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Syzran-Samara


Regenguss und Stalinbunker!


Die Wolga empfängt uns ganz unspektakulär in Syzran! Aber jippi... wir haben unser erstes großes Etappenziel erreicht! Ab jetzt wird es vielleicht entspannter,da wir die Kilometer zum Etappenziel kürzer geplant haben. Ab jetzt wollen wir auch mehr vom Land kennen lernen.

Unser Hotel "U Kremlin" liegt direkt an einem Seitenarm der Wolga! Wir werden freundlich empfangen. Da wir früh sind, machen wir auch gleich  einen Spaziergang an der Promenade und am Boulevard... es sieht etwas Multikulti aus... uns gefällt der kleine orientalische Einschlag! Wir finden auch ein kleines Restaurant direkt am Wasser! Wie üblich Verständigung per Googleübersetzer, unser stetiger Begleiter!

Am nächsten Morgen stehen wir relativ früh auf, denn wir wollen nach Samara, der ersten großen Stadt, ein Austragungsort der Fußball-WM. Zügig kommen wir auch voran.

Den Verkehr und die Fahrweise der Russen haben wir mittlerweile verstanden und uns drauf eingelassen, sehen alles nicht mehr so verbissen. Aber dran gewöhnen können wir uns nur schwer. Es gilt wohl das Prinzip des Schnelleren. Wir fahren vorschriftsmäßig, 90 km/h sind auf der Landstraße erlaubt. Drängeln und Dichtauffahren heißt: "Ich will vorbei und das möglichst schnell". Wir fahren so weit rechts wie möglich (sonst fährt man uns noch die Koffer ab.) So machen das Alle. Die Langsamen machen Platz, damit der Schnelleren passieren können!

In Samara fahren wir leider bei Regen ein! Die Straßen sind schnell unterspült, irgendwie ist wohl die Kanalisation überfordert. Wir fahren nicht durch Pfützen sondern durch Seen und Flüsse. Vor Allem aber sehen wir aus wie sau als wir am Hotel ankommen!

Wir kommen sogar am Russischen Raumfahrtmuseum vorbei, dem eigentlichen Grund unseres Besuchs.

Unser Hotel, ein abgewrackter Plattenbau, finden wir sogar schnell! Wow, beide Navis mal im Einklang und richtig! Eine Klingel und Beobachtungskamera, die Tür öffnet sich und eine unerwartete Herzlichkeit von der "Empfangsdame", evtl der Hoteleigentümerin schwappt uns entgegen. Unser Zimmer, etwas kitschig eingerichtet, dafür aber appartmentgroß, prima für 2 Nächte!

Und wir haben Glück! Der uns empfangende Regen war ein Vorgeplänkel, es geht ein richtiges Unwetter nieder. Wir ruhen dafür ein wenig... Aber der Guss ist schnell vorbei und wir unternehmen einen ersten Spaziergang an der kilometerlangen Wolgapromenade mitsamt seiner Badestrände, für die Samara bekannt ist! Leider kein Wetter zum Baden.

Am nächsten Tag stehen 2 Highlights auf dem Programm, der Stalinbunker und das Raumfahrtmuseeum.

Als erstes Stalinbunker: Ein Fußweg von knapp 4 km führt uns zwischen Moderne und Altem, zwischen Hochglanzneubauhochhäusern und alten unrestaurierten, aber bewohnten Holzhäusern, Fenster von vor Hundert Jahren!

