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Griechenland/ Nordmazedonien


Griechenland: kurz und intensiv... Nordmazedonien: ein besonderer See


Bevor wir nach langer Zeit wieder in die EU einreisen, überqueren wir mit der Fähre die Dardanellen, der Meerenge zwischen Marmarameer und Ägäis  und hüpfen von Canakalle nach Eceabat, also von Asien nach Europa! Gut 20 Minuten dauert die Überfahrt und der Sprung nach Europa ist ein kleines Highlight.

Noch gut 140 km Türkei haben wir vor uns. Bei Gallipoli, der Halbinsel, wo einst eine entscheidende Schlacht im ersten Weltkrieg statt gefunden hat - die Entente-Mächte (Frankreich, Großbritannien und Russland) kämpften damals gegen das Osmanische Reich - treffen wir auf den gigantischen Bau einer Brücke, die die Dardanellen überspannen soll und somit die Fahrtzeit von und nach Europa verkürzen soll. Sie soll 2022 fertig gestellt werden und ist dann die längste Hängebrücke der Welt.

Beim Grenzübergang Kipoi wollen wir wieder in die EU einreisen. In Griechenland haben wir uns selbstverständlich vor ein paar Tagen via Internet angemeldet und das entsprechende Formular vorab ordnungsgemäß ausgefüllt. Sicher sind wir uns nicht, dass wir hier passieren dürfen, denn dieser Grenzübertritt ist laut griechischem Formular nur für griechische Staatsbürger möglich. Auswärtiges Amt sowie ADAC widersprechen dem: Offen für alle EU-Bürger. Einen Plan B haben wir notfalls auch, falls man uns die Einreise verweigern wird. Dann gibt es einen Weg über Bulgarien, den Grenzübergang Swilengrad ca 150 km nördlich könnten wir dann nehmen.

Die Türkei entlässt uns zunächst einmal ganz entspannt mit einem Blick in die Fahrzeugpapiere, wir müssen dann noch ein paar Hundert Meter durchs Niemandsland und erkennen sie ganz deutlich: Die Europäische Flagge und gleich daneben die Griechische! Es fühlt sich ein wenig wie Nachhause kommen an als wir die paar Meter im Schritttempo fahren. Bei einem ersten Kontrolleur zeigen wir ganz stolz unser Einreiseformular, der wiederum zeigt sich sehr erfreut, dass wir alles Nötige dabei haben und winkt uns vor zu Pass - und Zollkontrolle. Wir sind richtig - also wozu die ganze Aufregung? _ - und man lässt uns ganz unspektakulär durch. Wir müssen noch zum Gesundheitscheck vorfahren, wo man uns ausgiebig befragt und unsere Impfausweise studiert. Es dauert keine halbe Stunde und die EU hat uns wieder!

Nun sind es nur noch 50 km bis zu unserem Ziel in dem kleinen Ort Nea Chili außerhalb der Stadt Alexandroupoli. Unsere Unterkunft ist schnell gefunden und als wir unsere Motorräder abstellen, ruft es von einem der Balkone herunter: "Hallo! Herzlich willkommen! Wo kommt ihr denn her?" Ein schwäbischer Dialekt schlägt uns entgegen und bis unser Vermieter uns die Tür aufschließt, halten wir einen kleinen Plausch mit der netten Familie aus Stuttgart, denen eine der Wohnungen im Nebenhaus gehört. Sie haben gleich ein paar gute Tipps für Strand und Restaurants parat - die Kinder bringen uns zur Begrüßung kühlschrankkaltes Wasser - danach können wir unser erstes Apartment seit Langem beziehen. Schnell sind wir umgezogen und strandfertig. Es sind keine Hundert Meter und wir stehen an einem schönen, wenig belebten Sandstrand. Erstmal in den Wellen abkühlen und dann mit den Füßen im Sand, das von den Stuttgartern  empfohlene Restaurant, was sich auch direkt an diesem Strandabschnitt befindet, testen! So fühlt sich  das Leben doch gleich ganz anders an und einen kitschigen Sonnenuntergang gibt es gratis dazu!

Nach einem endlich mal wieder selbst zubereiteten Frühstück, wir trinken Kaffee aus der Maschine, und essen Brötchen vom besten Bäcker um die Ecke (Tipp von den Stuttgartern!), starten wir und setzen unsere Tour fort. 

