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Startklar Richtung Westen



Erst denkt man, wir sind doch routiniert. Schnell mal ein paar Sachen zusammen packen, das machen wir erst kurz vorher, es ist ja noch lange hin. Und dann läuft die Zeit doch davon.

Während ich noch denke: Zwei Hosen. Dieses Jahr nur Zwei!! Oder doch lieber Drei oder Vier? Das geblümte Kleid oder lieber das schlichte Helle? Ein Badeanzug reicht! Oder? Wenn er nicht trocken wird, lieber noch einen zum wechseln! Noch eine warme Jacke! Ach Quatsch, es ist Sommer und dort, wo wir hin fahren, wird es doch eher heiß als kalt! ... Während ich verzweifelt vor meinem Kleiderschrank stehe, schichtet mein Mann Werkzeug und Technikutensilien in seine schönen neuen großen Alukoffer." Aber wir verlassen doch gar nicht die EU", denke ich. Die Grundausrüstung haben wir immer dabei, egal wie lange und wohin wir fahren! Falls wir in der Pampa liegen bleiben! Haha... und die liegt wohl in Spanien. Ja, das  könnte man denken. Aber nein! Das Sprichwort mit der Pampa lehnt sich an die Pampa in Südamerika an, ein wirklich menschenleerer Ort! Natürlich, es ist immer sicherer, wir haben das ein oder andere Teil für die Pampa dabei!

Unsere Reisekaffeemaschine ist auch schon eingepackt! "Aber wir fahren doch gar nicht in die Chai-Länder, wo man, wenn überhaupt Kaffee nur in Form als Löslichen bekommt. Also, wenn es in Frankreich oder Spanien gibt, dann...!" Ach klar, besser ist besser, man weiß ja nie!

Und die sperrigen Campingstühle? Jedes Jahr die gleiche Diskussion! Während ich sie gerne im Schuppen stehen lassen würde, meint mein lieber Mann, sie unbedingt mit aufschnallen zu wollen! "Für die zwei/drei Male, die wir sie die letzten Jahre gebraucht haben ?" "Vielleicht sind es dieses Jahr ja vier oder fünf mal! Du freust dich doch, wenn du dein Päuschen nicht im Stehen verbringen musst!" Okay, Diskussion zwecklos!

Am Ende werden es dann doch wieder ein paar Dinge mehr! Und die sind tatsächlich routiniert und fix zusammen gepackt!

Der Rasen ist gemäht, die Straße gekehrt und noch das ein oder andere Unkraut gezupft!

Es kann los gehen!

Sonntag ist immer ein guter Tag für die Abreise, kein LKW - Verkehr, kein Berufsverkehr! Nur Sonntagsfahrer! Und die sind nun auch wir!

 

Noch sind wir am Vorabend bestens gelaunt! Wir testen unsere neue Gegensprechanlage, die wir uns gegönnt haben. Alles bestens!

Paul und Paula warten in der Garage.

Wie üblich versuchen wir am Abfahrttag, nicht noch in Hektik auszubrechen, wir frühstücken genüsslich unser Sonntagsfrühstück, schlürfen unseren Kaffee und schauen, unsere Hände um Tasse gelegt und die Ellbogen auf den Tisch gestützt, gebannt in den Wolken verhangenen grauen Himmel. 

So eine Wetter App ist auch nicht immer das, was sie verspricht. Die Prognosen ändern sich von Stunde zu Stunde, nein, von Minute zu Minute. Gestern hieß es noch, kein Regen am Vormittag! Weder Zuhause noch an unserem Ankunftsort im Rheinland! Und nun, mal 30%, mal 100% Regenwahrscheinlichkeit! Wir starren alle paar Minuten mit hypnotisierendem Blick auf`s Handy als könnten wir die Prognosen ändern und wissen doch, wie unsinnig das ist! 

 

In einem Augenblick, als sogar die Sonne hinter den Wolken hervor blinzelt, schlüpfen wir in unsere Kombis mit eingeknöpften Regeninnenfutter und schließen vorsichtshalber alle Lüftungsschlitze und Reißverschlüsse. Kalt ist es nicht - im Gegenteil - durch die hohe Luftfeuchtigkeit wird es gleich ziemlich schwül. Noch Helm auf und "Quatschmaschine" an. "Hallo, hallo, Test, Test!" Oh nein, es funktioniert nicht! Wir können noch so oft das Wort Test in das Mikro schreien, es tut sich nichts und das Intercom bleibt stumm! Gestern ging sie doch noch! Gestern! Mir rinnt durch die verschlossene Kombi schon langsam der Schweiß den Rücken runter und mein Mann flucht vor sich hin! Wir können Knöpfe drücken, testen, was wir wollen. Nichts! Und nun? Dann reden wir eben während der Fahrt nicht! Das Thema hatten wir ja letztes Jahr auch schon mal. Es ist ja manchmal gar nicht so schlecht, wenn Mann und Frau eine Weile nicht miteinander reden. Wir klären also noch ein paar Zeichensprachedinge und dann geht es endlich los. Die Sonne ist mittlerweile auch wieder verschwunden.

