· 

Kroatien, Teil 2


Ein unerwartetes Abenteuer!


Das Glück ist auf unserer Seite. Keine 20 Km hinter Mukinye hört es auf zu regnen. Wir fahren unter verhangenem Himmel Richtung Küste. Der Ort unserer Wahl ist Senj (Zengg), die  älteste Stadt der oberen  Adria und  dem Wahrzeichen der Festung Nehaj, mittelalterliches Zentrum der Uskoken.

Die letzten Kilometer reihen wir uns in eine schier endlos wirkende Karawane von Autos, Wohnmobilen und Caravans ein. Das vorherrschende Länderkennzeichen ist das "D", mal ein "F", mal ein "I", "H" oder CZ dazwischen. Sie Alle haben wohl die gleiche Idee wie wir! Reisen trotz Corona!  Und da bietet sich Kroatien an. Das Fernweh treibt sie so wie uns an!

Unsere kleine Ferienwohnung finden wir .... dada!... auf Anhieb!  Apartment "Julia" heißt uns herzlich willkommen mit einem gut deutsch sprechenden Hausherrn, wenig Komfort aber dafür eine kleine Terrasse mit einem grandiosen Blick runter aufs Meer und geradezu die Festung Nihaj.

Bei warmen Temperaturen, aber dafür einem sehr starken Wind erleben wir hier 2 entspannte Tage, schlendern durch die Altstadt und besuchen die Festung und erfahren etwas über deren Geschichte. 

Coronahygieneregeln werden hier genauso wie bei uns eingehalten. In allen geschlossenen Räumen gilt Maskenpflicht. Der Ort ist wirklich sehr touristisch.

Das nächste Ziel ist der Nationalpark Krka, gut 250 km südlich von Senj.

Wir wollen ein  Stück der Küstenstraße, die  "Jadranska Magistrale" folgen, die als eine der schönsten und malerischten Küstenstraßen der Welt gilt. Das können wir nur bestätigen. Wahnsinnig schön und mit dem Motorrad noch viel schöner! Mal enge, mal lang gezogenen Kurven, hoch und runter, direkt am Wasser entlang. Hinter jeder Kurve verbirgt sich eine neue Schönheit, den Blick immer auf`s Meer. Zudem ist relativ wenig Verkehr! Ein Genuss pur!

Allerdings frischt der Wind sehr auf. Wie eine Art von Kreuzwinden zerrt er an unseren Motorrädern und heftigst an uns. Man muss die Nackenmuskulatur stark anspannen mit voller Konzentration auf die Strecke!

Hinter dem Küstenort Karlobag kommt unerwartet und plötzlich die Kelle einer Polizeikontrolle. Sind wir zu schnell gefahren? Nein, absolut nicht! Haben wir trotz Überholverbot überholt? Nein, auf keinen Fall! Also, alles ok und wir haben nichts zu befürchten! Vielleicht nur ein Routinekontrolle! Die gebrochen Englisch sprechende Beamtin kontrolliert zunächst in einer übertriebenen Langsamkeit unsere Papiere. Trotz Wind ist es ziemlich heiß und wir schwitzen. Das wiederum scheint sie zu freuen! Endlich kommt eine Erklärung: Die Durchfahrt ist für Motorräder aufgrund des starken Windes verboten und die Strecke sei gesperrt. Ok, das verstehen wir. Wir sollen umdrehen. Ok, auch das verstehen wir. Wir sollen ein Bußgeld von umgerechnet ca. 30 ,- Euro pro Motorrad bezahlen. Aber das verstehen wir nicht. Hinweisschilder, Warnungen oder Ähnliches haben wir nicht gesehen. 

