Olivenza! Von Olivenza haben wir auch noch nie gehört. Es liegt einfach wieder auf der Strecke und es sind immer wieder die unbekannten, kleinen Provinzorte, die ihren Charme haben.
Wir haben uns im "Los Amigos" eingemietet, was Herberge, Restaurant, Bar und Café zugleich. Es ist von den frühen Morgenstunden geöffnet, wenn man vor der Arbeit seinen Kaffee trinkt und bis spät in die Nacht geöffnet hat, wenn man vorm zu Bett gehen die neuesten Neuigkeiten des Tages austauscht und sein letztes Cerveza genießt. Die Zimmervermietung läuft nur nebenbei und auf Touristen wie wir ist man hier nicht eingestellt. Dem einzigen Mitarbeiter Thekenkraft, Kellner, Rezeptionist bereiten wir zusätzlichen Stress und mit einer souveränen Freundlichkeit und Geduld unsererseits klappt das auch mit Registrierung Zimmerübergabe.
Olivenza hat ca 11.000 Einwohner und liegt im Südwesten Spaniens in der Provinz Badajoz. Eine für die Region typische Stadt mit den weiß getünchten Häuser, einer Plaza und einer großen Kirche.
Zum Abendessen kehren im Los Amigos Treffpunkt ein. Gemütlichkeit wird hier nicht gerade groß geschrieben, der Gastraum gleicht einer Bahnhofshalle und man kann sich vorstellen, was für eine Geräuschkulisse dort herrscht, wenn es voll ist. Und es ist voll, brechend voll!
Auf einem Großbildschirm läuft die Fußball WM. Deutschland meistert gerade sein erstes Spiel, was hier niemanden wirklich interessiert. Ist ja nur Vorrunde! Mit hängendem Magen verfolgen wir das Spiel. Während Zuhause mancherorts die Restaurantküche bereits um 21.00 Uhr schließt, öffnet sie im Los Amigos in Olivenza erst um 21.00 Uhr. Kein Spanier geht vor 20.00 Uhr essen! Dafür hat der Allroundmitarbeiter endlich Verstärkung bekommen. Und vom Verstärkungskellner erfahren wir, dass der Allroundmitarbeiter José heißt, seinen verrät er nicht, aber dafür erzählt er uns seine halbe Lebensgeschichte in einem Mix aus allerhand Sprachen, von denen er jeweils ein paar Floskeln kennt, denn er hat ein paar Jahre auf Mallorca gearbeitet.
Das Essen ist nicht umwerfend, aber dafür macht das "Los Amigos" seinem Namen alle Ehre. Als wir zu später Stunde uns Richtung Bett verabschieden, ist das Lokal noch gut gefüllt und als wir uns ziemlich früh zum Frühstück setzen, ist er wieder gut besucht.
Mit der Routenplanung haben wir es uns wieder etwas schwer gemacht. Wir stehen vor der Entscheidung, direkt nach Süden ans Meer bei Huelva zu fahren oder weiter durchs Land.
Ein bezahlbares Hostal mitten in einem Olivenhain gewinnt gegen ein Teureres am Meer. Ob wir die richtige Entscheidung getroffen haben, wird sich am Ende des Tages zeigen.
Über die N 432 schlagen wir die Richtung Süd/Ost ein.
Wir passieren die "Grenze" zu Andalusien und Olivenbäume säumen den Weg, Olivenbäume nichts als Olivenbäume! Dazwischen ein paar kleine und größere Ortschaften, die schmalen Ortsdurchfahrten auf Kopfsteinpflaster, teilweise starkem Gefälle sind allerdings etwas herausfordernd.
Zur Finca im Olivenhain führt ein ca. 2 km langer staubiger, unbefestigter Weg. Natürlich kein Problem für mich, ich bin ja - haha - Offroad Expertin.
