An alle Leser, die hier so nette Kommentare verfassen und die wir nicht persönlich kennen:
Einige von euch wissen das vielleicht bereits.
Wir müssen uns auf diesem Weg bedanken, denn leider gibt es von "Jimdo", dem Anbieter dieser Website keine Antwortenfunktion!
Also:
Wir freuen uns über jeden einzelnen Kommentar und
natürlich auch an alle "stillen" Mitleser
DANKE, DANKE, DANKE
Wir sind in Frankreich! Dieser Satz klingt ja echt unspektakulär! Muss denn immer alles spektakulär sein? Das frage ich mich. Die Antwort lautet ganz klar: Nein muss es nicht! Zu erleben, zu sehen und zu erkunden gibt es immer etwas und das überall, egal ob Ost oder West, Nord oder Süd.
Also nochmal von vorne: Wir sind in Frankreich! Genauer gesagt in Charleville-Mézières, einem 45.000 Einwohner zählenden Städtchen an der Maas in den französischen Ardennen unweit der belgischen Grenze. Die Stadt hat ein Ardennenmuseeum und einen Place, der Place Ducale heißt mit Cafés und Restaurants zum draußen sitzen.
Nach der wunderschönen Fahrt, der ausgiebigen Pause im sauberen Belgien und dem idyllischen Grenzübergang zu Frankreich, ist es nun leider etwas spät geworden, auch die Ankunft im "Petite maison" verzögert sich ein wenig, weil wir uns im kleinen, aber dichten Feierabendverkehr der Kleinstadt ein paar Mal verfahren.
Das maison ist wirklich très petite, aber es ist sauber, es ist alles da, was man braucht und es liegt sehr ruhig in einer Seitenstraße. Bis zum Place Ducale ist es ziemlich weit zu laufen. Für einen langen Spaziergang aber steht uns jetzt nicht der Sinn und das Wetter lädt nicht unbedingt zum Flanieren und gemütlich draußen sitzen ein, also laufen wir nur vor bis zum Rathaus. Außer ein paar Spätis, einer Handvoll Dönerläden, zwei geschlossenen Pizzerien scheint es in dieser Umgebung nicht gerade viel zu geben. Wir suchen und suchen, schleichen mit hängendem Magen um den Rathausplatz und landen schließlich an einer Frittenbude mit Außengastronomie vis à vis vom Rathaus, der "Friterie de l'Hôtel de Ville". Hier gibt es außer Pommes noch Burger mit "Steak haché" oder Baguette mit "Steak haché". Wir entscheiden uns fürs Baguette, dazu Fritten und einer Pulle Bier. Die Bedienung klatscht uns das Baguette (so ein Aufbackbaguette, was es bei uns in jedem Discounter billig zu kaufen gibt) auf den Tresen. Dazu gibt es eine Menge, nein, Unmengen von Pommes, alles fein eingepackt in dickem, weißem Brotpapier, das beim Tragen bis zum Platz dicke Fettflecken aufweist. Nach einem Viertel bin ich satt und ich bin kurz davor, dass mir schlecht wird. Auch mein Mann streikt. So wandert leider der Rest samt durchfettetem Einwickelpapier im Müll. Alles liegt mir schwer im Magen und ich weiß jetzt schon, ich werde die Nacht nicht besonders gut schlafen.
Als wir morgens aufwachen, regnet es Bindfäden. Also, kein Grund zur Eile. Wir trödeln beim Packen und bis wir so langsam alles fertig haben, hört es auch endlich auf.
Wir verlassen die Ardennen Richtung Süden, fahren vorbei an einem großen Kriegsgräberfriedhof. Unzählige weiße Kreuze zeugen von einer der letzten Offensiven im 2. Weltkrieg. 1944/45 , ein letzter, noch mehr Opfer fordernder Versuch Hitlers hier einen Sieg zu erringen. Wie sinnlos und krank das alles war!
Wir schütteln die traurigen Gedanken über den 2. Weltkrieg ab und fahren weiter durch unbekannte Regionen südöstlich von Paris, kreuz und quer über kleine Landstraßen, viel Wald, kleine Dörfer mit grauen Backsteinhäusern. Wir haben wegen der schlechten Wetterprognose eine kurze Strecke gewählt. Wir bekommen den ein oder anderen kleinen Schauer ab, aber so schlimm wie vorhergesagt ist es dann doch nicht. . In einer Schauerlücke machen wir eine ausgiebige Pause am Waldesrand, bauen unsere Campingstühle auf (gut, dass wir sie dabei haben) und hören den Insekten beim Brummen zu.