Während wir da so stehen und gestikulieren, kommen zahlreiche Motorräder aus der entgegen gesetzter Richtung. Diese werden nicht angehalten.  Ist es auf der anderen Straßenseite weniger stürmisch? Ist die Straße nun für Motorräder gesperrt oder nicht? Irgendwas stimmt da nicht! Mein lieber Mann lässt sich nicht beirren und fängt eine Diskussion an. Zu Recht! Kuna (einheimische Währung) haben wir sowieso nicht dabei und zücken unsere EC-Karte. Nein, das geht nicht. Sie stellt uns eine Art Quittung aus, die wir bei der nächsten Bank und innerhalb von 3 Tagen zu überweisen haben, später wäre es doppelt so teuer.Trotz Nachfrage enthält sie uns ihren Namen und ihre Dienstnummer vor

Mittlerweile wird noch eine Vierergruppe von einheimischen Motorrädern gestoppt. Die Jungs erklären uns Einiges auf Englisch: Aufgrund der starken Winde und der damit verbundenen Gefährlichkeit war der gesamte Streckenabschnitt erst für alle Fahrzeuge und später nur für Motorräder gesperrt. Also haben wir richtig verstanden,  aber warum gab es keine großen Schilder, Warnungen,  Sperren oder Ähnliches? Und aus der Gegenrichtung fahren Motorräder ungehindert durch. Und vor Allem, warum sollen wir Strafe bezahlen?

Alle vier jungen Männer zucken die Achseln, lachen und antworten: " That´s the Balkan!"

Es bleibt uns nichts anderes übrig und zu unserer Sicherheit müssen wir verständlicher Weise umdrehen und begeben uns auf eine Alternativroute durch die Berge. Diese Strecke ist ähnlich windig aber fast noch schöner! Das wiederum verstehen wir als Geschenk, denn ohne die Polizistin hätten diese Strecke ja nicht kennen gelernt! Wir winden uns kreuz und quer durch teils kleine Landsträßchen, teils über gut ausgebaute Straßen. Es ist sehr heiß -  auch in den Bergen- die Landschaft ist grandios und wir fühlen uns trotzdem sehr wohl. Und ob wir die Strafe überweisen werden, das überlegen wir uns noch!

Unsere kleine Ferienwohnung "Ivan"in Lozovac, ca 2 km vom Krka - Parkeingang findet unsere Naviapp auf Anhieb. Wir haben mal wieder Glück. Gleichnamiger Hausherr empfängt uns überaus natürlich freundlich und unsere Unterkunft ist ruhig, sauber und für unsere Zwecke komfortabel genug mit kleiner Küchenzeile, Kaffeemaschine (unsere kann also im Gepäck bleiben), Kühlschrank und Balkon.

Der Krka-Nationalpark liegt im Süden des Landes zwischen den Städten Zadar und Split und ist neben den Plitvicer Seen eines der touristischen Highlights des Landes. Durch ihn fließt der gleichnamige Fluss, der für seine 7 Wasserfälle bekannt ist. Wir buchen zunächst eine Bootstour zur kleinen Insel Visovac, auf der sich ein bekanntes Franziskanerkloster befindet, das seit de 15ten Jahrhundert existiert.

Später folgen wir dem Touristenpfad zum bekanntesten Wasserfall, dem Skradinski buk und machen eine kleine Wanderung dorthin.  Atemberaubend ist auch hier die Natur. Richtig laut sind die kleinen und großen Wasserfälle und auf den schattigen Wegen schwitzt man nicht ganz so.  Die vielen Menschen stören ein wenig. Aber kein Wunder , die schönsten Orte dieser Welt sind halt gut besucht. Wir genießen ein kühles Bad trotz "Massentourismus" unterhalb des großen Wasserfalles, bevor wir den Rückweg antreten.

Etwas müde von der Lauferei in der Hitze, treibt uns Hunger an und wir wollen in dem gleichen Restaurant wie gestern zu Abend essen, wo wir bereits die Spezialität der Region - Spanferkel am Spieß -  genossen haben. Das Restaurant hat trotz einer Hochzeitsgesellschaft im Nebenraum à la Carte - Geschäft. Wir beobachten freudig das nette Treiben. Die Gäste sind in Feierlaune und wir lauschen der Musik. Akkordeon und Gitarre schmettern, so interpretieren wir, kroatische Volkslieder und die Gemeinde gerät in Wallung. Mit Bier, Schnaps und auch ein Stück Hochzeitstorte lässt man uns ein wenig Teil haben. Mit T-Shirt und Schlappen fühlen wir uns allerdings etwas fehl am Platze. Intuitiv und ganz spontan aber entgegen aller Coronaregeln drücken wir das Brautpaar und wünschen: Eine wunderbare, gemeinsame Zukunft und alles Glück dieser Welt,  Andela und Marko!

