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Oberg - Doboj (BIH)


Die ersten Kilometer einer sehr langen Reise....


1836 Kilometer, ein paar Länder und Begegnungen liegen schon mal hinter uns. Wir sind in Bosnien-Herzegowina. Anstatt in Kroatien zu übernachten, haben wir umgebucht, um auch dieses Land einmal kurz kennen zu lernen.

Entspannt sind wir bei paarundzwanzig Grad von unserem niedersächsischen Zuhause los gefahren.

Doch nicht so ganz entspannt, die Köpfe mit Gedanken voll. Losgefahren ins Ungewisse, ins Abenteuerliche. Fast 8 Wochen werden wir weg sein!

Die erste kurze Etappe führt uns nach Alsfeld mit einer malerischen, kleinen Altstadt, wo wir alte, liebe Freunde das erste Mal nach 19 Jahren wieder treffen, was für ein schöner Abend!

Dann ein paar musikerfüllte, glückliche Tage mit unserem Sohn in Mannheim, der sein Bachelor Musikstudium mit einem Konzert abschloss... 

- Wenn da nicht ein bitterer Beigeschmack wäre: In Mannheim nächtigen wir meistens in kleinen Pensionen (unser Sohn bewohnt eine kleine Wohnung. Große, bezahlbare Wohnungen sind in Großstädten bekanntlicherweise Mangelware)... Je nach Verfügbarkeit, wechseln wir. Dieses Mal buchten wir ein uns unbekanntes Hotel. Unsere Motorräder parken wir direkt davor auf öffentlicher Straße. Und? ... Am nächsten Morgen ist mein kleiner Tankrucksack geklaut! Nicht, dass ich traurig drum bin... Wertsachen nehme ich selbstverständlich wie jeder normale Mensch immer mit. Vor allem kann niemand weder mit dem Rucksack an sich noch mit Inhalt etwas anfangen, ein Päckchen Tempotaschentücher, ein Kugelschreiber, Desinfektionstücher, Wert ca 1 Euro.... Sehr ärgerlich allerdings ist, dass sich darin auch mein kleiner Weggefährte und Talismann, die Plakette eines St. Christopherus, befand, ein Geschenk von unseren Freunden zur letzten Tour. Ich bin sehr traurig. Aber wir sind ja mit mehreren Glücksbringern ausgestattet worden, ich bin normalerweise absolut nicht abergläubisch, aber das ist mir trotzdem wichtig!... Danke Bärbel und Danke Christian...

Und nicht, dass nur der kleine Tankrucksack weg ist (den haben wir gleich im nahen Motorradhandel ersetzen können), die Kleinkriminellen haben auch noch versucht, meine am Motorrad befestigten und abgeschlossenen Koffer aufzubrechen. Mit Schraubenzieher oder Ähnlichen gingen sie ans Werk. Jetzt sind ganz schöne Dellen, fast Löcher drin. Die guten BMW Alukoffer scheinen zum Glück Einiges auszuhalten. Auch hier wäre die Ausbeute in Form von Ersatzklamotten nicht gerade hochwertig gewesen. Keine Ahnung, warum Menschen so etwas tun... 

 

Nach dem Motto " wenn es weiter nix ist", beginnt hier unsere eigentliche Reise :

Nach einer Übernachtung in der Nähe von Günzburg, geht es nach Österreich. Bei Kössen übernachten wir in einem kleinen Alpengasthof, wo wir vermutlich und hoffentlich das letzte schlechteste Essen der Tour einnehmen. Hirschschnitzel mit Knödel, mmmh,  das klingt echt gut... Der Hirsch allerdings war wahrscheinlich vom Großvater der Wirtin geschossen, so zäh war der! Dazu eine geschmacklose weiße Pamssosse, Klöße zwar riesengroß, aber wie Gummi und Kitt, fast ungenießbar. Der Hunger treibt fast die Hälfte davon trotzdem in unsere Mägen. 

Dafür kommen wir mit 2 österreichischen Wanderern und Peter, einem GS-Fahrer aus Friesland, ins Gespräch und verbringen einen netten und unterhaltsamen Abend.

Über Alpenpässe wie Pass Thurn und dem Wurzenpass sowie Superwetter geht es weiter für eine Übernachtung nach Slowenien, wenig von dem Land mitbekommendend, machen wir Kilometer, die meisten davon auf einer leeren Autobahn. Das Land wirkt auf den ersten Eindruck und leider Einzigen sehr sauber und freundlich. Dann über Kroatien nach Bosnien-Herzegowina. Die EU-Außengrenze ist schnell überwunden, 2x in den Pass schauen von üblich unfreundlichen Grenzern und grüne Versicherungskarte vorzeigen, das ist alles! Hier waren wir noch nie. Es ist wahnsinnig heiß und schwül, wir schwitzen und ölen in unserer Montur! Es geht über Land, dem Fluss Save folgend, dann Richtung Süden bis in die Region Doboj. Der Verkehr ist hier absolut gemäßigt, hier hält sich jeder Autofahrer an die Geschwindigkeitsbegrenzungen, in Ortschaften an strickte 50km/h und keinen Kilometer schneller, lieber ein wenig langsamer! Jeder scheint nach Vorschrift zu fahren. Wir kommen zwar nicht schnell, aber dafür entspannt voran. Dicke Wolken bauen sich auf und es sieht mächtig nach Gewitter aus. Was für ein Glück wir aber haben! Kaum angekommen in einem ruhigen Motel im Grünen unweit von Tuzla, schüttet es wie aus Eimern.

Dieses Land mit Hauptstadt Sarajevo ist uns noch bekannt durch den Bosnienkrieg Anfang/Mitte der 90iger Jahre. Gut, dass wir hier sind, denn ich lese noch einmal nach... Bosnienkrieg: 1992 - 1995, der grausamste Krieg in Europa seit dem 2. Weltkrieg mit über 100.000 Toten und mehr als 2.000.000 Vertriebenen, über 700.000 flüchteten nach Deutschland, wovon mehr als die Hälfte bereits zurück gekehrt ist. Es wundert uns also nicht, dass wir keine Sprachbarrieren haben. In unserem Hotel empfängt man uns uns in akzentfreiem Deutsch. Der Kellner erzählt uns seine Geschichte: Im Kindergartenalter als Flüchtlingskind in München gelandet und aufgewachsen, geht er mit seinen Eltern als Jugendlicher zurück, die Deutsche Sprache besser sprechend als die Muttersprache, die er erst hier wieder richtig lernen muss! Er vermisst Deutschland ... Was für eine Geschichte!

 

Gedanklich zwar oft Zuhause und bei unseren Jungs, befinden wir uns wieder im Reisemodus und mit jedem Kilometer lassen wir mehr los...

 

Morgen brechen wir auf Richtung Serbien...