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Gibralter! Ziel erreicht!



La Línea de la Concepción, diese spanische Stadt mit dem seltsamen Namen, liegt in der Provinz Cadiz in Andalusien und direkt an der Nordgrenze zur britischen Kronkolonie Gibraltar. Sie hat ca. 60.000 Einwohner und ist Tor für Pendler und Touristen.

 

Unser Hotel ist eigentlich das Geld nicht wert, man bezahlt eher die Lage als das Interieur des Zimmers. Es liegt nur wenige Hundert Meter von der Grenze, es ist eng und stickig, die Rollläden lassen sich nicht hochziehen,  aber dafür ist es wenigstens sauber und die Rezeptionistin nett.

 

Direkt nebenan befindet sich ein Waschsalon. Zeit, mal eine kleine Wäsche für zwischendurch zu machen. Während die Wäsche dreht, orientieren wir uns schon einmal ein wenig, wir liegen trotzdem gut in der Zeit. Die kleine Stadt hat eine große im Schachbrettmuster angelegte Fußgängerzone mit unzähligen Cafés, Bars und Restaurants. 

Der Einfluss Englands ist auch in den Speisekarten unübersehbar, man isst gerne Snacks und Sandwiches, isst Ribs mariniert mit Coca Cola Sauce und trinkt Rotwein mit Eiswürfeln. Kellner sind nach der feinen englischen Art über freundlich und sprechen mit dem klassischen britischen Akzent. 

Und dann wieder das andere Bild:  spanische Bars, wo schon  am Morgen über die Tische hinweg palavert wird und der Tag mit Churros, diesem gehaltvollen Spritzkuchen und einem sehr starkem Kaffee beginnt.

Im Zuge des spanischen Erbfolgekriegs wurde Gibraltar 1704 von Spanien an Großbritannien abgetreten und seit dem Vertrag von Utrecht 1713 ist es britisch und wird es wohl auch bleiben . In mehreren Referenden stimmten die Einwohner teils bis zu 99 % gegen die Angliederung an Spanien und somit für den Verbleib im Königreich. Auch der Brexit konnte daran nichts ändern.

 

Dann ist es soweit, wir erreichen unser südlichstes und weitestes Ziel der Reise 2026... zu Fuß...

Da es sich um nur wenige Kilometer handelt, haben wir auch kein schlechtes Gewissen, ohne Motorräder dieses Ziel zu erreichen. Zu kompliziert wäre die Einreise, anstrengend die Fahrerei in engen Gassen, das Parken und laufen in der Kombi. Paul und Paula lassen wir lieber an Ort und Stelle auf ihrem Parkplatz.

Also tun wir es so, so wie die meisten Touristen es tun und gehen mit eigener Muskelkraft über die Grenze.

Wir durchlaufen das Abfertigungsgebäude, niemand will unseren Pass sehen, alles ist ganz easy.

 

Wie nirgends anders auf der Welt kreuzt die Lande/Startbahn des internationalen Flughafens den Weg der Fußgänger, es gibt keinen anderen Weg Stadt ein- und auswärts, man überquert tatsächlich das Rollfeld. Eine Ampel reguliert den Fußgänger/Flugverkehr. Uns ehemalige Flugbegleiter fasziniert das natürlich besonders. Leider herrscht momentan absolute Ruhe auf dem International Airport Gibraltar.  Zu gerne hätten wir eine Maschine landen oder starten sehen.

Auch die Main Street lässt sich gut zu Fuß erreichen.

Was wäre Gibraltar ohne den Affenfelsen? Leider ist das Cable Car "under construction". Bis Ende 2027 soll eine komplett neue und moderne Seilbahn fertig sein und wir suchen, eine andere Möglichkeit auf den berühmten Felsen zu gelangen. Wären wir geübte Wanderer, könnten wir natürlich eigenständig hoch kraxeln, So buchen wir eine geführte Tour in einem klimatisierten Minibus. Die Guides werben um Kunden und der Gedanke liegt Nahe, dass man hier über den sogenannten Tisch gezogen wird. Für eine 2 stündige Fahrt inkl. Führer, bezahlen wir umgerechnet ca. 70,- €  pro Person inkl. aller Eintrittsgelder, finden aber, dass das nicht zu viel ist. Unser Fahrer ist unaufdringlich, freundlich britisch, versorgt uns mit den nötigen Informationen und manövriert den wunderbar kühlen Minibus durch die engen Gassen und dreht sich nach oben. Er muss viel kurbeln und manchmal auch zurück, um die engen Kurven zu kommen.

Der Felsen ist gut besucht, Minibus reiht sich zwar an Minibus, aber dennoch  ist es nicht zu voll, Touristen können sich aus dem Weg gehen und man bekommt genug Panorama für seine Fotos. 

Die Attraktion sind natürlich die Affen auf dem "Upper Rock", dem "Apes Den".

Was haben wir schon für Geschichten gehört! "Die Affen sind angriffslustig!", "haltet alles fest!", "auf keinen Fall füttern!" (hätten wir ja sowieso nicht gemacht!) und und und. Vielleicht hatten die Affen heute gerade einen guten Tag, waren satt und/oder hatten keine Lust auf Touristen. Sie lassen sich bereitwillig fotografieren und sind kaum aufdringlich.

Um die Berberaffen und deren Herkunft auf dem Felsen von Gibraltar grassieren mehrere Mythen, kommen sie normalerweise nur in Nordafrika vor Allem in Marokko und Tunesien vor., Eine davon ist, das Winston Churchill angeblich angeordnet haben soll, mehr Affen dort anzusiedeln mit der Aussage: "Solange die Affen auf dem Felsen leben, bleibt Gibraltar britisch." Wie auch immer, sie sind die einzige frei lebende Population Europas. 

Einige von ihnen sind mit GPS-Tracker ausgestattet, die University of London studiert ihr Verhalten.

Nicht nur die Affen machen unseren Ausflug besonders, die Aussicht von dort oben ist gigantisch, auf der einen Seite die "Festung" Europa, auf der anderen Marokko und der afrikanische Kontinent.

Die Straße von Gibraltar verbindet den Atlantik mit dem Mittelmeer und ist an seiner engsten Stelle gerade mal 14 km breit.

Zu unserer Tour gehört noch der Besuch der Tropfsteinhöhle  St. Michael’s Cave  mit Light Show,  Stalagmiten und Stalaktiten werde ich auch nach diesem Besuch nicht auseinanderhalten können und die Begehung des Great Siege Tunnels, dem beeindruckenden Tunnelsystem, dass 1783 gebaut und während der großen Belagerung zur Verteidigung diente.

 

Auf den engen, abschüssigen Gassen werden wir wieder "hinunter" chauffiert. Es wird überall gebaut, was das Zeug hält.  jeder Zentimeter ist Bares und wird genutzt. Gibraltar wirbt ebenfalls als Steuerparadies und Briefkastenfirmen siedeln sich gerne hier an.

 

Wir schlendern auf der Mainstreet, bezahlen für eine Kugel Eis 5,- € ( !!! ) und begeben uns wieder Richtung Startbahn und ohne Flugzeugerlebnis passieren wir wieder die Grenze Richtung Spanien.

3600 km liegen hinter uns! Von nun geht es wieder nordwärts. Bisher war es nicht weniger, wenn auch auf eine ganz andere Art und Weise, abenteuerlich. Es liegen noch viele spanische und französische Kilometer vor uns.

Wir werden uns treiben lassen und sind voller Erwartung, was noch kommt!

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