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Solowetzki Inseln


Solowetzki, Kloster, Gulag und eine Walschlappe


Sehr nachdenklich verlassen wir Murmansk und auf gleicher Straße geht es trüb, so das Wetter, so auch unsere Stimmung, wieder Richtung Süden! Ab jetzt geht es irgendwie auch in Richtung Zuhause...

Es regnet nicht, am Sonntag Morgen ist nichts los und wir kommen zügig raus aus der Stadt und mit jedem gefahrenen Kilometer bessert sich das Wetter, die Sonne kommt mehr und mehr durch, bis wir nur noch blauen Himmel haben. Es tut gut, Sonnenstrahlen zu spüren.

Wir übernachten noch einmal, wie auf dem Hinweg, in Kandalakscha und fahren weiter auf gleicher Straße - bei Sonnenschein sieht doch gleich alles viel besser aus - nach Kem, von wo aus wir mit der Fähre am nächsten Tag zu den bekannten Solowetzki Inseln wollen. Unsere Motorräder lassen wir für 2 Tage in der Hotelanlage stehen.

Solowetzki, ein erneutes Highlight auf unserer Liste!

Punkt 8.00 Uhr morgens startet unsere Fähre Richtung Solowetzki. Eine Traube Menschen steht schon um 7.30 Uhr am Anleger, wir stellen uns an. Eine resolute, gewichtige Dame, vielleicht heißt sie Olga oder Natalia gibt Anweisungen, ganz strikt... Nur wir stehen wieder etwas hilflos in der Menge, wir bekommen aber mit, dass das "Boarding"  System hat: erst Familien mit Kindern, dann Reisegruppen, dann alle anderen und drängeln uns mit rein!

Gespannt stehen wir an der Reling, als die Fähre ablegt, gut 2 Stunden dauert die Überfahrt. Als es uns oben doch zu kalt wird, gehen wir runter in die Kajütte und quetschen uns zu den anderen Passagieren und dösen bis zur Ankunft auf Solovki, so die Abkürzung für die Slowetzki Inseln.

Die Solowetzki Inseln, DIE Inselgruppe im Weißen Meer, ist geschichtsträchtig und für viele  Russen ist der Besuch ein "Muss".  Für uns ist sie doch so unbekannt. Bevor wir unsere Reise geplant haben, haben wir noch nie davon gehört.

Die im 15. Jahrhundert von Mönchen gegründete Klosteranlage wurde in den 20iger Jahren des 20. Jahrhunderts schreckliches Internierungslager, Gulag, für Kritiker des Sowjetsystems. Bis zu 70000 Häftlinge mussten hier unter katastrophalen Bedingungen schreckliche Zwangsarbeit leisten, genaue Todeszahlen gibt es nicht. Was für ein schrecklicher Ort! Quer zur Klosteranlage sieht man noch zugewachsene Reste der Gulaganlage  und ein kleines Museum erinnert daran. Nach 1937 wurde es "normales Gefängnis". Auch eine Kadettenschule war ansässig.

Seit dem Zusammenbruch der SU, wird das Kloster wieder als Solches betrieben und ist für Orthodox Gläubige ist es seither Pilgerort. Etwas über 900 Menschen sollen hier leben.

Wir beziehen erst einmal unser Hotelzimmer. Auch  am Preis merkt man, dass wir uns an einem Touristen Hotspot befinden. 

Der gesamte erste Eindruck wirkt auf uns zunächst nostalgisch und sympatisch. Keine einzige Straße, außer die zum Hafen, die mit alten Ostplatten belegt ist, ist gepflastert. Kühe laufen herum.  Alte Ladas und uralte Ural-Motorräder, an denen unser TÜV seine wahre Freude hätte, diese still zu legen, gemischt mit neuen SUVs und Quads befahren diese. Mönche, Orthodoxe Christen, Wanderer - bepackt mit Rucksäcken, Angeln etc. und "normale" Touris mischen sich auf den staubigen Straßen.  Ein paar Souvenirläden gibt es auch.

Schaut man genauer hin, sieht man dem Verfall Preis gegebene alte Häuser, Sperrmüll und Schrott, einfach in der Landschaft liegen gelassen. Das scheint niemanden zu stören und zwischen dem alten, Verfallenen schauen ein paar neue Häuser hervor.

Wir mieten uns am Hotel 2 "Fahrräder", sie sehen zumindest so aus, aber so gut wie gar nichts funktioniert daran, auch die Bremsen nicht. Aber die Pedalen drehen und so können wir etwas die Landschaft zu erkunden. Wir radeln Richtung Norden bis wir auf` s  Meer treffen. Rau und wunderschön ist hier die unberührte Natur, kein Wunder, dass es hier so viele Rucksacktouristen gibt! Wir genießen die Sonnenstrahlen am späten Nachmittag und freuen uns auf unsere schon lange im Voraus gebuchte,  morgige "Whale-Watching-Tour".  Was für ein Glück wir doch mit dem Wetter haben!

