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Schlüsselburg - Klaipeda



Das Baltikum, ein Schnelldurchlauf und ein kurzer Einblick


Von Shlisselburg (Schlüsselburg) sind es noch ca. 200 km bis Ivangorod auf Russischer Seite und Narva auf Estnischer Seite. St. Petersburg, was von Schlüsselburg ca 35 Km entfernt ist umfahren wir ganz großräumig. Man merkt, bzw. so interpretieren wir das, dass wir uns im Speckgürtel von St. Petersburg befinden. Überall entstehen schöne Neubauhäuser, die Orte, die wir durchfahren, wirken gepflegt. In Ivangorod müssen wir schon vor der Stadt an einer Kontrollstelle halten und erst als all unsere Papiere auf Gültigkeit geprüft wurden, öffnet sich der Schlagbaum. Noch einmal billig tanken (für umgerechnet 60 Cent der Liter), geht es schnell durch die Stadt zur nahen Grenze. Die Ausreise dauert wie erwartet nicht lange und.... schwupps...  spuckt uns Russland aus!

Noch die estnische Kontrolle und wir befinden uns auf einmal  Estnischer Seite. Plötzlich stehen wir in der  Stadt Narva.

 

Mit dem Baltikum haben wir uns gar nicht auseinandergesetzt, wir fahren "nur" durch, nehmen aber das mit versuchen aber Einiges nitzumehmen... Wir lesen nach: zugehörig zum Russischen Reich, nach dem ersten Weltkrieg unabhängig und 1940 von der Sowjetunion annektiert und 1990 wieder unabhängig. Wir fühlen uns irgendwie heimisch, vom gemäßigten Verkehr angefangen bis hin, dass wir wieder die Schrift lesen können und wir uns in Englisch verständigen können. Kaum etwas wirkt hier wie die ehemalige SU.

Noch ein paar Kilometer sind es zum Hotel in Narva - Jöesuu an der Ostseeküste. Wir genehmigen uns noch ein Stündchen am Strand. Die Sonne scheint und es ist so wohlig warm, dass wir sogar unsere Badesachen anziehen können! Wer hätte gedacht, dass wir noch einmal Badesachen überhaupt auspacken würden! In Karelien hätten wir Schal und Mütze gebraucht!

Wir machen einen kleinen Strandspaziergang, die Russische Ostseegrenze ist ja ganz nah, da wo ein Fluss in die Ostsee mündet. Die Mitte des Flusses markiert die Grenze. Ich kann es kaum fassen, kein einziges Schild "Achtung, Sie verlassen jetzt Estland" oder "Achtung! EU-Außengrenze"...  oder so ähnlich... in irgendeiner Sprache...! Nein, nichts weißt daraufhin. Ein wenig Stacheldraht und ein kleines Patroullienboot, Bojen in der Mitte des Flusses, sogar Angler stehen am Fluss auf Estnischer Seite... Und wir stehen auch da!...Das Alles wirkt so seltsam!

Nachdenklich spazieren wir am Meer entlang zurück.

Weiter geht es am nächsten Tag schnurstracks bei Sonnenschein die Hauptstraße Richtung Tallinn. Wir haben Zeit, die Sonne scheint und beschließen, von der Hauptroute abzubiegen, um wenigstens auf diese Weise ein wenig mehr vom Land mitzubekommen. Schön lassen sich die kleinen Nebenstraßen durch schöne, kleine Dörfer fahren.

Auch Picknickpause ist wieder machbar! Wir genießen diese Zeit!

In Tallinn haben wir ein Apartment gebucht, dass sich als krasses Gegenteil von Murmansk entpuppt. Purer Luxus! Schon im Treppenhaus - alles ist mit Zahlencode gesichert - werden wir mit Kronleuchter, Orchideen und goldfarben angestrichenen Fahrstuhl empfangen. Alles ist farblich aufeinander abgestimmt - schwarz/goldfarben - im Korridor wie auch innen im Apartment. Die Räumlichkeiten allerdings - daher der günstige Preis - sind überschaubar und das Ganze inklusive Küche und Bad wahrscheinlich nicht größer als 12 qm. Unser Bett ist die Couch, die wir ausklappen müssen, dann kann man vom Bett aus fast zur Kaffeemaschine greifen! JAAAAHA!  Eine echte Kaffeeemaschine haben wir auch! Mit richtigem Filter, frischer Filterkaffee ist auch im Schrank! Wer hätte gedacht, dass wir uns jemals so über eine mikrige Severinkaffeemaschine freuen würden! Seit Wochen haben wir nur löslichen Kaffee oder Tee getrunken (unsere kleine Filterkaffeecampingmaschine war uns auf Dauer zu umständlich!)

