· 

Murmansk



Murmansk... nicht schön, aber faszinierend


Nachdem wir alle Blessuren beseitigt haben, kommen wir am späten Vormittag los.

Murmansk ist zum Glück nicht so weit und als wir uns in Bewegung setzen, scheint sogar die Sonne und es ist sogar etwas warm. Wir durchfahren eine wunderschöne Seenlandschaft, erfreuen uns an der gut ausgebauten Straße und dem schönen Wetter. Wir streifen die Stadt Montschegorsk. Unser Bild von der schönen Landschaft wird durch hässlich große Industrieanlagen und rauchende Schlote, getrübt. Einst "Hölle des Nordens" zu Sowjetzeiten bezeichnet, blasen noch immer die Nickelverarbeitenden Industrien eine Menge Schwefeldioxid in den Himmel, so lesen wir später in einem Artikel im Handelsblatt, zwar vom Jahr 2008, aber das ist heute bestimmt noch aktuell. Das, was wir erst als Wolken wahr nehmen, entpuppt sich als dicke Rauchschwaden. Das kann man nicht nur sehen sondern auch riechen.

Wir fahren schnell weiter und wie soll es anders kommen, es beginnt zu nieseln und wird immer kälter. Zum Glück haben wir nur noch ca. 50 km, also weniger als eine Stunde und das lässt sich aushalten!

MURMANSK, unser großes Endziel, weiter nördlich geht es nicht mehr. Das Gefühl ist unbeschreiblich, als wir diese Stadt erreichen! Wir können es kaum fassen, dass wir es überhaupt bis hierher geschafft haben.

Hier haben wir ein privates Apartment gemietet und das heißt es erst mal zu finden.  Das ist nicht so wie bei uns: Straße und Hausnummer, die meistens gut sichtbar zu finden sind.... Hier ist alles so versteckt, Eingangstüren zu Wohnblocks nimmt man kaum wahr oder sie befinden sich in Hinterhöfen. Unsere Navis sagen: "Ziel erreicht" (übrigens seit wir über Handy mit Google maps navigieren, ist es genauer als mit den Navis vom letzten Jahr, die uns ständig ungenau woanders führten.) Wir stehen vor einem türkisfarbenen großen Haus, wissen nicht so Recht, wohin, und kontaktieren telefonisch den Vermieter. Der kommt prompt um die Ecke und führt uns durch einen... Hausflur...unbeschreiblich... so würde niemand bei uns, nicht einmal im Entferntesten wohnen! Kabel und Verteilerkästen liegen lose, der Putz bröckelt, die Stufen kaputt, man muss schauen, wo man hin tritt, das Licht funktioniert auch nicht und es müffelt wie verrückt! Die Wohnung im Inneren ist groß und scheint sauber zu sein. Wir bezahlen und erhalten den Schlüssel. Der Vermieter rauscht ab.

Wir sind alleine, kein Hotelzimmer, wir können uns ausbreiten, freuen wir uns zunächst. Eine Küche haben wir auch, aber kaum Geschirr, 3 Teller, 4 Tassen, 2 Gläser, ein wenig Besteck, ein Topf und eine Pfanne. Naja, wir wollen ja hier nicht großartig kochen und geben uns zufrieden. Diese Wohnung ist halt nicht so ausgerüstet wie eine Ferienwohnung bei uns. Die Betten sind frisch bezogen und 2 Duschhandtücher gibt es auch. Auch eine Waschmaschine haben wir! Das Bad allerdings, das müffelt wie Pest! Was soll´``` s, wir machen mal wieder das Beste draus!

Dann bemerken wir nach kurzer Zeit, dass es hier drinnen lausig kalt ist, die Heizung funktioniert nicht. Wir finden zum Glück hinterm Kleiderschrank einen kleinen Radiator, den wir fortan mit in jedes Zimmer nehmen, wo wir uns aufhalten. So richtig mit Wärme erfüllt er diese Ferienwohnung natürlich nicht! Brrr, drinnen ist fast so kalt wie draußen!

Aber das Apartment liegt zentral und wir machen einen kleinen, ersten Spaziergang. Die Stadt wirkt trist und der verhangene, dunkelgraue Himmel tut Seins dazu. Auch die wenigen türkis angestrichenen Häuserblöcke helfen nicht über dieses traurige Stadtbild hinweg.

Gegenüber von unserem Haus steht Lenin, der auch etwas hilflos mit erhobener Hand und einigem Vogeldreck auf dem Kopf stumm da steht! Er scheint uns zuzublinzeln und mit den Achseln zu zucken!