Hinter Thessaloniki im kleinen Ort Methone wartet gleich das nächste Apartment auf uns. Aber bis dahin sind es noch heiße 330 km. Wir umfahren zunächst die Großstadt Kavala auf der Autobahn und tuckern dann auf einer schönen Küstenstraße einfach so dahin! Wir überqueren den kleine Fluss Struma und finden gleich dahinter ein perfektes Pausenplätzchen. Durch Zufall landen wir an einem besonderen Ort, einer Ausgrabungsstätte aus dem 4. Jh. v. Chr. Hier befindet sich das Monument des Löwen von Amphiepolis, einer Rekonstruktion, die aus dem Jahr 1936/37 stammt.

Um nicht durch den Großstadtverkehr von Thessaloniki zu müssen, begeben wir uns erneut auf die Autobahn, um diese große Stadt zu umfahren. Und das macht absolut keinen Spaß! Heißer Wind und Spurrillen erschweren die Fahrt. Diese blöden Spurrillen, die wir auch in der Türkei zu Genüge hatten, begegnen uns auch hier. Jeder Motorradfahrer kennt sicher dieses eirige Gefühl und das Konzentrieren um das Geradehalten des Lenkers. Bei Regen können diese zu gefährlichen Aquaplaning führen und nicht nur für PKWs sondern besonders für Fahrzeuge mit 2 Rädern sehr gefährlich werden. Aber zum Glück regnet es ja nicht! Im Gegenteil, wir schwitzen auch hier, was das Zeug hält und sind froh, dass wir den kleinen Ort Methone, 40 km süd-westlich von Thessaloniki am frühen Nachmittag erreichen.  Als wir am Rande des Ortes auf den Hof der gebuchten Unterkunft fahren, erwarten uns schon die Gastgeber und uns wird gleich ein Schattenparkplatz am Haus zugewiesen. Die Hausbesitzer, in Form eines netten Ehepaares heißen uns persönlich und überschwänglich willkommen. Schnell merken wir, dass wir uns sympathisch sind. Sie, Georgia, Kind einer griechischen Mutter und eines italienischen Vaters (oder umgekehrt), er, Edoardo, Italiener durch und durch. Das Haus Georgias Großmutter, halten sie nun in Ehren. Die untere Etage ist als Ferienapartment vermietet, oben wohnen sie. Wir können uns gleich vorstellen, hier noch eine Nacht dran zu hängen, aber leider ist das Apartment schon belegt. An einer kleinen, einsamen Bucht halten wir unsere Füße ins Wasser. Der kleine Ort Methone bietet nicht viel, denn unten am kleinen Hafen und am Strand wirkt alles etwas gespenstisch und es gibt sonst nichts. Im kleinen Lädchen des Ortes kaufen wir ein und brutzeln uns Würstchen in der Pfanne, dazu etwas Brot und Ketchup, eine aufgeschnittene Tomate und Paprika, noch dazu eine Dose Bier auf der Veranda mit Meerblick und Ruhe bei Georgia und Edoardo. Diese Ruhe hier oben über dem Meer mit der Wurst und unserem Dosenbier möchte ich momentan um nichts in der Welt eintauschen!

Wir schlafen himmlisch im Haus von Georgias Oma. Die gesamte Familie,  auch Kevin und Diana, die beiden Kinder, verabschiedet uns am nächsten Morgen als wären wir die dicksten Freunde. Von Edoardo bekommen wir zum Abschied noch eine Flasche selbst gemachten, typisch italienischen Limoncello geschenkt! Danke Georgia und Edoardo!  Ein kurzer aber intensiver Kontakt lässt uns das Reisen per Motorrad an die unterschiedlichsten Orte wieder genießen. 

Und weiter geht es.

Das kleine Land Nordmazedonien ist unser nächstes Ziel!

Wir fahren auf einer kleinen griechischen Bergstraße mit wenig Verkehr und als wir für eine Pause  rechts der Straße parken, ist es ganz still um uns herum, als wir unsere Helme abnehmen. Die Sonne brennt und unter einem Busch stellen wir unsere Stühlchen auf, um etwas Schatten abzubekommen. Wir hören ganz leise in weiter Ferne Blöken, das von einer einsamen Schafherde kommt. Wir befinden uns an einem Ort, der verzaubert. Genau hier an diesem Ort zu dieser Zeit zu sein, ist sowas von beglückend, wir halten genau diesen Augenblick fest und schließen ihn in unsere Erinnerung. Solche Momente machen diese Reise auch hier in Griechenland - irgendwo im Hochland - zu etwas ganz Besonderem!