 

 

Um ein paar Kilometer zu machen und um uns zügig von unserer Heimat zu entfernen, wählen wir zunächst die Autobahn. Der Himmel wird grauer und grauer, wir fahren vorbei an Hannover, Porta Westfalica und verlassen dann bei Bad Oeynhausen die Autobahn. Schauer um Schauer ergießt sich über uns, zwischendurch gibt es  auch mal trockene Abschnitte, aber die wunderbare Landschaft mit ihrem satten Grün können wir nicht genießen. Die Straßen sind noch nass, der Himmel wechselt von dunkelgrau bis schwarz, die Ortschaften im Lipper Land und Ostwestfalen ziehen an uns vorbei. Ein Unwetter jagt das andere, Gewitter sind auch dabei. Wir werden pitsche nass und fahren den Rest der Strecke doch lieber wieder Autobahn. Sonst kommen wir ja nie an.

 

Unser erstes Quartier liegt in Büderich, einem Stadtteil von Wesel unweit der holländischen Grenze. Hier erwartet uns ein günstiges kleines Apartment. Es ist spät, wir sind fix und fertig. Beim Abendessen im hiesigen Lokal am Marktplatz holen wir die Gespräche nach, die wir während der Fahrt vermisst haben. Den Rest des Abends machen wir es in unserer kleinen Ferienwohnung so gemütlich wie es geht. Während ich mich diesem Reistagebuch widme, lässt mein Mann das Intercom - Problem nicht los. Er liest hier, liest da diverse Tutorials und Rezensionen, drückt eine Tastenkombination nach der anderen. Und bevor er am Verzweifeln ist, kommt ein Jubelschrei aus seinem Mund: "Juchhu! Sie funktioniert! Keine Ahnung, warum!" Er zuckt freudig mit den Achseln. Noch ein zwei Tests und einer gepflegten Konversation während der Fahrt steht also nichts mehr im  Weg!

Die erste Etappe unserer Reise 2026 ist gemacht, wir fallen hundemüde in unsere Betten.

Es kann nur noch besser werden! 

Der Tag beginnt mit dem ersten Spiegeleifrühstück dieser Reise und mit frischen Brötchen vom Bäcker nebenan und einer Tasse frisch gebrühten Kaffee. Was will man mehr?  Da wäre noch besseres Wetter. Nach der Wasserschlacht gestern hoffen wir heute auf Sonnenschein! Und tatsächlich! Unser Wunsch wird erfüllt: Optimale Bedingungen für einen schönen Motorradmomentetag!

Kamp - Limpfort, Kempen, Viersen, das Niederrhein-Gebiet! Es macht Spaß, mal durch einen anderen Teil Deutschlands zu fahren. Wir überqueren die Maas und fahren durch Roermond! Roermond? Liegt das nicht in Holland? Momentmal! An den vielen Fahrrädern und den gelben Nummernschildern erkennen wir, dass wir ja schon längst in den Niederlanden sind! Kein Grenzposten, keine Markierung, nicht einmal ein Staatsschild. Nichts! Während ich noch so für mich selbst scherze: "Ein Nederland/ Netherland - Schild hätte man doch für ein obligatorisches Foto aufstellen für uns können". Und bevor ich das meinem lieben Mann durch die wieder funktionierende Quatschmaschine mitteilen kann, teilt er mir mit, dass der Sprit hier wieder etwas günstiger ist als gerade eben noch. Haben die hier auch die 12.00 Uhr- Regelung nur umgekehrt?  Nee, wir haben wieder eine Grenze passiert, ohne es zu merken. So verraten uns also Benzinpreise und Nummernschilder, in welchem Land wir uns befinden! Wir lachen uns schlapp.

