Der Kampf gegen die Windmühlen ist wohl eine der bekanntesten Szenen aus dem berühmten Roman Don Quijote von Miguel de Cervantes.
In Consuguera kann man 13 restaurierte und abends beleuchtete weiße Mühlen aus dem 16. Jahrhundert besichtigen, die für Cervantes als Vorlage dienten.
Die Region Kastillien - La Mancha liegt in Zentralspanien südlich von Madrid und wie schon im letzten Blog erwähnt, eine Gegend, wo kontinentales Klima herrscht, die Sommer heiß und trocken bis 40 Grad, die Winter kalt, Temperaturen um den Gefrierpunkt keine Seltenheit.
Aber bevor wir zu den Windmühlen gelangen, haben wir uns knapp 300 km vorgenommen und ein kleines Hotel in dem 17.000 Einwohner zählenden Städtchen Manzanera gebucht.
Wir verlassen Guadix Richtung Norden und haben noch einmal einen Blick auf die Höhlenwohnungen am Rande der Stadt. Nicht mehr so bergig ist die Strecke und lässt sich gut fahren. Es lässt sich in Spanien überhaupt gut fahren. Die Straßen sind gut ausgebaut und beschildert. Alle Verkehrsteilnehmer halten sich an die Regeln, es wird Abstand gehalten, man fährt vorausschauend und eher defensiv. Keiner drängelt, pöbelt oder hupt. Auf den Landstraßen ist selten viel los, außer an den Touristenorten oder rund um die Großstädte. Nicht selten haben wir das Gefühl, alleine zu sein, alleine zu sein mit der Landstraße und der Umgebung. Mit zunehmenden Kilometer wird es allerdings immer wärmer und wir knacken die 35 Grad Marke, bis das Thermometer hoch auf 40 Grad klettert. Wir halten so oft es geht und trinken viel bis.... Paul seinen ersten Aussetzer hat. Ja, genauso wie im letzter Jahr. Wer uns kennt und vielleicht gelesen hat, kennt die Geschichte! Auf den einen Aussetzer folgt der Nächste, weiter gut nach 20 Kilometern der Nächste. Die Abstände werden immer kürzer. In einem kleinen Dorf setzen wir uns an den Straßenrand und beratschlagen. Aussetzer bedeutet, dass Paul einfach während der Fahrt ausgeht, nach sofortigen neuem Starten wieder anläuft. Benzinpumpe? In Verbindung mit der Hitze? Erklärungen zu geben ist müßig! Seit Elazig in der Türkei im letzten Jahr, dem Check in Özugans Werkstatt, dem Service in der Werkstatt unseres Vertrauens Zuhause, alle bezeugen: Paul ist in Ordnung, bis hierher lief alles Bestens! Ratlosigkeit auf weiter Flur! Da sitzen wir nun am Straßenrand und es gib erstmal nur zwei Möglichkeiten: hier vor Ort und Stelle - wie heißt der Ort hier überhaupt? ... keine Ahnung!... den ADAC rufen!... Oder bis Manzanares durchhangeln, denn es sind noch weniger als 70 km.
Ihr könnt die Antwort ahnen: "70 Kilometer! Wäre doch gelacht! Diese 70 Kilometer schaffen wir! Haben wir doch ganz andere Hürden in der Vergangenheit genommen!"
Während wir auf dem Bordstein im Schatten sitzen, ist Paul etwas runter gekühlt. Und auch wir haben nicht mehr so hoch rot erhitzte Köpfe und haben unsere Fassung wieder erlangt.
Wir setzen uns für die letzten 70 Kilometer wieder in Bewegung, die Sonne scheint erbärmlich auf uns nieder. Unsere Wasser Vorräte gehen langsam zu Ende, keine Chance mehr auch nur irgendwo noch einmal kurz zu halten. Sonne, Hitze, heißer Asphalt, eine kleine spanische Landstraße in La Mancha und nichts als Olivenbäume neben uns. So fahren wir hoffen und hoffen, dass Paul durch hält! "Bitte, bitte, nicht in dieser glühenden Pampa liegen bleiben!" bis wir endlich an einer rettenden Tankstelle halten können. Auch die Handys haben in der glühenden Hitze aufgegeben. Um weiter navigieren zu können, legen wir sie zur Abkühlung einfach in den Getränkekühlschrank der Tankstelle. Noch 30 Kilometer und wir erreichen unser Hotel in Manzanares.