Es soll zum Beluga Kap gehen, wo in den Sommermonaten die weißen Beluga Wale ihre Babies zur Welt bringen. Die Touren mit Schlauchbooten sind schnell ausgebucht. Gut, dass man hier doch auf Naturschutz setzt, denn die Zahl der Touren ist sehr begrenzt...

Als wir freudig am nächsten Morgen die Augen öffnen, gehen unsere Mundwinkel doch gleich wieder runter. Der Himmel ist dunkelgrau zugezogen und es hat in der Nacht geregnet. Die Temperaturen sind auch wieder im Keller, unter 10 Grad! Tja, hier im Norden wechselt das Wetter leider schnell. Aber unsere Walbeobachtungstour ist nicht abgesagt. Wir ziehen zwiebelmäßig alles an, was wir dabei haben und machen uns auf zum Pier. Auf uns wartet ein Schlauchboot, Schwimmwesten mit Regencape, eine noch mit uns fahrende andere vierköpfige Familie und der "KAPITAN", der so rau aussieht wie die See. Nach ein paar harten Anweisungen, die wir Dank Deutsch sprechender eines mitfahrendes Familienmitglied (wir sind bass erstaunt) übersetzt bekommen. Und raus geht es aufs Meer! Es dauert ziemlich lange bis wir das Beluga Kap erreichen und zur Kälte kommt noch Regen dazu. das fühlt sich fast noch blöder an als an Land!

Wir ankern zum Schutz der Wale und hoffen, dass wir ein paar zu Gesicht bekommen! Wir warten und warten und warten und frieren und frieren und frieren! Dann taucht doch in der Ferne ein weißer Kopf auf und noch einer! Wow! Da sind sie! Aber so schnell wie auftauchen, tauchen sie auch wieder unter. So schnell kann ich gar nicht meinen Fotoapparat zücken! Egal, wir haben sie gesehen, wenn auch nur kurz! Während der "KAPITAN" noch Einiges über Wale und Natur erzählt - leider kommt unsere Übersetzerin nicht so schnell mit, verständlich, denn sie will das Erzählte ja auch selbst mit bekommen - warten wir geduldig weiter, aber das soll es gewesen sein. Mehr Wale tauchen leider nicht auf. Es ist schon August, die Wale haben bereits ihre Babies, wollen sie schützen und sind nicht mehr so neugierig.

Wir machen uns wieder auf den Rückweg. Dank des starken Windes scheint das Schlauchboot über die Wellen zu springen und es tut bei jeder Welle einen Schlag in den Rücken! Wir müssen uns richtig fest halten! Als wir durchgefroren und mit Rückenschmerzen aussteigen, bemerke ich, dass meine Jeans an der Seite Komplett nass ist. Die Plane, die über unseren Schößen lag, hat wohl doch nicht dicht gehalten, ich saß am Ende und alle anderen sind trocken geblieben!  Oh man, irgendwie ziehe ich wohl das Wasser an!

leider ist die Jeans die einzige Hose, die ich dabei habe. In einem kleinen Tante Emma laden erstehe ich eine Jogginghose in meiner Größe. Nicht gerade topp modisch, aber dafür trocken bestreite ich den Rest des Tages!

Ein halber Tag bleibt uns noch und wir wollen noch eine kleine Tour per Bus zu einigen Attraktionen der Insel machen und buchen eine Tour  eines Anbieters, auch egal, wenn sie nur in Russisch geführt ist. man ist hier einfach nicht auf Individualtouristen aus dem Ausland eingerichtet. Dann wieder eine Enttäuschung, die Tour findet nicht statt, da die angekündigte Gruppe, die wir uns anschließen sollten, kurzfristig abgesagt hat. Wir wollen einen anderen Anbieter aufsuchen, finden aber keinen! Die Straßen sind nun nicht mehr staubig sondern matschig. Wir schauen uns noch die Klosteranlage an, die gestern bei Sonnenschein natürlich viel besser aussah und besuchen das kleine Gulag- Museum. Aufgrund des schlechten Wetters, suchen wir aber nach kurzer Zeit ein Cafe auf, um uns aufzuwärmen und drücken uns bis zur Abfahrt der Fähre dort rum. Wir lernen Gabi und Peter aus Österreich kennen, die auch ihre Zeit im Cafe tot schlagen. Sie sind mit einem Wohnmobil unterwegs und wir führen interessante Gespräche. Als wir das Cafe verlassen hat es zum Glück aufgehört zu regnen, so dass wir trockenen Fußes die Fähre betreten. Als wir die Insel verlassen, blicken wir bei der Abfahrt etwas traurig auf die Klosteranlage.

 

So schade... Solowetzki-Inseln, leider kein Highlight für uns!... Nicht nur wegen des Wetters!...

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Kommentare: 2
  • #1

    Bella Bionda (Freitag, 16 August 2019 21:22)



    Die Jogginghose will ich sehen...
    Stronzies �

  • #2

    Christian Hammann (Sonntag, 18 August 2019 17:41)

    Da bin ich aber froh das die Fahrt mit den Rädern auch ohne Bremse gut gegangen ist. Tolle Bilder die Ihr macht...Chrischaaan