut die gut! Nachts soll es hier auf 16 Grad abkühlen! Was wäre das für eine Wohltat!

Wir freuen uns auf 2 volle Tage der Entspannung.

Das Hotel steht seit der letzten Wintersaison unter der Führung  von Mikki und seiner Frau Sandra. Die beiden geben dem Ganzen eine ganz persönliche Note und die familiäre Atmosphäre spürt man sofort und auf Wunsch bekommt man von Sandra ein 3 Gänge Menü gekocht. Sie haben einen kleinen Sohn, Arnauld, der mit seinen 18 Monaten überall rum wuselt und mit seinem Charme alle Gäste um den Finger wickelt. Der einzige Angestellte ist ein Mitarbeiter, der den Service schmeißt. Er ist hoch motiviert, freundlich und niemand muss lange auf seine Bestellung warten.

Wir lassen uns von Sandra erklären, wie man mit dem Bus nach Andorra La Vella, also in die Hauptstadt gelangt. Alles ganz einfach! Für eine einfache 30 minütige Fahrt zahlt man 1,90 € und die Bushaltestelle ist sogar fußläufig.

 

Die Hauptstadt des kleinen Staates, ist mit 1013 m die höchstgelegene Hauptstadt Europas. Hier leben knapp 25000 Einwohner. Kaum zu glauben, alles wirkt trotz der geringen Einwohnerzahl groß: Hochhäuser, Banken, und wahrscheinlich eine menge Briefkastenfirmen.

Jährlich lockt Andorra ca. 15 Millionen Besucher in sein kleines Land. Hier findet das Shoppingherz alles, was es begehrt, vor Allem Schmuck, Kosmetika, Kleidung bekannter Marken, aber auch Elektronik und nicht zuletzt Alkohol und Zigaretten, alles steuerfrei. Shoppingwütige, vor Allem aus dem nahen Spanien, füllen die Straßen, die pralle Einkaufstaschen vor sich her tragen . Ein wenig Französisch hören wir auch, dafür wenig Englisch oder Deutsch. Natürlich haben sich auch ein paar Asiaten hierher verirrt.

Wir lassen uns ebenfalls  treiben, über die Avinguda Meritxell, der bekannten Einkaufsmeile.  Shoppingcenter reiht sich an Shoppingcenter. Wir lassen uns anstecken und verlassen die Straße mit einer Tüte, die ein T-Shirt und ein Pulli füllt. Wir schlendern vor bis auf den Plaça de la Rotonda, wo die La Noblesse du Temps, die bronzene Dalí-Skulptur, eines der Wahrzeichen von Andorra La Vella,  steht.

Auf dem Dach eines Verwaltungsgebäudes gibt es den  Plaza del la Poble, von wo aus man einen wunderbaren Blick auf die Stadt hat und von dem aus wir in die kleine, wunderschöne - vor Allem - Ruhe ausstrahlenden Altstadt, der Barri - Antic gehen. Hier steht auch das Casa de la Vall, das Regierungsgebäude aus dem 16. ten Jahrhundert. Bis 2011 tagte hier die Regierung bis sie in das neue und moderne Verwaltungsgebäude nebenan zog.

 

In einem der kleinen, gemütlichen Cafés nehmen wir einen Kaffee ein. Die Bedienung, als sie merkt, dass wir deutsch sprechen, stellt sich gleich als Cynthia vor. Und während Cynthia uns unseren Cappuccino serviert, plaudert sie aus ihrem Leben, dass ihr Ex aus Berlin ist und sie Köln als viel schöner als Berlin findet. Zum Abschied umarmt sie uns noch ganz herzlich und entlässt uns mit einer Stichelei über ihren Ex.

Besonders die Servicekräfte sind alle gut gelaunt und oft über ein gewisses Maß hinweg noch freundlicher als anderswo. So wie Cynthia ist die Angestellte in einem anderen Restaurant. Sie lächelt, was das Zeug hält und umsorgt uns mit einem überschwänglichen Service. Zum Essen wird uns grobes, rotes Salz gereicht und wir zeigen ihr, dass dieses besonders gut zu unseren Steaks schmeckt "Aus Rotwein", lässt sie uns wissen und mit großen Handbewegungen zeigt sie uns das dafür sehr viel Rotwein verbraucht wurde, weshalb das so gut schmeckt. "Mucho vino tinto! Mucho!" Dabei lacht sie sich halb schlapp, läuft dann in die Küche und kommt mit einem gefüllten Glas Salz zurück. "Para hogar", für Zuhause! "For you!" Wir können nicht anders als uns zum Abschied drücken.

Sind die immer und zu allen Gästen so?

 

 

Anders als gedacht, aber nicht weniger interessant und sehr positiv, verlassen wir auch schon wieder das kleine sympathische Fürstentum in den Pyrinäen mit seinen netten, herzlichen Menschen mit dem Ziel Frankreich.

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