Oft ist es schwierig in den engen spanischen Gassen zu parken, aber es gibt hier tatsächlich einen hauseigenen Parkplatz. Wir wollen nur noch Einchecken und möglichst schnell auf unser Zimmer gelangen. Unsere letzte Anstrengung ist, unser Gepäck aufs Zimmer zu wuchten und dann kippen wir rücklings wie Maikäfer aufs Bett,
Manzanares lassen wir einfach mal Manzanares sein. Viel hat der kleine Ort ohnehin nicht zu bieten und bei 40 Grad macht sowieso nichts Spaß. Fürs Abendessen kriechen wir aus unserem Zimmer, essen schlecht und teuer in einer Tapas Kneipe, debattieren, diskutieren und beratschlagen, wie es denn jetzt weiter gehen soll. Jedes Jahr mindestens ein kleines Unglück? Warum haben wir denn immer so ein Pech? Ach, es bringt nichts, darüber nach zu denken. "Was war das heute nur?", ich weiß, mein lieber Mann zerbricht sich über die Ursache den Kopf! Es gibt einfach keine logische Erklärung. Höchstwahrscheinlich ist es mit den hohen Temperaturen in Verbindung zu bringen. Lange durch große Hitze fahren = Aussetzer! Wir können nur mit den Achseln zucken.
Vorhin, da waren wir uns einig: Wir brechen sofort ab! Aber das war vorhin! Jetzt, mit kühlem Kopf, wägen wir ab und haben eine Idee: Wir entfliehen der extremen Hitze!
Vielleicht ist es ein Unterfangen, denn ganz Süd- und Mitteleuropa ächzt unter einer Hitzeglocke, aber ein Versuch ist es doch wert. Von nun an wird der Wetterbericht zu unserem Wegweiser, die Temperaturanzeige haben wir fest im Blick und werden sie mehrmals täglich checken.
Don Quijote und die Windmühlen lassen wir aus und links liegen, dort soll es weiterhin am heißesten in ganz Spanien sein. Richtung Osten, Richtung Mittelmeer! Das halten wir für die beste Option.
Wir stellen uns den Wecker ganz früh, holen uns unsere Reisekaffeemaschine, so früh gibt es in den Hotels ja noch kein Frühstück. Frühstück in Spanien ist nicht unbedingt etwas für Frühstücksliebhaber und muss auch für uns nicht sein. Der "Generälin" aus dem ersten Spanienblog haben wir in dieser Hinsicht etwas Unrecht getan. Fast überall gibt es zwei Hälften stark gebuttertes und entweder mit Marmelade bestrichenes oder Jamon belegtes halbes Baguette. Dazu einen sehr starken Kaffee, das wars!
Wir besorgen uns Stückchen aus dem Supermarkt, das reicht für die erste Energie und kurz nach 7.00 Uhr sind wir bereits auf Strecke. Dazu wählen wir kurze Etappen, damit wir bereits mittags am Ziel sind und hoffen, dass nicht nur Paul sondern auch wir gut durchhalten werden.
So früh unterwegs zu sein hat etwas ganz Besonderes, nicht nur die Temperaturen sind angenehm sondern auch das Morgenlicht hat seinen ganz eigenen Reiz. Die Sonne ist gerade aufgegangen und die Farben der Landschaft wirken irgendwie intensiver und anders als tagsüber. Und es sind noch weniger Fahrzeuge als tagsüber unterwegs.