Zu unserer Überraschung ist das Tor zum Anwesen verschlossen und wir stehen etwas ratlos davor. Hatten wir nicht die Ankunftszeit angegeben? Doch, ja! Eine Buchungsnummer haben wir auch. Ich wähle die angegebene Nummer, eine weibliche Stimme redet, wie kann es anders sein, in Spanisch mit mir, un d ich bekomme eine Anzahl von Sätzen zu hören, bis ich unterbrechen kann . "No, non hablo inglés" Sie aber redet weiter, ich verstehe nur: "cinco minutos". Hoffen wir mal, dass jemand in cinco minutos kommt, wir setzen uns in den Schatten eines Olivenbaums und warten spanische "cinco minutos" bis ein PKW in einer Staubwolke heran gerollt kommt, eine kleine, unscheinbare Dame heraus springt und das Tor mit einem "Bienvenido" öffnet. Wir können Paul und Paula im Schatten unter Olivenbäumen abstellen und bekommen ein Zimmer zugewiesen. Wir selbst sind auch etwas eingestaubt und erst nach einer Dusche wird uns bewusst, dass wir genau die richtige Wahl getroffen.
Abgeschieden in einem Olivenhain, ein ruhiges, kühles Zimmer, ein Pool (Wow!) ein kleines Restaurant, ein Hof mit schattigen Tischen und Sitzplätzen unter Orangen - , Zitronen, - und Olivenbäumen, das ist ein kleines Paradies. Genau das Richtige für uns. Das ganze Anwesen strahlt eine Ruhe ohne Gleichen aus. Carmen, unsere Gastgeberin steuert mit ihrer Herzlichkeit und ihrem Charme die persönlich Note dazu... Halt!... Da ist noch Manuela! Manuela, die kleine Mischlingshundedame, in der der Terrier ganz dominierend ist! Nicht dass wir Frauchen zu Nahe treten wollen, aber Manuela ist ungefähr in der gleichen Altersklasse. Manuela sieht und hört schlecht, aber mit ihrem Hundecharme wickelt sie sicher jeden Gast um den Finger! Sie kann anscheinend nicht anders, als sich über jeden Menschen zu freuen und ihn mit ihrem Blick zu hypnotisieren.
Carmen ist nicht nur Hausherrin und Chefin, sondern auch eine brillante Köchin. Egal was, ob einfach nur "jamon y queso" oder aufwendig "Paella", es schmeckt einfach alles himmlisch, denn es ist frisch und mit Carmens Liebe zubereitet.
Unbeschreiblich ist diese Anlage samt ihrer Betreiberin, dem umwerfenden Haustier, einfach zum genießen und ein unerwartetes Highlight!
Irgendwie fällt uns der Abschied von Carmen und Manuela schwer. Küsschen rechts, Küsschen links an Carmen und noch ganz viele Abschiedsstreicheleinheiten an Manuela und wir machen uns über den unbefestigten Weg auf zur Hauptstraße.
Die Route heute ist extra kurz gewählt, denn wir wollen den südlichsten Punkt und Ziel unserer Reise 2026 erreichen.
Da wir mit den Motorrädern nicht nach Gibraltar und somit nach Groß Britannien einreisen wollen, haben wir uns direkt an der Grenze in der spanischen Stadt La Línea de la Concepción ein Hotelzimmer gebucht, um dann zu Fuß, wie die meisten Touristen "rüber" zu gehen.
Die Strecke ist wunderschön, wir umfahren die Stadt Ronda und dann geht es weiter auf der A-367, kurvig und bergig, wir haben wieder das Gefühl, fast alleine unterwegs zu sein und immer wieder bekommen wir ein Blick auf den bekannten Felsen von Gibraltar, der unverkennbar in der Ferne im Dunst zu sehen ist.
Als wir die Berge runterkommen, uns wieder auf Meeresspiegelhöhe befinden, fahren wir direkt am Meer entlang, vorbei an Hafenanlagen und einer Raffinerie, deren Geruch unverkennbar unangenehm in unsere Nasen steigt, die Straße kann nicht enger sein. Der Fels kommt immer näher, unser Ziel ist nicht mehr weit!






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