Öffnungszeiten des Bunkers 11.00 - 18.00, so laut Internet! Kurz nach 11.00 Uhr sind wir da. Man bedeutet uns, wir sollen um 13.00 Uhr wieder kommen... Häh?... Warum?... Keine Ahnung. Vielleicht mangelnde Sprachkenntnisse? Nein, denn mit uns werden auch russisch sprechende Personen abgewiesen, die genauso fragend drein schauen wie wir. Ok, wir überbrücken die Zeit, kehren irgendwo ein, trinken etwas und um 12.30 Uhr sind wir zurück. Eine lange Schlange vorm Bunker erwartet uns bereits. Wir stellen uns an und ich frage einfach die vor uns wartende Familie: "Do you speak English?". Oh... ja, der Mann spricht sogar recht gut Englisch! Welch Glücksfall! Erklärt uns, dass vor 13.00 Uhr nur angemeldete Gruppen Einlass haben. Auf die Frage warum das nicht so in den Öffnungszeiten steht, gibt er uns zur Antwort: "Das ist halt so."...Dann weicht er uns nicht mehr von der Seite, hilft uns beim Eintritt an der Kasse. Die Führung beginnt. Natürlich nur in Russisch, wir verstehen kein Wort. Aber wir haben uns ja vorher informiert und Dank der Info des netten englischsprechenden Herrn erfahren wir, dass Stalin einen Bunker erbauen lies, völlig unbemerkt von der Bevölkerung und der nahen Nachbarschaft. Im Falle der Einnahme Moskaus durch die Deutsche Wehrmacht wäre das sein Rückzugspunkt und Sitz der sowjetischen Regierung gewesen. 37  Meter tief, erbaut 1941 in nur 9 Monaten. Voll interessant ist dieses Stück gemeinsame Geschichte! In der Zwischenzeit erfahren wir von dem Herrn allerhand Persönliches: Sie kommen aus Murmansk und sind auf dem Weg nach Sotschi ans Schwarze Meer, Zwischenstopp Samara. Die Führung ist beendet, wir verabschieden uns überschwänglich. Wie schade, wir haben keine Namen, nix... Eine Begegnung, die dieses Land dann doch sympatisch macht!

So, dann jetzt zum Raumfahrtmuseum bevor es um 18.00 Uhr schließt... Zu Fuß gut über 6 km... auf der Promenade im schnellen Schritt ... dann taucht sie auf, die Sojus-Rakete, Wahrzeichen des Museums... Wir rütteln am Eingang: ZU!!! Nee, das kann nicht sein!!! Extra deswegen sind wir hier! Ein Datum steht da geschrieben: 16.08., aber den haben wir doch noch nicht! Neben uns steht eine Familie, anscheinend auch etwas enttäuscht. Wir stellen die übliche Frage: "Do you speak English?"... "No"... Sie deuten auf das Schild: "Rabotta" ... "Arbeiten!" nicht am 16.08. sondern BIS zum 16.08.... der Sohn übersetzt...er lernt Englisch in der Schule! So ein Pech!

"Doswidanja"... wir gehen enttäuscht, wollten wir doch dieses Museeum unbedingt sehen...!

Uns kommt der Sohn hinterher gelaufen: " Where are you from?".... Er übersetzt... hin und her... sie kommen aus Sibirien und sind auf dem Weg ans Schwarze Meer und heißen Olga, Juri und Sohn Vlad und sind sehr sympatisch... Wir sollen sie unbedingt in Siberien besuchen kommen...Mehr erfahren wir auch bei dieser Begegnung nicht...

Schade, kein Raumfahrtmuseum, aber dafür sehr positive, menschliche Begegnungen... auch das wohl macht diese Reise aus!

Wir essen in einem pseudodeutschen Restaurant, namens "Sehr Gut", wo es deutsche Spezialitäten gibt..." Chicken Wings"..."Hamburger"..."Ribbs"... typisch deutsch!?...

Am nächsten Morgen bekommen wir Frühstück aufs Zimmer! Danke! Wir wollen weiter wolgaabwärts..."Wie?" ...die nette Frau an der Rezeption bedeutet: Schade, dass wir abreisen... Wir drücken uns innig, als wenn wir uns schon Jahre kennen, dabei haben wir doch kaum ein paar Worte gewechselt...! Wir machen 1, 2 Fotos... Sie hat Abschiedstränchen in den Augen. Klar, wir werden wieder kommen, bedeuten wir ihr! Und auch sie verlassen wir winkend!... Ja, vielleicht kommen wir wieder! Stadtauswärts fahren wir entspannt, an bekannter Promenade entlang... Gar nicht so schlimm, dieser gefürchtete Stadtverkehr!

Da kommt sie, die befürchtete Kelle eines Polizisten! Erste Kontrolle... HILFE! Wir sind weder zu schnell gefahren, noch haben wir eine durchzogene Linie durchfahren oder uns sonstwie verkehrswidrig verhalten.Wir haben doch so viele  Geschichten über Korruption etc gelesen. Ich bin total nervös, überlege, was wir tun könnten, wenn er jetzt "Rubel" von uns haben will! Sein Googlübersetzer meint: "Papiere zeigen, bitte!" Ein Blick aufs Nummernschild...Alles in Ordnung... Das war`s!   Es geht also auch normal!... Er deutet uns: "Gute Weiterfahrt!"

 

Wir fahren weiter wolgaabwärts!

 

 

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