Unser Weg führt uns, wie kann es anders sein, durch Olivenhaine. Oliven, Oliven, Oliven! Das viele Olivenöl muss ja irgend woher kommen! Vor lauter Oliven vergesse ich ganz das Pauls Aussetzerproblem. Meine Gedanken holen mich doch zurück, mein Mann fährt wortlos vor sich hin und ich weiß, er denkt nicht an Oliven. Aber, aber, aber, Paul surrt vor sich hin als wäre nichts gewesen und bereits mittags, erreichen wir wie erhofft unser Ziel, die kleine Stadt Requena in der Region Valencia. Dummerweise liegt unser kleines Hotel in der Altstadt und wie ich später nachlese, ist die bekannt für seine kleinen, engen Kopfstein gepflasterte Straßen. An einer belebten Kreuzung verursachen wir erstmal einen kleinen Stau weil mein Mann einen steilen Weg hoch fahren will, an dessen Auffahrt ein Einbahnstraßenschild steht und ich mich zunächst weigere, dort hoch zu fahren! "Eben gerade fuhr genau diesen Weg auch jemand hoch!" spricht mein lieber Mann mit etwas erhobener Stimme. Unter Straßenverkehrstress werden wir immer etwas lauter bis wir uns oft fast anschreien! Hier ist nun keine Zeit dafür und die sonst so geduldigen spanischen Autofahrer hupen bereits, da fährt mein Mann schon mit den Worten "Einbahnstraße ist woanders" den Weg hoch und mir bleibt nichts anderes übrig als ihm folgen. Noch ein paar Mal rechts/links in die verwinkelten Gassen bis wir auf der Plaza vor unserem kleinen Hotel stehen und ich durchatmen kann, das alles gut gegangen ist, Einbahnstraße hin, Einbahnstraße her.
Gut gemacht Paul! Auch hier ist es heiß, zwar nicht 40 Grad, aber immerhin 35!
Wir sind vor der angegebenen Check In Zeit da und man lässt uns schon freundlicherweise in unser Zimmer.
Was wäre Spanien nicht ohne seine Siesta! Und so tun wir es den Spaniern gleich und kriechen erst spät am Nachmittag aus unserem Zimmer.
Wie gesagt, Requena ist bekannt für seine Altstadt und wie wir bemerkt haben liegt dieses alte Viertel auf einer Anhöhe. Die engen Gassen im typisch spanisch - maurischen Viertel "Barrio de la Villa" laden zum Schlendern ein. Kleine Kätzchen rekeln sich faul im Schatten und strecken alle Viere von sich, bunte Blumenkübel - und ampeln schmücken die Vorderseiten der Häuser, das Kopfsteinpflaster ist gefegt und alles ist blitzeblank.
Spanien ist übrigens (fast) überall sauber, die Straßen sind gekehrt, die Natur ohne Müll (...wenn ich da an die wilden Müllkippen auf dem Balkan denke!), Rast- und Parkplätze topp, überall gibt es Abfalleimer, die anscheinend regelmäßig geleert werden. Auch unsere Unterkünfte, seien sie auch manchmal einfach und eng, dass man sich kaum drehen und wenden kann, sauber sind alle und haben den sogenannten westlichen Standard.
Morgens geht es wieder früh raus, einen schnellen Kaffee und etwas zu knabbern im Stehen, Motorräder beladen, ein Stoßgebet gen Himmel :"Möge Paul heute wieder so gut durchhalten!" und los.
Schon kurz hinter Requena stehen wir vor einer kleinen Herausforderung und biegenahnungslos auf die Straße CV 395 ab. Wir haben das Gefühl am frühen Morgen ganz allein unterwegs zu sein und die Straße für uns zu haben. Und das ist auch gut so. Manche, dieser ca. 50 Kilometer langen Straße sind eng, so eng dass weder zwei Motorräder, geschweige denn zwei Autos aneinander vorbei passen. Und wenn ich bisher von engen Serpentinenstraße berichtet habe, dann wusste ich nicht, was enge Serpentinenstraßen sind. Es geht steil bergab, ein gefühltes Gefälle von "ich weiß nicht wieviel Prozent"! Die Landschaft ist einmalig. Es geht vorbei am Buseo-Stausee und an steilen Felsformationen. Und tatsächlich, wir haben diese grandiose Strecke beim morgendlichen Sonnenspiel für uns ganz allein, kein einziges Fahrzeug kommt uns entgegen.. Bei Konzentration, wird das schöne Landschaftsbild allerdings fast zur Nebensächlichkeit. Die Temperaturen sind am Morgen angenehm, Paul surrt vor sich hin und wir kommen dem Mittelmeer bereits Nahe, für unsere Übernachtung haben wir den kleinen Ort Sant Mateu in der Region Valencia ausgesucht. Wir kommen ohne besondere Vorkommnisse früh an und wesentlich kühler ist es auch hier nicht. Wir halten wieder Siesta und am frühen Abend gehen wir eine kleine Runde zur typischen Plaza, nehmen im Schatten an einem Platz in einem der sechs Bars/Restaurants Platz und uns ist es egal, ob wir gleich als typische Touristen erkannt werden, weil wir bereits kurz nach 19.00 Uhr die Speisekarte verlangen. Wir vertilgen eine Jamon/Käseplatte, die zu unserer Leibspeise geworden ist. Die Plaza füllt sich langsam und als wir gegen 22.00 Uhr bereits ans Schlafen gehen denken, patzt sie aus allen Nähten.