Tallinn, Hauptstadt Estlands und Estland, das Kleinste des Baltikums, das erkunden wir kurz. Ein schöne, kleine Altstadt hat es und  viele Touristen, wir hören Sprachen aus aller Herren Länder, vornehmlich Italienisch.... Italienisch?... Hmmmm...

Estland... die Sprache hört sich an wie irgendetwas zwischen Smörebröd und Finnisch oder einfach für uns nur skandinavisch! Mit vielen Umlauten klingen die Stadtteil - und Straßennamenecht  lustig: Müürivahe... Olevimägi...Pikk...Pöhja...

 

Ausgeschlafen fahren am nächsten Morgen nach Lettland. Die Grenze passieren wir - was für eine Wohltat - unkontrolliert. Nur leider ist uns der Wettergott mal wieder nicht wohl gesonnen und genau an der Grenze ergießt sich über uns ein Wolkenbruch. Das geht noch einige Kilometer weiter so, inklusive Wassereinbruch in meine Klamotten! Gefühlsmäßig habe ich da ja Einiges durch und dieses Mal fühlt es sich Dank der milden Temperaturen gar nicht mehr soooo schlimm an! Und zum Glück war es nur ein Wolkenbruch, kurz danach scheint wieder die Sonne und bis Riga kommen wir gut durch.

Unser Hotelzimmer ist nicht besonders erwähnenswert, aber dafür die freundlich natürliche Begrüßung durch das Personal. Als der Inhaber unsere Motorräder sieht, kommen wir ins Gespräch, er betreibt nebenbei eine Motorradwerkstatt... AHA!... Bert fragt nach einem Blinker... und siehe da... Der nette Herr besorgt uns einen, zwar nicht original, aber dafür geschenkt! Was für eine nette Begebenheit! 

Beim kleinen Stadtrundgang wird uns bewusst, macht eine Freiluftaustellung auf den sogen. "Baltischen Weg" aufmerksam. 1989, da waren wir noch mit unserer Deutschen Wiedervereinigung beschäftigt. Von hier aus startete, was wir "friedliche Revolution" nennen würden, statt. Eine Menschenkette, die längste Menschenkette der Geschichte, reichte von Vilnius über Riga bis nach Tallinn, um für die Unabhängigkeit von der Sowjetunion zu demonstrieren. 

Nun sind wir hier in Riga, da wo in Lettland die Menschenkette startete.

Wir sind voll erstaunt über diese liebenswerte Stadt. Ohne jegliche Kenntnis über Sehenswürdigkeiten lassen wir uns einfach treiben. Auch hier gibt es viele Touristen, aber das verläuft sich und es wirkt nicht überlaufen.

Riga, eine Stadt, in die wir gerne noch einmal reisen würden!

 

Den dritten baltischen Staat durchqueren wir leider nur, um an unser letztes Highlight, Kaliningrad, zu kommen.

Eine lange Etappe steht uns bevor. Wir stehen sehr früh auf. Schade, gerne würden wir auch Eindrücke aus Litauen mitnehmen, aber dafür fehlt uns leider Zeit. Wie in allen drei Baltischen Staaten fahren wir auf gut ausgebauter Straße Richtung Klaipeda. Für Motorradfahrer nicht gerade schönste Strecke... Wiese, abgemähtes Feld, ein kleines Waldstück... Wiese, ein abgemähtes Feld, ein kleines Waldstück... Wiese... ein paar Kühe... ein abgemähtes Feld... ein kleines Waldstück...aber wir kommen voran, der Asphalt ist einwandfrei und wir machen Kilometer, schließlich wollen wir heute noch Kaliningrad erreichen. 

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