 

Spätestens jetzt wird es Zeit, sich über den weiteren Verlauf unserer Reise Gedanken zu machen. Weiter Richtung Dubrovnik, also ca. 300 km weiter südlich?  Dann müssten wir sowieso umdrehen, denn da ist Kroatien Ende einer Sackgasse, denn weiter können nach Albanien außerhalb der EU wollen und können wir nicht! Also entscheiden wir uns, gleich umzudrehen und wieder die nördliche Richtung einzuschlagen. Wir buchen eine Übernachtung in Karlovac, einer Kleinstadt im Norden Kroatiens. Die Fahrt dorthin führt uns wieder über Plitvic und wir schlängeln uns mit anderen Motorrädern und Touristen über die gut ausgebauten Straßen.

In Karlovac empfängt uns wieder ein gutes und günstiges Apartment, was sehr liebevoll mit Stil eingerichtet ist. Die Altstadt, so lesen wir, geriet im Balkankrieg 1991 von serbischer Seite aus sehr unter Beschuss. Sie ist zwar wieder ganz gut aufgebaut, aber die Spuren des Krieges sind noch nicht verschwunden und Einschusslöcher in vielen Häusern sind immer noch zu sehen. Wie haben wir auf  Visovac gelesen: "Verzeihen ja, vergessen niemals!". Das gilt wohl für jeden Krieg!

Wie schön, die Stadt ist abends sehr belebt und vor den vielen Bars sitzen die Menschen draußen und genießen einen lauen Sommerabend! Nur Restaurants scheinen Mangelware zu sein. Überall gibt es Kaffee, Cocktails, Bier und Wein, nur Essen...Fehlanzeige!Als einzige Restaurants machen wir 2 Pizzerien aus. Schon wieder Pizza? Uns bleibt wohl nichts anderes übrig! Dafür schmeckt sie, besser könnte sie weder in Italien noch bei uns sein!

 

Am nächsten Morgen wollen wir Kroatien verlassen.

Danke Kroatien für grandiose Landschaften und nette Menschen! HVALA !

 

Weiter Richtung Slowenien und Österreich/Italien, das schließen wir aus. Wir entscheiden uns wieder für Ungarn und die Slowakei. Unser neues Ziel ist Polen, genauer gesagt Ostpolen und Masuren!

 

Bis zur ungarischen Grenze sind es am nächsten Tag noch gut 200 km. Um Zagreb zu umfahren, begeben wir uns für ein paar Kilometer auf die  Autobahn und danach geht es förmlich über Stock und Stein. Kleinere Straßen zwar gepflastert, gibt es wohl kaum. Das fordert uns und unser (vor Allem mein) fahrerisches Können. Es geht ziemlich steil bergan um enge, nicht einsehbare Kurven, noch dazu Spitzkehren, die ich - haha - so sehr liebe! Hinter jeder Anhöhe vermutet man, dass die Straße gleich ins Nichts führt oder im Nirwana endet...Meine Maschine quält sich und ich mich mit ihr! Ich schwitze und mein Mann vor mir auch!

Wie war das doch gleich? Wir wollten Abenteuer! Von wegen, das gibt es nicht im benachbarten Europa!? 

Nicht jeder möchte ganz so individuell reisen wir, möchte gerade in diesen unsicheren Zeiten mehr Sicherheit, ist vielleicht alleine und möchte eine kleine Gruppe... Denjenigen können wir unseren neuen Kooperationspartner *Tourboerse.de - World of Touring empfehlen. Auch Kroatien ist  dort eine besondere Reise gewidmet.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0


Die mit einem (*) gekennzeichneten Links sind sogenannte Affiliate-Links. Wenn du also auf so einen Affiliate-Link klickst und über diesen Link einkaufst, bekommen wir von dem betreffenden Anbieter eine Provision. Für dich verändert sich der Preis nicht. Wir empfehlen  nichts, was wir nicht selbst für gut befinden und für das wir nicht einstehen.