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Polen, Teil 1


Ein unbekannter Teil des Landes


Was wäre die Welt ohne Grenzen? ...

In den letzten Jahren haben wir erfahren, was es bedeuten kann, Grenzen zu passieren. Schlagbäume und  Stahltore, die sich erst öffnen, wenn man die nötigen Papiere dabei hat. Stundenlanges Warten und Grenzbeamte, deren Willkür man ausgeliefert ist, die stark bewaffnet um einen herum schleichen, als wäre man Schwerverbrecher, Zöllner, die einem den Inhalt des Gepäcks auseinander nehmen und nach etwas suchen, was wir nicht haben...

Aber es gibt sie, die offenen Grenzen in Europa. Die offenen Grenzen, von denen wir profitieren. Diese Freiheit sollten wir bewahren und dafür einstehen, dass es sie weiterhin gibt. Es ist erschreckend, wenn man sich umschaut. Wenn man sich umschaut in ein Europa mit all den nationalistischen Tendenzen, vor Allem Richtung Osteuropa! 

Sucha Hora, Slowakei/ Chocholow, Polen ist so ein offener Grenzübergang. Wenn es nicht ein paar Schilder gäbe, würden wir gar nicht merken, dass wir von einem in das andere Land fahren. Wir halten für ein kleines Fotoshooting. Der Grenzverlauf  scheint zwischen 2 Kuhweiden zu liegen. Ein Grenzübergang, der sogar idyllisch wirkt, mit Blick auf die wunderbare Bergwelt der Tatra.

Im kleinen Ort Koniowka haben wir kleines Hotelzimmer, was  völlig ausreichend für eine Nacht ist.

Von einem polnischen Paar erfahren wir, dass es in Cholochow das größte Thermalbad Polens gibt. Wir überlegen kurz, ob wir noch einen Tag dran hängen, aber nach Thermalbad und Gedränge in der Masse zu Coronazeiten ist uns beim besten Willen nicht. Nach einem guten Frühstück, man staune, es gibt ein Buffet. Alle halten sich an die Regeln. Wenn man den Platz verlässt, Maske auf, Plastikhandschuhe an und Abstand halten. Wir fühlen uns sicher und  setzen unsere Reise fort. 

Unser nächstes Ziel in die Stadt Radom.

Habt ihr etwa noch nie etwas von Radom gehört? Wir auch nicht! Gerne wollen wir die unbekannte Großstadt im Südosten Polens kurz erkunden. Wir wollen sie früh erreichen, denn unsere Etappe ist kurz!

Aber unsere Rechnung geht nicht auf,  denn mit "erhöhtem Verkehrsaufkommen" haben wir nicht gerechnet. Gefühlt stehen wir die gesamte Strecke im Stau. Rund ums Großgebiet Krakau ist es besonders schlimm.Baustellen und Schwerlastverkehr erschweren uns das Vorankommen und wir erreichen Radom anstatt am frühen Nachmittag erst am am frühen Abend. Es bleibt nur Zeit für Dusche und Nahrungsaufnahme.

So wollen wir einen Tag dran hängen und versuchen, den Aufenthalt in unserem schönen Apartment, was sich hinter der Fassade eines nicht besonders schönen Plattenbaus versteckt, zu verlängern. Drinnen ist es fast luxuriös, alles neu und geräumig. Man fühlt sich gleich wohl. Nur leider ist am nächsten Tag schon besetzt. Also müssen wir ohne Sightseeing weiter ziehen. Dafür hat sich ein netter sms-Kontakt mit der Haushälterin Justyna ergeben und wir werden "Facebook-Freunde".

Unser Ziel ist die Masurische Seenplatte. Unsere Rechnung geht auch hier wieder nicht auf, alles ist ausgebucht, von der Hütte auf dem Campingplatz bis zum teuren Luxushotel. Es ist Wochenende und zudem sind Ferien. Die Polen zieht es raus aufs Land ans Wasser. Auch hier gilt die Devise: Urlaub im eigenen Land!

Aber wir sind ja flexibel und schauen, wo wir etwas zu wohnen bekommen und werden fündig in der Stadt Plock, ca 100 km westlich von Warschau und keine 200 km von Radom entfernt.