Allerdings haben wir seit ein paar Tagen etwas Sorgen um Sally. Seit Canakalle tut sie sich schwer, bei großer Hitze langsam Berge zu erklimmen oder mit vielen kurzen Stopps an Ampeln oder Kreuzungen zu stehen. Die rote Temperaturanzeige geht ständig an. Was genau das ist, kann mein lieber Mann nur vermuten, vielleicht nur der Kühlergrill, der verstaubt oder der die Temperaturanzeige an sich. Uns bleibt also nichts anderes übrig als Anhalten. Die alte Dame bekommt nach über 80.000 km  halt so ihre Zipperlein. Oder vielleicht hat ihr der Sturz doch etwas mehr zugesetzt als vermutet. Wir gönnen ihr dann immer eine kurze Pause, d.h. Anhalten, Motor aus und Runterkühlen.

Nordmazedonien! Das kleine Land mit der Sonne auf der Flagge, das zwischen Serbien, Bulgarien, Griechenland und Albanien liegt, ist neben der Hauptstadt Skopje bekannt für einen der ältesten Seen der Welt, dem Orhidsee, den sich Albanien und Nordmazedonien teilen, wobei Nordmazedonien den größeren Anteil daran hat. Die gleichnamige Stadt ist unser Ziel.

Über unbekannte Bergregionen Griechenlands und kleine Straßen außerhalb jeglichen Tourismus erreichen wir den  Grenzübergang Niki und verlassen wieder die EU. Diesen Grenzübertritt verbuchen wir als einen der Kürzesten und Freundlichsten! Griechenland entlässt uns mit einem glatten Durchwinken ohne jegliches Vorzeigen von Papieren und Nordmazedonien  empfängt uns in Form einer lächelnden, jungen Dame, die uns freundlich begrüßt! Ich wusste gar nicht, dass Grenzbeamte überhaupt lächeln können. Während sie einen Stempel in meinen Pass stempelt, bemerkt sie freudig, dass ich einen Tag nach ihr Geburtstag habe und es entsteht ein kurzes Gespräch. Das ist das erste Mal, dass wir mit einem/einer Grenzbeamten/in überhaupt ein persönliches Wort sprechen.

Wenn ein Land schon eine Sonne auf der Staatsflagge hat, muss das wohl was heißen. Also wir reisen mit Sonne auf der Flagge, mit Sonne von oben und mit Sonne in unseren Herzen ein! Und wenn das das persönliche Wort nicht gewesen wäre, hätten wir glatt 1 Minute für die Einreise gebraucht. So werden 5 Minuten daraus!

Customs? Ja, den Zoll gibt es, der hat aber gar kein Interesse an uns und winkt uns freundlich durch. Andere Länder, anderer Verkehr. Egal wie groß oder klein so ein Land ist, irgendwie herrschen immer andere Verkehrsverhältnisse, an die man sich erst gewöhnen muss. Durch Bitola, der nächsten größeren Stadt hinter der Grenze, müssen wir uns durch dichten Verkehr kämpfen, der sich zum Glück außerhalb der Stadt entspannt und bis Ohrid sind es zum Glück weniger als 100 km.

Maja Apartments erwartet uns mit einer schlichten und einfachen Ferienwohnung mit direkter Lage am See, keine 5 Minuten vom Ufer entfernt. Maja ist, wie der Name schon sagt, die Hausherrin - klein und schmächtig, vielleicht in den Fünfzigern. Während ihr Sohn uns in einem perfekten Englisch empfängt, bereitet sie uns zum Empfang einen türkischen Kaffee.

Die zentrale Lage und der belebte, aber dennoch ruhige Ort bewegt uns, einen Tag länger zu bleiben.

Ohrid, am nordöstlichen Ufer des Sees gelegen, hat eine wunderbar verwinkelte Altstadt mit historischen Gebäuden und eine Festung. Es macht Spaß, darin bummeln zu gehen und der See mit seinem glasklaren Wasser lädt zum Schwimmen ein. Wir lassen unsere Seele baumeln und tanken auf, nein wir tanken voll! -  für die nächste Etappe: Albanien!

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Kommentare: 2
  • #1

    H. (Freitag, 10 September 2021 23:48)

    ….sooohhhhh schön �

  • #2

    Sabine (Samstag, 11 September 2021 15:50)

    Es ist toll, euch zu „begleiten“! Immer wieder neue Eindrücke!



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