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Astrachan


Ein Hauch von Orient


Wolgograd verlassen wir in südlicher Richtung, es sind noch 450 km bis Astrachen Nahe dem Delta am Kaspischen Meer.

Da haben wir ihn, den Großstadtverkehr in Wolgograd! Schon am Morgen ist es ziemlich warm und jede Ampel scheint rot zu sein. Die Stadt zieht sich, für die 30 km brauchen wir eine gute Stunde bis wir raus sind. Gut, dass wir unser Etappenziel bei gut der Hälfte bei dem kleinen Ort Vetlyanka gewählt haben. Am Stadtrand wird es immer hässlicher. Eine Industrieanlage reiht sich an die Andere, wir können nicht erkennen, ob all die Anlagen noch in Betrieb sind oder ob es sich um Brachen handelt. Die Wolga ist zwar neben uns, man kann sie aber von der Straße aus nicht erkennen. Schade, der Fluss kann ja nichts dazu, dass die Menschen ihn so hässlich zugebaut haben!

Mit dem Ende der Stadt ändert sich auch die Landschaft. Es wird zunehmend steppenartig, trocken und karg. Die wenigen Orte, durch die wir kommen, sind auch alles andere als schön.

Während wir so dahin fahren, überholt uns eine BMW aus Griechenland. Schön, andere Motorradfahrer zu sehen! Wir fahren ein Stück gemeinsam des Weges und machen kurz Pause an einer Tankstelle. George und Elisabeth aus Athen sind auf dem Weg nach Grosny und haben ihre Strecke entlang des kaspischen Meeres gewählt. Wir tauschen Erfahrungen aus, sie erlebten Ähnliches an der Russischen Grenze. Sie fahren durch bis Astrachan, wir machen Halt in Vetlyanka. Der Ort ist dorfähnlich und wir finden die kleine Hotelanlage gleich auf Anhieb, die bei Anglern sehr beliebt ist. Die Wolga scheint sehr fischreich zu sein, wir beobachten, wie die Boote mit großem Fang zurückkommen! Wir entspannen und lassen den Abend mit Blick auf einen wahnsinnsklaren Sternenhimmel über der Wolga ausklingen. Das sind so Momente...!!!

 

Am nächsten Morgen brechen wir ausgeruht auf, noch 200 km bis Astrachan. Die Straße lässt sich super fahren, wir kämpfen aber leider mit starkem, sehr warmen Seitenwind! Es fühlt sich an, als wenn man einen Fön ins Gesicht gehalten bekommt! Abseits machen wir eine kurze Trinkpause und werden mit einem tollen Blick auf die "dicke" Wolga belohnt. Eine weidende Schafherde am Fuße und wilde Camper bieten eine Augenweide!

 

In Astrachan kommen wir schon mittags an, müssen kurz auf unser Zimmer warten. Zur Überbrückung bietet man uns ein Getränk und einen kleinen Salat zur Überbrückung an. Auch hier wollen wir einen Tag länger bleiben. 

Das Übliche: Duschen, kurz ruhen und ab in die Stadt. Mit 500000 Einwohner ist sie nicht ganz klein. Eine Stadt mit einem extremen Klima, Temperaturen im Sommer bis zu 40 Grad (das erfahren wir gerade!) und im Winter kann es bis Minus 30 Grad werden. Sie liegt im Schnitt ca. 30m unter dem Meeresspiegel. Auch 6 Moscheen gibt es, so lesen wir. Die Stadt wirkt leicht orientalisch, das gefällt uns gut! Die Innenstadt ist sympatisch, Plattenbauten sehen wir wenige. Eine Leninstatue darf natürlich auch nicht fehlen! Und es gibt eine Wolgapromenade. Mit einem schönen Sonnenuntergang und üblich deftigem Essen (an einen Wolgafisch wollen wir uns vielleicht Morgen trauen!) beenden wir den Tag.