Wir trödeln durch kleine Dörfchen auf eine entlegenen Straßen. Diese sind gut befahrbar und lassen uns gut voran kommen. Auch die Temperaturen lassen sich gut aushalten, die Sonne scheint und es sind 28 Grad. Nicht nur die Fahrt sondern auch eine ausgedehnte Pause am Rande eines abgemähten Feldes bringen uns Entspannung.

In Plock (mit dem durchgestrichenen L, wie Lodz) erwartet uns wieder ein Apartment, diesmal in einem Hostel mitten in der Stadt. Groß, sauber und wieder sehr chic mit Balkon auf die Fußgängerzone.

Wir haben sowieso die Vorzüge von Apartments entdeckt und bei der Buchung sind sie erste Wahl! 

Momentan passt einfach alles:

Plock an der Weichsel, für uns wieder eine unbekannte Stadt an einem unbekannten Fluss. Es ist so schön hier, dass wir gleich um eine Nacht verlängern.

Es ist Wochenende, es ist Mariä  Himmelfahrt, ein offizieller katholischer Feiertag in Polen und für Plock ein besonderer Tag. Die Stadt hat sich herausgeputzt, denn hier hat Polen vor genau 100 Jahren Widerstand geleistet, erfolgreichen Widerstand gegen die große Sowjetarmee im Polnisch - Sowjetischen Krieg 1919 - 1920. Wir geraten in die Feierlichkeiten zu diesem ganz besonderen Ereignis und wohnen dem Geschehen eine Weile bei: Kranzniederlegungen, Ansprachen, Männer in Uniformen, Frauen  in High Heels und eine spalierstehende Kavallerie. Wir schlendern weiter und genießen einen kleinen Spaziergang an der Weichsel, die hier ziemlich dick und breit dahin fließt, mit knapp über 1000 km Länge Polens größter Strom mit Mündung in die Ostsee. Ein  anschließender Besuch im hiesigen Museum rundet unsere kleine Entdeckungstour durch Plock ab.

Noch ein leckeres Essen und wir wären glücklich. Wie bei uns halten Pizza, Döner und Burger den größten Anteil der Restaurants, aber wir werden fündig im scheinbar einzigen Restaurant der Stadt mit traditionell polnischer Küche und essen eine Art Eisbein, leicht geräuchert wie Kasseler mit Sauerkraut. Ziemlich mächtig, aber lecker. Eine weitere Veranstaltung am heutigen Abend findet statt, eine Art Sponsorenlauf - keine Ahnung auf wie viele Kilometer - und viele Sportler gehen gleich an den Start. Am Tisch neben uns lächelt mich eine junge Frau im Sportdress an, scheinbar hat sie bemerkt, dass wir Ausländer sind. Als sie geht, fragt sie uns auf Englisch , ob wir das erste Mal in Polen seien, wir wechseln noch ein, zwei Sätze und sie wünschtnoch kurz uns: "good luck"... Was für eine Begebenheit!

Wir schauen den Teilnehmern eine Weile zu. Irgendwie versuche ich, diese junge Frau ausfindig zu machen und überrede meinen Mann noch zu bleiben. Und tatsächlich, da kommt sie irgendwann um die Ecke gesprintet! Ich feuere sie an und sie erkennt mich tatsächlich. An der Ziellinie treffen wir uns noch einmal und wünschen uns ein zweites mal "good luck".

Sorgen bereitet uns nach wie vor unser Verbleib und die Unterkunftssuche gestaltet sich weiterhin schwer. Wir durchforsten jedes Portal und werden endlich fündig in der unmittelbaren Nähe der kleinen Stadt Szczytno, unweit des Geburtsortes meines Vaters. Hier werden hoffentlich wieder mit einem schönen Apartment belohnt!


Habt ihr auch Lust auf  Polen? Aber auf ein kurvigeres Stück als das Unsere? Unser Kooperationpartner *Tourboerse.de - World of Touring bietet euch genau *eine zugeschnittene Tour u.a. durch den Süden des Landes.


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