Wir sind in Belgien und fahren abseits der großen Hauptstraßen westlich an Maastricht und Lüttich vorbei durch die wallonische Region, eine der drei Regionen des Königreichs Belgien. Ein Sonne - Wolken - Mix bei knapp über zwanzig Grad, mäßigem Wind und kaum Autoverkehr bietet optimalen Fahrspaß und der verbale Austausch, von dem wir regen Gebrauch machen, funktioniert auch.  Felder, Wiesen sind grün wie momentan überall. Hier aber kommt es uns vor als wären sie grüner als anderswo. Vor Allem aber fallen uns die aufgeräumten und sehr sauberen Ortschaften auf. Die kleinen und größeren Dörfer mit ihren Einfamilienhäusern wirken allerdings ein wenig steril auf uns. Die Rasenflächen der Vorgärten sehen so aus, als wären sie mit der Nagelschere geschnitten, Pusteblumen und Gänseblümchen haben absolut keine Chance, viel grün, wenig bunt. Ziemlich charakterlos aber sind - zwischen all dem Nagelscherenrasengrün - die auffallend vielen, meist grauen Schottergärten, die bei uns schon längst (zum Glück) verboten sind. Aber bei all dem Rasengrün und Schottergrau freuen wir uns sehr über die Sauberkeit, die wir vom Balkan und all den "östlichen" Ländern so gar nicht gewohnt sind. Keine wilden Müllkippen, keine gedankenlos weggeworfenen Plastikflaschen, keine Massen an Zigarettenkippen. Mülleimer, die nicht überquellen, sondern anscheinend regelmäßig geleert werden. Und bei all der Sauberkeit finden wir auf einer (sehr) grünen Wiese (mit Löwenzahn) an einem Feldrand einen wunderbaren Pausenplatz.  Holzbankgarnitur und Mülleimer inklusive. Unsere Campingstühle bleiben verpackt auf den Motorrädern. Wir vertilgen unsere aus Wesel mitgebrachten belegten Bäckerbrötchen und nach einem kleinen Nickerchen machen wir uns frisch auf den Weg Richtung Frankreich.

Aus dem platten, grünen Flachland kommen wir in bewaldetes, hügeliges Gebiet: die Ardennen liegen vor uns. Als wären wir im Thüringer, Bayrischen oder Böhmer Wald genießen wir die lang geschwungenen Kurven bergauf, bergab. Und dann stehen wir ganz unerwartet vor einem Staatschild: France! Hier gibt es eins! Ich freue mich sehr über das obligatorische kleine Fotoshooting!

Unser Ziel ist das Städtchen im Département Ardennes mit dem klangvollen Namen Charleville-Mézières. Auch der Name unserer Unterkunft klingt vielversprechend: La petite maison (das kleine Haus).

Die Etappe war doch etwas lang heute und wir sind froh, am Ziel angekommen zu sein

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Kommentare: 6
  • #1

    Kristof (Donnerstag, 04 Juni 2026 14:29)

    Schön, Ihr seid wieder unterwegs. Gute Reise und ich freue mich schon auf die kommenden Einträge im Rerisetagebuch :)
    LG
    Kristof

  • #2

    Martin (Donnerstag, 04 Juni 2026 16:11)

    Bon voyage � ihr seids los, das ist gut � Ich wünsche euch breite Straßen und viel Spaß

  • #3

    Maik und Elke (Donnerstag, 04 Juni 2026 20:06)

    Liebe Sabine und Bert, da habt ihr ja trotz des schlechten Wetters gut Strecke gemacht. Es liest sich wieder sehr gut, dein Tagebuch. Gute Reise euch. Liebe Grüße von Maik und Elke aus Schkeuditz

  • #4

    Christian Hammann (Donnerstag, 04 Juni 2026 20:11)

    Ich habe ja gewusst, das es wieder viel zu berichten gibt. Aber das Ihr durch Viersen gefahren seid:. Mit dieser kleine Stadt verbinde ich meine Großeltern auf mütterlicher Seite. Ganz liebe Grüße und weiter gute Fahrt. Umarmung Chrischaaan

  • #5

    Patricia (Montag, 08 Juni 2026 17:28)

    Wir wünschen euch eine tolle Reise und Zeit. Da seit ihr ja fast in unserer Nähe (Wesel) gewesen . Ist immer unsere kleine Hausrunde.Passt auf euch auf . Freue mich schon auf weitere Tagebuch Einträge und später auf eure Videos .
    LG Patricia und Michael

  • #6

    Sabine (Montag, 08 Juni 2026 18:19)

    Das " kleine Drama" mit dem Packen kennen wir auch. Wir lesen immer wieder gerne, wie es euch geht, was ihr erlebt und wo ihr gerade seid.
    Viele liebe Grüße! Sabine und Rüdiger

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