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Doboj (BIH) - Ljubimez (BG)


Über den wilden Balkan, der gar nicht so wild ist!


Wir haben Glück, die Regenwolken vom Vorabend sind vorbei gezogen und wir verlassen Doboj bei Sonnenschein Richtung der Industriestadt Tuzla, die im Bosnienkrieg traurige Bekanntheit erhielt. Vorbei an hässlichen, veralteten, aber immer noch betriebenen Industrieanlagen und Kohlebergbau durchqueren wir diese Stadt und fahren dann weiter durch schönere Landschaften. Der Weg führt uns entlang eines Flüsschens namens Drina, und hier überqueren diesen als Grenze zwischen Bosnien und Serbien. Ganz entspannt und ohne Warten passieren wir diese auf einer alten, baufälligen Brücke. Die Grenzbeamten sind genauso entspannt wie wir! So manchen Grenzer könnte man hier mal in die Lehre schicken!

Unser Ziel ist Cacak, Zentralserbien südlich von Belgrad. Am Rande der Stadt in einem kleinen Industriegebiet übernachten wir in einem Businesshotel. Eigentlich nicht besonders nennenswert, aber im hoteleigenen Restaurant bestellen wir typisch serbisches Essen, Cevapi (so heißen hier die klassischen Hackfleischröllchen) mit Kajmak, einer auf dem Balkan und in östlichen Ländern bekannten "Doppelsahne" aus Kuh, Schaf- oder Ziegenmilch... Es ist sooo mächtig, schmeckt aber wahnsinnig gut!

Auch hier schüttet es in der Nacht unwetterartig. Am nächsten Morgen nieselt es noch und wir befürchten einen Regentag, so verhangen ist der Himmel rundum. Aber kaum haben wir das Gepäck aufgeladen und fahren los, hört es auf. So soll es den ganzen Tag bleiben, die Temperaturen sind angenehm und wir bleiben trocken. Über kleine und etwas größere Straßen geht es Richtung Dimitrovgrad an der bulgarischen Grenze. So haben wir Serbien einmal von Nordwest nach Südost durchquert. Hotel Happy... na, schaun wir mal... Alles bestens, wir sind wirklich happy, denn wir bekommen ein großes Zimmer, essen lecker und unterhalten uns mit einem israelischen Paar, dass auf Balkantour mit einer Honda Transalp ist.

Es regnet schon wieder die ganze Nacht, als wir am nächsten Morgen Richtung Bulgarien aufbrechen, hat es zum Glück auch wieder aufgehört, es ist bedeckt, aber die Temperaturen sind wieder äußerst angenehm. Den großen Grenzübergang kennen wir schon vom letzten Jahr. Es dauert ein wenig, da viel Verkehr Richtung Türkei unterwegs ist, wieder mit türkisch stämmigen Menschen aus aller Herren Länder Europas. Wir fahren Autobahn, da wir eine längere Etappe haben, fahren aber bei Plovdiv runter und auf einer teils gut teils hoppeligen Landstraße geht es Richtung Bulgariens Südosten. Unser Ziel Hotel Fantasy in Ljubimez, einem Ort ca, 30 km von der türkischen Grenze entfernt. Haha, von Hotel Happy zu Hotel Fantasy...

Gespenstisch wirken die Orte, die wir durchqueren, viel Verfallenes und kaum Verkehr. So auch typisch dieser Ort, etwas runter gekommen mit Plattenbauten, kleiner Fußgängerzone aber für uns total sympatisch! Das kommt uns von unserer Donautour bekannt vor.

Und da haben wir es dann wieder, das Balkanfeeling: auf den den Straßen vereinen sich sämtliche Gerüche des Balkans, hie und da werden Gartenabfälle und Strauchwerk verbrannt und die Rauchschwaden ziehen übers Land, dort riecht man Zigarettenrauch und in einem  Dörfchen wird ein Riesenspanferkel am Spieß gedreht, auch Misthaufengeruch ist oft zu vernehmen, alte Dieselautos geben ihre eigene Note dazu.

Ein Picknick am Wegesrand und wir fühlen uns frei!

Schaut man in die Autos, scheint jeder während der Fahrt sein Handy am Ohr zu haben und wichtige Gespräche zu führen.

Und da sind sie auch wieder, diese kleinen Begegnungen. Während wir an der Grenze unsere Pässe bei einem kurzen Halt zusammenpacken, hält ein Auto neben uns und ein Mann versucht aus dem Wagen heraus ein Gespräch in gebrochenem Deutsch mit uns anzufangen. Er war schon mal in Deutschland, für ein halbes Jahr, es hat ihm super gefallen. Serbien ist ja ein schönes Reiseland! Wo wir denn hin wollen? Gute Fahrt und alles Gute!...

An einem Obst- und Gemüsestand wollen wir 2 Tomaten und ein paar Pfirsiche kaufen, als wir unsere Geldbörse zücken, gibt der Verkäufer zu verstehen, er will kein Geld! Aber ein Foto mit unseren Motorrädern, das wäre toll! Er begutachtet unsere Maschinen, Daumen hoch und Shakehands, ein breites Lachen und Winken bei der Abfahrt gibt es auch gratis dazu!...

An einer roten Ampel wird am Auto neben uns das Fenster runtergekurbelt. Wo wollen wir hin, woher kommen wir? Die Ampel wird grün, Achselzucken, Lachen, Winken und Lichthupe sehen wir im Rückspiegel.

Natürlich ist nicht alles so schön ... In jedem Restaurant darf geraucht werden und gequalmt wird, was das Zeug hält. Musik dudelt, in jeder Ecke steht oder hängt ein Lautsprecher. Dazu ein Riesenfernseher und da ja Musik spielt, braucht man zur Balkantalkshow keinen Ton!... Das nervt! Russland ist ja noch fern, aber ich freue mich jetzt schon auf die Beschallung mit Russenpop ;-)

Morgen geht es aber erstmal in die Türkei! Sehr gespannt sind wir, was uns dort erwartet. Türkei mit dem Motorrad, eine große Unbekannte auf unserer Reisekarte...

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