 

Am nächsten Vormittag besuchen wir den Kreml mit einer irren Kirche, die wir auch von innen bewundern. Kreml bedeutet übrigens: Zitadelle oder Festung in russischen Städten. Wir spazieren durch die Stadt, die Parkanlagen sind schön sauber, grün und mit bunten Blumenrabatten. Straßencafes sehen wir keine, wie auch sonst kaum in den Orten, wo wir waren. Aber ein Eis am Stiel auf einer Parkbank ist fast genauso schön! Wir beobachten die Menschen und schauen in unterschiedliche Gesichter mit mongolischen, orientalischen und europäischen Einschlag! Nur Abseits der Hauptstraßen sollte man sich nicht umsehen! ... Doch sollte man!... Wir sehen sehr viele verfallene, vergammelte und verrottete Häuser mit Fenstern aus Einfachverglasung, hinter denen Menschen leben. Die Fassaden sind meist aus Holz und die Innenhöfe genauso gammelig und verfallen. Rostige und alte Autos gibt es auch zu Hauf, aber auch viele neue, teure SUVs, wer fährt die denn bloß? Wir kommen ins Grübeln und hätten zu gern wir mal gewusst, wie eine russische Ottonormalverbraucherfamilie so in Russland lebt! Wie mögen wohl unsere "Bekanntschaften" aus Murmansk uns Sibirien wohnen, arbeiten, leben?

Wir gehen vor dem Abend nochmal zurück ins Hotel. Bert hat seit Tagen leichte Probleme mit seiner Maschine, beim Fahren ist Schrappen zu hören... Kette?...Er bastelt und schraubt, während ich Blog schreibe. Das Problem sind hoffentlich nur die hinteren Bremsbeläge, was nicht so schlimm wäre... Hmmmm! So ein Problem können wir gerade nicht gebrauchen!...

 

Abends gehen wir wieder zur Wolgapromenade, haben gesehen, dass es Ausflugsfahrten mit Essen gibt. Wie schön, dann kann man doch mal Wolgafisch probieren! Wir kaufen 2 Karten für die 20.00 Uhr-Fahrt. Beim Eingang treffen wir auf ein junges Pärchen, die uns helfend mit etwas Englisch unterstützen und wir setzen uns gleich an einen Tisch des Dampfers. Speisekarten liegen aus und es geht los, dem Sonnenuntergang entgegen! Ilya und Katrin, so heißen die jungen Leute und sind vermutlich im Alter unserer Jungs.Sie helfen uns beim Lesen der Speisekarte. Wir bestellen Wobla (so heißt der einheimische Fisch). Erstmal nur eine Portion zum Testen! Der soll zu Bier lecker sein...! Ilya ist es etwas peinlich, uns ihn empfohlen zu haben... "Sonst ist der Wobla viel größer "!  Und zeigt mit den Händen...Naja... auch bei uns kann man kulinarische Highlights auf einem Ausflugsdampfer nicht erwarten! ... Wir knabbern höflich zu zweit an dem Orginal Astrachanischen Wobla rum... klein, vertrocknet (ja, eigentlich getrocknet, aber in diesem Fall vertrocknet!) und versalzen. Gut, dass wir nur einen bestellt haben, denn besonders lecker ist er wirklich nicht! Hunger haben wir trotzdem noch und bestellen diesmal lieber Pizza (eindeutig TK mit wenig Belag). Egal, wir sind genügsam! Währenddessen kommen wir mit Katrin und Ilya ins Gespräch, erfahren allerhand Persönliches  und verpassen fast den Sonnenuntergang auf der Wolga! Danke Katrin und Ilya! Total sympatisch, die beiden!

Beim Abendausklang auf unserem Balkon "sprechen" wir noch mit dem Wobla... auch in der Nacht... aber zum Glück scheinen unsere Mägen und Gedärme sehr robust zu sein! Sie haben bisher alles unbeschadet vertragen!

 

Morgen dann, setzen wir unsere Reise fort. Wir wollen nach Elista, der gut 300km entfernten Hauptstadt der Kalmücken! Eine Fernsehreportage hat uns inspiriert diese buddhistisch geprägte Region auch zu besuchen. Es soll ein Highlight unserer Reise werden.

 

Leider haben mich die fiesen Wolgamücken trotz Autan zerstochen und mein rechter Fuß ist ballonartig angeschwollen und doppelt so dick wie der Linke...viel Spaß beim Motorradstiefel anziehen Morgen!


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