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Wolgograd


Hitze und Geschichte!


Wolgograd, das ehemalige Stalingrad, so ein geschichtsträchtiger Ort! Da wo der 2. Weltkrieg mit am schmerzvollsten war und 1942 seine Wendung erreichte. Die Schlacht um Stalingrad, die mit der Vernichtung und Zerschlagung der 6. Armee unter  Generaloberst Paulus (der übrigens bis zu seinem Tod 1957 in der DDR lebte) durch die Sowjetarmee endete. Über 700 000 Menschen, in Worten siebenhunderttausend!!!, kamen hier ums Leben, die meisten davon Soldaten der Roten Armee.

Nicht im Geringsten können wir uns die schreckliche Szenerie dieser Schlacht und dieses Krieges vorstellen!

Von den Sowjets wurde sie als Heldenstadt bezeichnet  und 1961 im Rahmen der Entstalinisierung in Wolgograd umbenannt. Da wollen wir hin!, wirtschaftliches Zentrum an der unteren Wolga, so teilt uns Wikipedia mit. Wie sieht diese Stadt heute aus?

Die neueste, erst kurze Vergangenheit, so war sie auch Austragungsort der Fußball WM mit einem neuen Stadion direkt an der Wolga unterhalb der Mutterheimat-Statue. Wolgograd, eine Millionenstadt!

Zunächst verlassen wir Kamychin und kommen erstaunlicher Weise mit relativ wenig Verkehr gut voran.

Wir erreichen Wolgograd um die Mittagszeit und wurschteln uns durch den Verkehr dieser Millionstadt, aber trotzdem ist relativ wenig los, was vielleicht auch an den großen teils 4 spurigen, schnurgeraden Einfallstraßen zutun hat. Aber unkompliziert erreichen wir unser Hotel auch heute nicht!  Unsere Navis sind sich dieses mal einig und sagen uns: Von der großen Hauptstraße abbiegen und dann ist es nicht mehr weit... Zunächst aber schicken sie uns kreuz und quer, rechts und links über fußwegartige Minigässchen, auch Lieferverkehr, Postautos etc.  bremsen uns aus, ständig müssen wir halten, weil wir mit unseren Seitenkoffern zu breit sind und eine gefühlte Ewigkeut warten, bis der Fahrer von seinem Lieferrundgang zurück kommt (ob wohl Amazon hier auch Einzug hält?). Wir kommen millimetermäßig voran bis die Navis anzeigen: "Ziel erreicht!" Wir stellen uns eine schon oft gestellte Frage: "Hier soll unser Hotel sein?" Wir stehen an einem Plattenbau. " Ja, Plattenbau ist richtig!". Aber wir sehen weder einen Hinweis noch einen Straßennamen, keine Hausnummer. Das hatten wir doch schon einmal! Aber es gibt auch keinen Eingang! Nirgends sieht es annähernd nach einem Hotel aus und es vergeht einige Zeit, bis wir merken, dass wir auf der Rückseite des Hotels stehen. Dann nochmal anfahren und rechts und links und wir stehen an richtiger Stelle, vordere Seite! Sogar beschildert, wie es sich gehört! Hotel Kashtan, das untere Stockwerk im Plattenbau ist als Hotel umfunktioniert! Außen sieht es nicht so gut aus, aber innen ist alles prima samt Personal!

Nach üblicher Dusche gehen wir gleich runter an die Wolga, wollen in der kurzen Zeit, die wir hier sind möglichst viel entdecken und sehen. Am Bahnhof machen wir Halt, erbaut 1951 im Sowjetstil. Wir gehen hinein und begutachten das künstlerische Werk im Innern:  pompös und heroische Motive an den Decken und Seitenwänden, Frauen und Männer, die die Arbeiter und Bauern darstellen im Arbeiter- und Bauernstaat, die glücklich bei der Arbeit auf dem Feld ihren Dienst für den Staat tun. Oder Männer, die rote Fahnen schwenken und glückseelig die Revolution und den Kommunismus feiern! Dass es so etwas noch gibt! Wie die vielen Leninstatuen wirkt auch dieser Bau aus der Zeit gefallen!