Unser Ziel ist das kleine Dorf Estissac ca. 150 km südöstlich von Paris und einige Kilometer westlich von Troyes, der Hauptstadt der Champagne. Günstig haben wir auch hier ein Apartment gebucht. Es liegt traumhaft in einem Nebenhaus auf dem Gelände eines alten, etwas verfallenen Herrenhaues. Zum Schlafen geht es eine äußerst steile Holztreppe hoch. Die alten Dielen knatschen und sind teilweise so kaputt, dass man aufpassen muss, dass man nicht durchbricht. Über diese kleinen Unannehmlichkeiten schauen wir gerne hinweg, nachdem wir den Vermieter, dessen Namen wir vergessen haben, kennen gelernt haben. Er ist so um die sechzig mit lichtem bereits ergrautem Haar und einem äußerst freundlichen Gesicht. Aus einem Kauderwelsch aus Englisch mit dem umwerfenden Akzent und seiner Muttersprache wettert er über Macron, über die französische Renten- und Weltpolitik, was das Zeug hält. Er redet sich in Rage, gestikuliert wild mit den Armen und wir verstehen nur die Hälfte.
Er scheint das große Grundstück samt der Vermietungen allein zu bewirtschaften, geht noch nebenbei "normal" arbeiten, um zu (über)leben (Macron ist ja Schuld), besitzt eine wunderbar restaurierte alte "Ente" aus den Siebzigern und eine alte 31 Jahre alte Ponydame namens Jupi. Und wir fühlen uns sauwohl!
In Estissac gibt es eine Pizzeria, wo die Pizza so lecker schmeckt wie "bei Toni" Zuhause. Für ein großes Bier zahlen wir 7,80 €. Bier ist überall so teuer, Wein kostet im Weinland Frankreich vergleichsweise natürlich weniger. Unsere obligatorische Feierabendosebier kaufen wir aber trotzdem und zwar günstig im Supermarkt!
Es gibt sogar ein Frühstück beim netten Vermieter und das ist inklusive. Wir nehmen feudal im Herrenhaus an einem langen, liebevoll gedeckten Tisch Platz, trinken schönen starken französischen Kaffee aus diesen typisch großen Tassen und essen passend dazu ein frisches Croissant, haben einen Blick auf die Pferdekoppel, wo Jupi sich ihr Gras schmecken lässt. Das Sprichwort "Wie Gott in Frankreich" passt perfekt für diesen Augenblick.
Als wir bereit für die Abreise sind, ist der Herr des Hauses bereits arbeiten. Wir streicheln noch einmal das kleine Pony und machen uns auf weiter Richtung Südwest auf den Weg mit Ziel Loire Tal.
Der Himmel ist wieder bedeckt, mit 13 Grad nicht gerade kuschelig warm und der ein oder andere Regenschauer ist auch wieder angesagt. Nichts desto trotz haben wir uns wieder für kleine Nebenstrecken entschieden, wo es kaum Verkehr gibt und es sich trotz des Wetters gut fahren lässt. Die vielen Mohnblumenfelder, mal weiß, mal Fliederfarben würden bei Sonnenschein sicher grandios aussehen, jetzt sehen sie nur schön aus. Über Land in der Mitte Frankreichs kann es also auch sehr schön sein!
Unser Appartement liegt in einem ruhigen Wohngebiet des kleinen Ortes Vineuil bei Blois an der Loire zwischen Orleans und Tours. Schon allein beim Betreten trifft das Wort "Wow" auf diese Unterkunft zu. Alles ist neu, alles ist blitzblank sauber, 2 Zimmer, eine gut ausgestattete Küche, mit allen Gegenständen, die das Herz eines/ Hobbykochs/einer Hobbyköchin begehrt. Sogar Aufladekabel fürs Handy liegen bereit und in einem liebevoll zusammen gestellten Ordner mit Infos für die Umgebung kann man sich Anregungen für Ausflüge holen. Wir denken, dass wir uns den ersten Ausruhtag verdient haben und buchen gleich noch eine Nacht dazu., kaufen im Supermarkt ein, denn die gut ausgestattete Küche lädt ja förmlich zur Selbstverpflegung ein.
An unserem freien Tag fahren wir mit dem Bus nach Blois an die Loire. Die Stadt ist nicht zu groß und auch nicht zu touristisch. Sie hat natürlich ein Schloss, was sich für die Loire gehört, eine feine kleine Altstadt und eine Loire Promenade.
Am nächsten Tag wollen wir bereits am Atlantik sein, also stehen wir früh auf, denn die Etappe ist relativ lang. Davon ist leider nur das erste Stück wirklich schön. Es regnet aber zum Glück mal nicht, die Luft ist angenehm frisch und wir fahren genüsslich ein ganzes Stück bis nach Amboise an der Loire entlang Danach geht es auf der großen Nationalstraße 10 Richtung Biarritz, kommen gut, vor Allem trocken voran, sind gut in der Zeit und freuen uns auf Seeluft und einen Spaziergang am Atlantik, wo wir in Royan an der Trichtermündung der Gironde ein Appartement gebucht haben.