Nach unserem spärlichen Frühstück fahren wir Richtung Küste, quälen uns durch den Stadtverkehr von Tarragona und landen in Sitges, einem der angesagten Badeorte an der Costa del Garraf südlich von Barcelona, - der Hausküste der Stadt - , denn hier haben wir ein bezahlbares Hostal ergattert.
Der KI-gestützte "Copilot Search" von Google sagt mir: "Sitges ist eine charmante Küstenstadt in Katalonien, Spanien, bekannt für ihre Strände, kulturellen Veranstaltungen und das milde mediterrane Klima". Aha!
Wir wuchten unser Gepäck hoch in den dritten Stock und obwohl das Thermometer nur knapp über dreißig Grad zeigt, läuft uns der Schweiß wie in Sturzbächen den Körper runter, was wir der hohen Luftfeuchtigkeit zu danken haben. Zeit für ein kühles Bad im Mittelmeer, wir greifen unsere Badesachen, der Strand liegt in ein paar Hundert Metern Entfernung.
Habe ich schon in Nerja von vielen Touristen berichtet, so finden wir uns hier aber im echten Massentourismus wieder. Wir breiten unsere Decke auf einem kleinen freien Fleckchen im heißen Sand aus, zwischen einem deutschen Vater, der den Streit zwischen seiner pubertierenden Tochter und ihrem jüngeren Bruder zu schlichten versucht und natürlich den kürzeren zieht - die Tochter hört erst aufhört zu diskutieren und zu schmollen als sie ihr Handy in die Hand bekommt und der Vater mit Sohn ins Wasser geht - einer südamerikanischen Großfamilie, die sich unter einem kleinen Sonnenschirm tummelt und 2 Engländerinnen die Oben Ohne ihre kleinen Tatoos präsentieren, die sonst niemand sehen würde.
Das Meer ist bereits im Juni pi-warm und das Wasser leider nicht so erfrischend wie in Nerja. Ein wenig Ekel überkommt mich, als ich bemerke, dass wir zwischen kleinsten, kleinen und größeren Teilen schwimmen, von kleinen Plastikschnipseln, über Plastikverschlüssen bis zu noch ganzen Plastiktüten. Den Menschen drum herum, egal welcher Nation, scheint das nicht besonders zu stören. Ich aber bekomme schon fast ein wenig schlechtes Gewissen, den nächsten Generationen so etwas zu hinterlassen. Das Bad und unser Besuch am Strand ist daher nur von kurzer Dauer.
Die Strandpromenade ist lang und breit und die Gassen mit den kleinen Fußgängerzonen überfüllt, hier lassen wir uns für einen kleinen Snack in einem der unzähligen Bars nieder und auch hier heißt es sehen und gesehen werden. Sitges ist schrill, bunt und laut.
Die meisten Angestellten sind (verständlicherweise) langsam, ignorant und/oder genervt. Für unser Abendessen wählen wir ein Restaurant etwas abseits und ziehen das große Los mit einem freundlichen, gesprächigen und netten Kellner, von dem wir unsere Paella sogar vor gelegt bekommen.
Viele, unzählige Gedanken machen wir uns um den weiteren Verlauf der Reise. Nachdem wir ganz schön unter Druck standen und die Hitze unsere Körper doch ganz schön gestresst hat, meinen wir, dass es nun nach sieben Tagen ununterbrochenen Fahrens und knapp 5000 Kilometern insgesamt, Zeit ist für ein wenig Entspannung. Unter Berücksichtigung des Wetterberichts und den Blick auf die Karte, haben wir plötzlich DIE Idee. Ziel soll ein weiteres Land sein, was wir vorher absolut nicht auf dem Schirm hatten, das aber nur 250 Kilometer von Sitges entfernt liegt. ANDORRA!
Ob wir dort eine passende Unterkunft und Erholung finden, das könnt ihr im nächsten Teil lesen!







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