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Kasan - Wologda



Susdal, der Goldene Ring und andere Begebenheiten

Die dicken, dunkelgrauen Regenwolken hängen immer noch über der Stadt Kasan, als wir sie Richtung Nischni Novgorod verlassen. Wir fahren auf der M7, die Ufa im Ural mit Moskau verbindet. Dementsprechend sind viele LKWs unterwegs. Die Strecke soll besser ausgebaut zu werden, dementsprechend gibt es viele Baustellen und wir kommen bei dem Schietwetter auch nur mäßig voran. Das dreckige Spritzwasser der LKWs, Spurrillen und schlechte Straßenzustände tun ihr Übriges. Wir machen einige Pausen und zwischendurch hört es sogar auf zu Regnen. Die Millionenstadt Nischni Novgorod erreichen wir leider ziemlich spät aber dafür trocken. Unser Hotel ist nicht besonders, etwas miefig, aber sauber und zum Schlafen reicht es. Trotzdem machen wir noch einen kurzen Spaziergang bei viel zu kalten Temperaturen zum Kreml und essen lecker zu Abend in einer Seitenstraße.

 

Weiter geht es am nächsten Tag Richtung Susdal, unserem nächsten Highlight. Zum Glück bleiben wir auf der Fahrt, bis auf ein/zwei größere Güsse, wo wir uns unterstellen können, trocken. Die Etappe ist recht kurz, die Straße vierspurig und gut befahrbar, so dass wir schon am frühen Nachmittag ankommen. Unser Hotelzimmer ist  neu und gemütlich eingerichtet. So können wir noch einiges von der kleinen Stadt sehen. Sie gehört zum goldenen Ring, das sind altrussische Städte nordöstlich von Moskau. Susdal soll die Schönste davon sein und  zählt zu den am meist Besuchtesten in ganz Russland. Unzählige Kirchen und Klöster befinden sich hier. Die Sonne scheint, die Zwiebeltürme glänzen und alte Holzhäuser, teils gut restauriert,teils nicht, säumen die Straßen. Schöne mit bunten Blumen geschmückte Vorgärten machen das Gesamtbild aber sehr freundlich. Wir fühlen uns sehr wohl. Leider ist die Zeit mal wieder viel zu knapp. Ich wäre gerne länger hier. Susdal  ist ganz klar ein Highlight, dass wir ohne den Rhein-Wolga- Kanal verpasst hätten... DANKE ! Sonst wären wir glatt vorbei gefahren!

 

Fürs Abendessen wählen wir  das "Restaurant" im Hotel. Ein Plakat am Eingang haben wir vorher gelesen: "We offer delicious homemade meal". Das klingt viel versprechend! Das Ambiente, naja, ist sehr nüchtern und kühl und wirkt leider wie eine Kantine. Eine Speisekarte im üblichen Sinne gibt es nicht, eine paar Speisen nur in kyrillisch. Aber das muss ja nichts heißen! Wir sind experimentierfreudig und probieren gern einheimische Speisen!. Lust nochmal in ein anderes Lokal aufzubrechen, haben wir ohnehin nicht. Wir können sogar Einiges entziffern und bestellen "Koteleti mit Kartoffeln und Gemüse". Kotteleti, das wissen wir, sind nicht Kotelettes wie wir sie kennen sondern Russische Bouletten.

Unser Gourmet-Menü sieht wie folgt aus: Das Gemüse besteht aus einem kleinen Schälchen Gurken, Paprika und Tomaten, unangemacht, also komplett ungewürzt, wir nennen es Salat. Zum Glück können wir ihn mit Salz und Pfeffer vom Tisch verfeinern. Die Kartoffeln kommen in Form von einem großen Klecks Kartoffelbrei, vermutlich Tütenkartoffelbrei, über den das Topping aus einem kleinen Stängel Dill auch nicht hinweg täuscht. Das Koteleti, also die Boulette als Krönung, entpuppt sich als irgendetwas zwischen Hühnchenfleisch und Fisch! Undefinierbar, wir finden es nicht raus!  Ein kulinarisches Highlight ohne Gleichen, haha, der Hunger treibt es uns rein! Die Rechnung ist auch die Krönung... überdimensional teuer! Unser Prädikat: "Schlechtestes Essen der ganzen Reise!"... Dicht gefolgt vom Hirschsteak in den Alpen!

 

Wir verlassen bei kalten Temparaturen, aber trocken diese schöne Stadt und fahren Richtung Norden. Die nächsten Etappen sind größer, da die Auswahl an Hotels bis Murmansk nicht gerade groß ist. Unser Etappenziel ist wiederum eine Provinzstadt namens Wologda. Sie ist Kreissatadt und mit über 300000 Einwohner gar nicht so klein. Bis dahin quälen wir uns über die Straßen mit viel Regen oder mit wenig Regen, kurze trockene Perioden erfreuen uns, manchmal sehen wir sogar ein wenig blauen Himmel. Bei kalten 7 Grad, wohl gemerkt "+" ... ;-)  und schrecklichem Nieselregen erreichen wir Wologda... Übrigens die Durchschnittstemperaturen betragen hier im August zwischen 21 und 11 Grad, also ist es ziemlich kalt für die Jahreszeit!

Unser Zimmer erfüllt seinen Zweck, wir laufen kurz im Regen durch die Stadt und kehren in einem Restaurant ein , bei Google als  "Bar and Grill" bezeichnet, von innen wie eine gemütliche Kellerkneipe und Sportsbar. Wir essen "Chicken Wings und Cesars Salad", trinken tschechisches Bier, im Fernseher läuft - rundum auf vielen Monitoren - ein Championsleague-Spiel : Liverpool gegen Manchester City, die Sprache ist stumm geschaltet und aus Lautsprechern klingt "ELO und Roxy Music". Wir fühlen uns aber trotzdem nicht unwohl, das Essen schmeckt, die Musik ist unser Geschmack und die Bedienung ist sehr nett! Wir befinden uns in einem Restaurant in Russland, 450 km nördlich von Moskau! Alles fühlt sich sehr seltsam an!


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Kommentare: 1
  • #1

    Heidrun (Montag, 05 August 2019 23:34)

    Die Frikadelle ist der Knaller