Wie ihr sicher bemerkt habt, buchen wir sooft es geht Privatunterkünfte bzw. Appartements. Dort kann man sich ausbreiten und ist für sich. Die meisten privaten Unterkünfte haben so eine kleine Schlüsselbox mit Zahlenkombination, so dass man den Vermieter gar nicht zu Gesicht bekommt. So auch hier. Im Portal haben wir eine günstige wie sogar strandnahe Bleibe mit guten Rezensionen gefunden. Den Code für die Schlüsselbox und weitere Anweisungen, die man meist am Ankunftstag bekommt, haben wir heute noch nicht bekommen. Wir stehen fast pünktlich, wie angegeben vor dem Haus, an dem wir weder eine Schlüsselbox noch sonst etwas finden. Wir versuchen per Nachricht die Vermieterin zu erreichen. Nichts! Am Telefon geht nur eine Mailbox ran. Wir schlürfen ums Haus und suchen. Schauen zig mal auf die Beschreibung im Internet, ob wir auch das Richtige erwischt haben. Alles stimmt überein, Adresse und auch die Fotos. Ich spreche 2x auf den AB, in Englisch und gebe sogar mein Französisch zum Besten. Nichts! Wir stehen ratlos da und fragen uns, ob wir nicht einem Fake aufgelaufen sind. Entnervt setzen wir uns auf den Bordstein, die Zeit tickt, wir sind frustriert und suchen schon nach einer Alternative, als die Vermieterin uns endlich nach mittlerweile einer Stunde per Nachricht kontaktiert und uns den Ort der Schlüsselbox am Hinterhaus, den Code mitteilt und mit einer knappen Entschuldigung sich wieder verabschiedet. Sie weist nochmal darauf hin - das hatte sie schon nach der Buchung getan, dass Bettwäsche und Handtücher nicht im Preis inbegriffen sind. Und wir 30,- € !!! bei Abreise in bar hinterlassen sollen, was nach der Buchung erst im Kleingedruckten zu spät entdecken, was die eine Übernachtung nun nicht mehr günstig macht.
Zum Aufregen haben wir keine Zeit, wir machen uns kurz frisch, ziehen uns um und machen uns auf die Suche nach dem Meer. Endlich! Nach einem etwas längeren Fußmarsch liegt der Atlantik mit seinem starken Wellenrauschen vor uns. Dick und breit ist der Strand. Der heftige Wind weht uns um die Nase und es riecht nach Meer. Das kennt wohl jeder: Das Gefühl, wenn man das erste Mal (vielleicht seit Langem) vor einem Meer steht! Es ist leider zu kalt und auch zu spät, um die Füße von der Brandung umspülen zu lassen. Wir packen einfach diesen Effekt im Gedanken ein, und verabschieden uns vorläufig von diesem wunderbaren Stück Welt. dass wir wohl ab jetzt noch öfters das Meer sehen werden und treten den Rückweg an. Gegessen haben wir ja auch noch nichts, also kaufen wir ein. Baguette, Käse und Wurst. Ein französischer Abend endet genussvoll, wohlig und zufrieden,
Wir haben ausnahmsweise mal den Wecker gestellt. Über die Girondemündung führt eine Fähre, die wir erreichen wollen.
Die 30,- € hinterlassen wir als kleine Rache für die Warterei und die unverschämte Nachricht nicht.
Schnell ist aber all das vergessen als wir in einem fetten Regenschauer Richtung Fähre fahren. An einem Samstag Morgen sind wir nicht die Einzigen: PKWs, Radfahrer, Fußgänger, Camper, Wohnmobile und wir mit noch ein paar anderen Motorradfahrern. Der Wind schüttelt uns ganz schön durcheinander als wir auf das Schiff fahren. Ich bin stets etwas nervös, wenn es heißt, auf eine Fähre zu fahren. Schwellen, rutschige Passagen usw. fordern mich und ich bin immer froh, wenn alles geschafft ist und Paula sicher abgestellt ist.
Alles ist bestens hier von Royan nach Verdon. Die Fährfahrt kostet 25,- € pro Person und Motorrad und dauert ca. 30 Minuten. Der Mündungstrichter ist hier ca. 15 km breit. Ein heftiger Wind lässt die Fähre ganz schön hin und her schaukeln und er reißt an meinen Haaren.
In Verdon aber scheint die Sonne und bis zu unserem Ziel in der Stadt Dax sind es noch ca. 250 km, die wir auf schnurgeraden Straßen erreichen.
Dax liegt ca. 60 km östlich von Biarritz entfernt. Mit seinen 22.000 Einwohnern perfekt für uns fernab der Touristenströme auch schon jetzt Anfang Juni. Ein kleines Appartement, ein kleiner Spaziergang durch die Fußgängerzone und es ist genug für uns heute.
Morgen wird ein neues Kapitel auf gemacht, wir werden Spanien erreichen!




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Chrissy (Dienstag, 09 Juni 2026 00:13)
Liebe Grüsse aus der Heimat und es ist so schön, dass ihr uns wieder an euren Eindrücken teilhaben lasst. Gute Reise weiterhin���