In der Ferne erkennt man die vielen Plattenbauten und die Kräne des Hafens. Die meisten Häuser sind verrottet und sehen wohl auch Innen so aus, wie das Unsere. Viele Nebenstraßen sind marode.

Wie leben die Menschen bloß hier? Die, denen wir auf der Straße begegnen, wirken wie du und ich. Wir haben ja Polartag, wie ist es in der Polarnacht, wo es auch am Tag nicht hell wird und die Temperaturen weit unter den Nullpunkt sinken ?...Zu gerne würde ich einige dieser Menschen interviewen...

Murmansk  wurde erst 1916 gegründet, hat etwas mehr als 300000 Einwohner und der bedeutende Hafen bleibt durch Ausläufer des Golfstroms auch im Winter eisfrei. Er ist Stützpunkt der Nordflotte.

Bis 1991 war Murmansk eine geschlossene Stadt und kein Fremder durfte sie betreten. 

Wir besuchen das Museumsschiff "Lenin", den ersten Atomeisbrecher der Welt, 1957 erbaut und 1989 außer Dienst gestellt. Die Führung ist natürlich nur auf russisch, aber interessant ist es auf jeden Fall und wir lesen später viel nach.

Später nehmen wir uns ein Taxi ( für umgerechnet 5,-  hin und zurück!), dass uns zum bekannten Aljoscha Monument bringt, 35 m hoch, wirkt er gigantisch, der Wächter der sowjetischen Arktis. Man hat nicht nur einen gigantischen Blick auf das Monument sondern auch auf die Stadt, die Aljoscha zu Füßen liegt.

Der Taxifahrer bringt uns auch zu einer, einem Leuchtturm nach empfundenen Gedenkstätte, zu Ehren verstorbener Seeleute, unter anderem auch denen der Opfer des 2000 gesunkenen Atom-Ubootes Kursk.

Um unseren Sightseeing Tag zu vervollkommnen, wollen wir noch ein Museum besuchen, um Einiges mehr zu erfahren, das Museum zur lokalen Geschichte und Kultur ... Diesen Besuch hätten wir uns allerdings sparen können.  Ein winziger Raum zeigt ein paar Exponate und Trachten von den Ureinwohnern, den Samen, das war` s . Nicht gerade aufschlussreich und exorbitant teuer, der Eintrittspreis.

Unseren Abend in Murmansk wollen wir mit einem guten Essen abrunden, aber bitte keine Boulette ;-) ! Die Auswahl an Restaurants ist nicht gerade groß und wir kehren in eine von außen eher nüchtern wirkenden "Pizzeria" ein, die sich echt als Glücksgriff erweist. Innen ist alles gemütlich eingerichtet und ein gut englisch sprechender Kellner berät uns in Sachen Essen und Trinken. Wir bestellen echtes Murmansker Bier und Rentiersteaks mit Pfifferlingen. Beides schmeckt echt lecker und diesmal ein echtes kulinarisches Highlight!

 

Dann findet es doch statt, unser Treffen mit Stefan! Stefan hatten wir ja letztes Jahr auf der Fähre von Batumi nach Burgas kennen gelernt, da war er mit dem Fahrrad im Kaukasus unterwegs. Wir blieben in Kontrakt, dieses Jahr will er von Hammerfest Richtung Minsk und genau zu dem Zeitpunkt in Murmansk eintreffen wie wir. Unser Plan schon in Deutschland: Wir treffen uns in Murmansk! Leider hat er Probleme an der Russischen Grenze und ist 2 Tage in Verzögerung. Aber es soll doch noch klappen. Zwar nur kurz, aber wir treffen uns tatsächlich in Murmansk in unserem tollen Apartment! Stefan aus Dresden und wir, ein paar gemeinsame Stunden! Er hat für 2 Tage ein Hostel gebucht und wir tauschen Erfahrungen aus. Alles Gute Stefan, pass auf dich auf, bei deiner anstrengenden Fahrradtour!

 

Wir schlafen aus in unserem Luxusapartment. Ab Morgen geht alles nur noch wieder südwärts.

 

Das soll es gewesen sein... Murmansk!

Ein ganz großes Highlight, das uns nachdenklich stimmt! Wir sind dankbar, dass wir diese Stadt besuchen konnten!

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    Heidrun (Montag, 12 August 2019 12:00)

    Grimbergen, war übrigens immer das 1. was meine Mutter in Belgien/Holland zu sich nahm...hatten wir in den Strandbuden der Nordsee viel Spaß mit...