Wir laufen weiter durch die Metropole, Großstadt im Plattenbaustil, das Meiste ziemlich runter, bis wir Mütterchen Wolga erreichen. Die Wolga ist hier schon richtig mächtig und dick, die Wolgaschifffahrt floriert, es ist viel los auf dem Fluss, ein Flusskreuzfahrtschiff legt auch an. Wir lassen uns an diesem Abend treiben, die Stadt, die Wolga, wir können es kaum fassen, wir sind im ehemaligen Stalingrad!

Am nächsten Morgen wollen wir zur bekannten Mutterheimat - Statue, auch "Das Mutterland ruft" - Statue genannt, dem Wahrzeichen, Mittelpunkt der Stadt, auf dem Mamarjewhügel schon kilometerweit erkennbar.  Es herrscht ziemliche Hitze, kleine Schweißrinnsale bahnen sich einen Weg unsere Rücken runter ...gefühlt oder wirklich sind es 40 Grad. Zunächst gehen wir an einer großen Leninstatue vorbei, erreichen dann nach einem ewig langen Fußmarsch gerade auf einem der langen Prospekte, neu und sauber, unser Ziel. Aber Wahnsinn, der Weg hat sich gelohnt, die gigantische Statue taucht vor uns auf. Ein Muss für jeden Wolgogradbesucher.

Am Mamajewhügel liegt sie, diese Gedenkstätte zur Schlacht um Stalingrad. Die Statue trägt ein 33 m langes Schwert, wiegt 7900t und ist 85 m hoch. Erbaut 1967, ist sie eine der grüßten Statuen der Welt. Gigantisch wirkt sie auch schon von Weitem, aber noch vie, viel gigantischer, wenn man unter ihrem Riesenfuß steht und ganz langsam nach oben blickt!

Drum herum wird dargestellt, wie heldenhaft und ruhmreich die große Sowjetarmee die Faschisten besiegt hat. Tiefe, spannende Musik untermalt das ganze Szenario. Auch hier wie im Bahnhof diese gigantisch übertriebene sowjetische Kunst! Das neu erbaute Fußballstadion am Fuße der Mutter-Heimat wirkt so unpassend!

Es ist 12.00 Uhr und wir können sogar einer Wachablösung beiwohnen...Eine Parade im Stechschritt...Wow! Es ist faszinierend, die Soldaten zu beobachten, wie sie, keine, absolut keine Mine verziehen. Mit dutzenden von anderen Touristen aus aller Welt bestaunen wir Geschehen.

Keine Ahnung wieviel Zeit wir hier verbracht haben, aber es ist mittlerweile nachmittags und wir uns von einem Taxi zum Kriegsmuseum bringen! Hier gibt es sogar Kopfhörer in Muttersprache aller Herren länder, wie es sie mittlerweile überall auf der Welt in Museen gibt... Wahnsinn! Noch mehr Geschichte, wir können kaum alles fassen! Diese gemeinsame Geschichte wie sie Deutschland und Russland verbindet mit all ihrer Brutalität wird hier deutlich. Und immer wieder: die ruhmreiche Rote Armee, Sieg über die Faschisten!... Wir sind platt!

Im Restaurant vom Hotel, ein Kleinod unter Bäumen, können wir das Gesehene verarbeiten. Die Kellner Dascha und Vlad sind megafreundlich und immer bemüht, ein wenig Englisch zu sprechen! Zu gerne würden wir wissen, wie sie so in dieser Stadt leben, deren Geschichte so bedeutend und ausschlaggebend für die gesamte Menschheit war! Nicht viel Zeit für große Gespräche mit uns, müssen sie Ihrer Arbeit nach gehen.

 

Morgen dann wollen wir schon wieder aufbrechen und wolgaabwärts Richtung Delta und Astrachan fahren!


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Kommentare: 1
  • #1

    Günter Maienschein (Sonntag, 21 März 2021 23:56)

    Ich bewundere immer wieder eure tollen Touren durch Osteuropa.,besonders eure Russland-Tour,einfach super.Ich war schon viele mal in Russland,Krim,Schotschi,ST-Petersburg,Moskau.Meine Freundin wohnt in Bryansk ca 450km südwestlich von Moskau.Wenn das endlich mit Corona vorbei ist,möchte ich sehr gerne mal mit meiner BMW K100 eine Tour am schwarzen Meer unternehmen.